Babys, Geburtenkontrolle, und was Teens sich wirklich wünschen

Babys, Geburtenkontrolle, und was Teens sich wirklich wünschen
Eine Kampagne zur Verhütung früher Schwangerschaften ignoriert die Hinweise, die junge Menschen selbst über die richtigen Gegenmittel geben. - Oberflächlich betrachtet, ist eine Kampagne, die Teenager einlädt, sich über ihre Ziele Gedanken zu machen, eine gute Idee. Pubertät ist die Zeit, Ideale zu pflegen und die nötigen Opfer zu bringen, sie zu erreichen.
von Meg T. McDonnell - ins Deutsche übertragen von Horst Niederehe
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Doch als die City of Baltimore im vergangenen Monat ihre Know What U Want Schwangerschafts-Vermeidungs-Kampagne vorstellte, hat sie ihr Ziel um Längen verfehlt. „Diese Stadt wird nie zu der werden, die sie sein könnte, wenn wir unseren Kindern nicht helfen, zu werden, was sie sein können“ liest man im Vorwort des 2010 herausgegebenen Strategic Plan to Reduce Teen Births in Baltimore City.
Nun wird sicher wohl jeder zustimmen, dass Schwangerschaften bei Teenagern eine Reihe von Einschränkungen mit sich bringen. Baltimore hat mit einer von sechs Schwangerschaften bei Teenagern eine der höchsten Raten früher Schwangerschaften in den USA, also muss etwas dagegen unternommen werden.
Es ist eine Binsenweisheit, dass wachsendes sexuelles Bewusstsein wichtiger Teil im Leben von Heranwachsenden ist und dass unsere Sex-geladene Kultur junge Leute zum Ausprobieren verführt, oft mit ungewollten und unglücklichen Ergebnissen. Doch ist Baltimores jüngster Versuch, Teen-Schwangerschaften einzudämmen, wirklich geeignet, deren Ursachen klar in den Blick zu nehmen?
In einer das ganze Stadtgebiet umgreifenden Verhütungs-Kampagne, die sich direkt an Teens - unter 15jährige eingeschlossen - richtet, werden im Rahmen der "Know What U Want campaign" mit Hilfe von Videos, Facebook und einem Webportal zum Auffinden von Kliniken, Praxen und Kontakten, Teenager ermutigt. „Choose what’s right for you“, also, zu wählen, was für sie richtig ist.
Die Plattform erklärt auch, wie Teens ohne Kosten Kontrazeptiva erhalten, und dies auch ohne Zustimmung der Eltern, was nach den Gesetzen des Staates Maryland legal ist. Doch der ganze Medien-Rummel kann keinem Mädchen Verhütung vorschreiben, das unbedingt ein Kind haben will.
Nach offiziellen Statistiken verzeichnet die Gruppe der Hispanoamerikaner den höchsten Anteil von Teen-Schwangerschaften einerseits und von Mädchen, die bereits schwanger waren, andererseits. Der Strategieplan bemerkt ergänzend: „Armut ist sowohl Risikofaktor, wie Konsequenz von Teen-Schwangerschaften".
Die Soziologinnen Kathryn Edin and Maria Kefalas ermittelten in ihrem research on teen mothers unter ärmeren Bevölkerungsschichten, dass Mädchen-Mütter oft Kinder haben, um eine Leere in ihrem Leben zu füllen. „Ich wollte ein Kind, weil es mein ist, und um es zu lieben“, sagte ihnen eine Teen-Mutter. Mutterschaft gibt diesen Mädchen einen Lebenssinn, etwas, wonach alle Heranwachsenden suchen.
„Wenn mir die Energie fehlt, morgens aufzustehen ... dann weiß ich doch, dass ich muss“, erklärte eine Siebzehnjährige Mutter. „Wenn ich mich umdrehe und mein Baby ansehe, dann fühle ich, dass ich ihm ein besseres Leben geben möchte, so stehe ich also auf und fange mit meinem Tagwerk an“.
Edin und Kefalas heben im Übrigen hervor, dass Verhütungsmittel auch in den ärmeren Gemeinden überall verfügbar seind, ebenso, wie Kliniken mit kostenlosem oder billigem Behandlungsangebot so gut bekannt, dass man kein Telefonbuch braucht, sie zu finden.
Einfluss der Eltern

