The Monuments Men - Ungewöhnliche Helden

Filmische Qualität: 2,5 von 5 Punkten
Regie: George Clooney
Darsteller: George Clooney, Matt Damon, Bill Murray, John Goodman, Jean Dujardin, Cate Blanchett, Bob Balaban, Hugh Bonneville
Land, Jahr: USA/Deutschland, 2014
Laufzeit: 118 Minuten
Genre: Kriegsfilm
Publikum: Jugendliche, Erwachsene
Einschränkungen: --

Rezension: JOSÉ GARCÍA - www.textezumfilm.de

Die Fahnder sind die titelgebenden „Monuments Men“. Diese aus „Kunstschutzoffizieren“ und Hunderten von Helfern bestehende Einheit existierte tatsächlich sowohl innerhalb der US-Streitkräfte als auch in der britischen Armee von 1943 bis 1946. Ihr Auftrag: Denkmäler vor Angriffen aus den eigenen Truppen zu schützen sowie ausgelagerte oder entwendete Archiv- und Kunstsammlungen zu suchen und sicherzustellen. Für diese Suchaktion stellte eine große Hilfe ein von Rose Valland, der Konservatorin des Musée du Jeu de Paume, heimlich zusammengestelltes Register dar, weil dieses Pariser Museum von den Nazis als zentrales Depot für die in Frankreich aus Museen und privaten Sammlungen geraubten Kunstwerke diente, ehe sie nach Deutschland verbracht werden sollten. Reichsmarschall Hermann Göring besuchte dieses Museum mehrfach, um Kunstwerke für seine private Sammlung auszusuchen. In Clooneys Spielfilm heißt die Konservatorin Claire Simon (Cate Blanchett).

Für diese seine fünfte Regiearbeit hat sich George Clooney einen wahrhaftig epischen Stoff ausgesucht. Bislang hatte er sich mit Fragen der Integrität im Journalismus („Good Night, and Good Luck“, 2006) und der Rechtschaffenheit im politischen Milieu („The Ides of March – Tage des Verrats“, 2011) beschäftigt. Basierend auf Robert M. Edsels gleichnamigem Buch beginnt „The Monuments Men“ ebenfalls mit einem Appell an die Menschlichkeit: Frank Stokes (George Clooney selbst) erklärt dem Präsidenten der Vereinigten Staaten Franklin D. Roosevelt – und damit natürlich auch dem Zuschauer – in einem Diavortrag, warum die Zusammenstellung einer solchen Kunstschutz-Einheit erforderlich sei: Die Zerstörung von Kunstwerken komme dem Auslöschen des kollektiven Gedächtnisses, der Vernichtung einer Kultur gleich. Als nach einigem Überlegen der Präsident der Einrichtung einer solchen Spezialeinheit zustimmt, kann Frank Stokes seine Truppe zusammenstellen. Dazu gehören Museumsrestaurator James Granger (Matt Damon) – der an den späteren Direktor des New Yorker Metropolitan Museum of Art James Rorimer angelehnt ist – sowie der Architekt Richard Campbell (Bill Murray), der Bildhauer Walter Garfield (John Goodman), der Ballett-Impresario Preston Savitz (Bob Balaban), Kunsthistoriker Donald Jeffries (Hugh Bonneville), der einige Fehler in seinem Leben gemacht hat und nun eine zweite Chance sucht, sowie der jüdische Kunsthändler Jean-Claude Clermont (Jean Dujardin), der von Frankreich nach England geflohen war. Später gesellt sich zu ihnen als Dolmetscher Sam Epstein (Dimitri Leonidas). Die Suche nach Verbündeten inszeniert Regisseur Clooney ziemlich klischeehaft wie ein „Meisterdieb-Film“ etwa aus der „Ocean’s“-Reihe. Nach einer kurzen militärischen Grundausbildung geht es nach Europa. Die Kunstschutz-Einheit landet in einer von Wracks übersäten Normandie kurz nach dem D-Day. Dort trennen sich ihre Wege: Granger soll sich in Paris mit Claire Simon treffen. Die anderen machen sich in kleinen Gruppen auf die Suche nach von den Nazis verschleppten Kunstwerken.

Obwohl der Film mit einer Reihe hervorragender Schauspieler aufwartet und sich die Geschichte außergewöhnlich und spannend ausnimmt, schafft es Mit-Drehbuchautor und Regisseur George Clooney kaum, den Zuschauer für die einzelnen Figuren oder für das Thema zu interessieren. Dies liegt zum Teil daran, dass Clooney mit seinem Film allzu offensichtlich den echten „Monuments Men“ ein filmisches Denkmal setzen möchte. Dazu greift er insbesondere auf Pathos in den Reden – „Ist ein Kunstwerk ein Menschenleben wert?“, fragt der von ihm verkörperte Frank Stokes immer wieder – und auf die ebenso schwülstige Musik von Alexandre Desplat zurück. Zu dieser Heldenverehrung passt freilich auch, dass die Gut-Böse-Einteilung allzu eindeutig vorgenommen wird. Die Bösen sind nicht nur die Deutschen, die entweder „entartete“ Kunst zerstören oder sich europäische Meisterwerke unter den Nagel reißen wollen, sondern auch die später dazukommenden Russen, die ebenso diese Kunstwerke für sich erbeuten wollen. Nur die Amerikaner sind angetreten, um die Kunst an ihre legitimen Besitzer zurückzugeben. Bezeichnend in diesem Zusammenhang sind die Gespräche zwischen James Granger und Claire Simon, bei denen der amerikanische Kunstrestaurator die Frau, die für die Registrierung der Werke ihr Leben riskiert hat, von den hehren Zielen der „Monuments Men“ überzeugen kann. Bezeichnend ist es aber auch, dass über eins der Hauptziele der Kunstschutz-Einheit – der Zerstörung von Denkmälern durch die eigenen Angriffe vorzubeugen – einfach hinweggegangen wird, obwohl Autor Edsel darauf hinweist, dass im August 1943 die Alliierten Leonardos „Das letzte Abendmahl“ beinah zerstört hätten.