Wie klug ist es eigentlich, die Eltern außen vor zu lassen? Die Heimlichtuerei um Zugang zu Kontrazeptiva, die Know What U Want betreibt, scheint nicht dem zu entsprechen, was Teens sich wünschen würden.
Daten der "National Campaign to Prevent Teen And Unplanned Pregnancy" (deren Grafiken und Daten im birth control method finder von Know What U Want aufgenommen wurden, wiewohl sich National Campaign gegen deren Verwendung ausgesprochen hatte) belegen, dass Teens sich mehr elterliche Einmischung in ihr Sexualleben wünschen würden, keinesfalls weniger. Im With One Voice Survey dieses Jahres geben 38% der Teens an, dass ihre Eltern am Stärksten ihre Entscheidungen im Bereich der Sexualität beeinflusst hätten, ein Prozentsatz, der für keine andere Form von Einflussnahme erreicht wird. 87% der Teens stimmten der Aussage zu: „Es wäre leichter für mich, sexuelle Aktivitäten hinauszuzögern, und so frühe Schwangerschaften zu vermeiden, wenn über dieses Thema offenere und ehrlichere Gespräche mit den Eltern geführt werden könnten“.
Mancher wird einwenden, dass sich nicht alle Eltern in der Lage sehen, solche Gespräche mit ihren Kindern zu führen. Wenn dies stimmt, wäre nicht eine Initiative zur Dialogbefähigung der Eltern mit ihren Kindern angemessener, besonders dann, wenn dies dem ausdrücklichen Wunsch der Teenager entspricht?
Der Baltimore Plan bemerkt, dass Teens angaben, Versuchungen unterschiedlicher Art ausgesetzt zu sein, sich auf Sex einzulassen und plötzlich schwanger sind.
Dazu gehören oft permissive Eltern oder Mütter, die selbst als Teens Kinder bekamen. Dies sollte noch mehr Veranlassung geben, bei Initiativen zur Sexualerziehung die Eltern einzubinden, um den Eltern die möglichen Risiken deutlich zu machen und den Kindern die Möglichkeit zu geben, aus dem Vorleben der Eltern zu lernen.
Ein weiteres Motiv, sich sexuell zu betätigen, war nach Aussage der Baltimore Teens „dass wir zuviel Freizeit haben“, und so war einer ihrer Vorschläge: „Wenn jeder etwas Nützliches täte, wäre es einfacher... wenn man mit Freunden zusammenkäme, um etwas Sinnvolles für die Gemeinschaft zu tun, wäre man beschäftigt und nicht dauernd an Sex denken.
Dies ist ein Vorschlag, der nachweislich Sex unter Teenagern hinauszögert, wie in einer Untersuchungüber Sexualerziehung und Abstinenzprogramme von Douglas Kirby für die National Campaign to Prevent Teen and Unplanned Pregnancy belegt ist. „Eine Studie weist nach, dass Nachhilfeangebote die Initiation zum Sex bei Mittelschul-Studenten verzögern, und drei weitere Studien zu solchen Programmen an unterschiedlichen Schultypen belegen, dass in Folge von Nachhilfeangebote nwährend des akademischen Jahres weniger Schwangerschaften zu verzeichnen waren.
Spätere Ehe sollte bedacht werden

Baltimores Bürgermeisterin City Mayor Stephanie Rawlings-Blake propagiert die "Know What U Want campaign" in einer Weise, als würden Teens nur durch sie „ihre persönlichen Ziele erreichen können“, indem sie Schwangerschaften vermeiden und ihren Weg als produktive Mitglieder der Gesellschaft gehen. Aber nicht nur ein Baby kann ein Leben aus der Bahn werfen, ein Mensch kann auch mit jungen Jahren in bindungslose sexuelle Beziehungen abdriften.
Die University of Michigan untersucht im laufenden Forschungsprogramm Monitoring the Future, die Lebensgewohnheiten junger Amerikaner. In ihrem Bericht von 2006, gaben 91 % der High-School Studenten an, dass eine gute Ehe für sie „wichtig“ oder gar „extrem wichtig“ sei. NFSG, der National Survey of Family Growth, (eine nationale Forschungsstelle über Frauen, die vom American Center of Disease Control und dem U.S. Department of Health and Human Services geführt wird) belegt jedoch, dass frühe, oder häufige außereheliche Sexualbeziehungen negative Konsequenzen im späteren Leben nach sich ziehen.
Vergleicht man Mädchen, die mit 13 oder 14 Jahren erste sexuelle Kontakte hatten, mit Frauen, die erst Anfang 20 sexuell aktiv wurden, so war die erste Gruppe in ihren 30ern zu weniger als 50% in stabilen Beziehungen, so das Ergebnis der Auswertung von NFSG Daten durch die Heritage Foundation. Mehr als 50% der Frauen, die mit Anfang 20 sexuell aktiv wurden, gaben an, in ihrem Leben „sehr glücklich“ zu sein, während nur ca. 30% derer, die mit 13 oder 14 Jahren erste sexuelle Kontakte hatten, sich heute als „sehr glücklich“ bezeichnen. Wer konfrontiert eigentlich Teens mit solchen Informationen?
Man wird natürlich nachdenklich und fragt sich: Hilft die "Know What U Want campaign den Teens wirklich weiter, das im Leben zu erreichen, was sie sich kurz- oder langfristig vorstellen? Die Daten belegen etwas Anderes und alle Initiativen, die sich an Teens wenden, sollten diese stärker berücksichtigen. Junge Menschen verdienen jedenfalls bestmögliche Anleitung zum Erreichen ihrer Lebensziele.
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Meg McDonnell lebt in Washington DC. Sie wird bald als Kommunikationsdirektorin der Chiaroscuro Foundation in New York angehören.
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