Toy Story 3

Toy Story 3
Mit „Toy Story“ begann vor fünfzehn Jahren eine der innovativsten Entwicklungen in der neueren Filmgeschichte. Als John Lasseter 1995 beim ersten Langspielfilm der Animationsschmiede „Pixar“ Regie führte, wurde „Toy Story“ der erste vollständig computeranimierte Spielfilm. Damit leitete John Lasseters Film die Geburt des im Unterschied zum zweidimensionalen Zeichentrickfilm von Anfang an dreidimensional angelegten Animationsfilms ein.
Filmische Qualität: 5 von 5 Punkten
Regie: Lee Unkrich
Darsteller: (dt. Stimmen) Michael "Bully" Herbig, Rick Kavanian, Christian Tramitz, Carin C. Tietze
Land, Jahr: USA 2010
Laufzeit: 103 Minuten
Genre: Animation
Publikum: ab 6 Jahren
Einschränkungen: --

Rezension: JOSÉ GARCÍA - www.textezumfilm.de

Seitdem hat Pixar neun weitere Animationsfilme produziert. Und mit jedem neuen Pixar-Film wurde die Animation perfekter, die Dramaturgie und die jeweilige Handlung immer komplexer, so dass die letzten drei Pixar-Filme „Ratatouille“ (2007), „Wall-E“ (2008) und „Oben“ (2009) nicht nur jeweils den Oscar als „Bester Animationsfilm“ gewannen, sondern auch in der Kategorie „Bestes Originaldrehbuch“ nominiert wurden.
„Toy Story“ erzählte von Spielzeugen, die lebendig werden, sobald sie aus dem Blickfeld der Menschen verschwinden. Im Mittelpunkt steht der Cowboy Woody, der seinen ersten Platz im Kinderzimmer Andys in Gefahr sieht, als der Junge den batteriebetriebenen Space Ranger Buzz Lightyear geschenkt bekommt. Als vier Jahre später John Lasseter zusammen mit den Co-Regisseuren Ash Bannon und Lee Unkrich die Fortsetzung „Toy Story 2“ realisierte, drohte einem ramponierten Woody die Abschiebung in ein japanisches Spielzeugmuseum.
Thematisch greift „Toy Story 3“, bei dem nun Lee Unkrich Regie führt und John Lasseter als Executive Producer („ausführender Produzent“) maßgeblich beteiligt ist, erneut die Angst des Spielzeuges vor dem Ausrangiertwerdens auf. Nach dem Drehbuch von Michael Arndt, der für „Little Miss Sunshine“ (siehe Filmarchiv) im Jahre 2007 den Oscar gewann, erzählt „Toy Story 3“ von dem Augenblick, vor dem sich alle Spielzeuge fürchten: Andy soll ins College wechseln, seine kleine Schwester freut sich darauf, Andys Zimmer zu bekommen. Da stellt sich natürlich die Frage: Wohin mit den „alten“ Spielsachen? Woody will Andy doch noch ins College mitnehmen. Alle anderen – Buzz Lightyear, Cowgirl Jessie mit Pferd Bullseye, der Hund Slinky, der ängstliche Dinosaurier Rex, das Sparschwein Hamm, Herr und Frau Kartoffelkopf und die drei kleinen Außerirdischen – sollen hingegen auf den Dachboden. Durch ein Missgeschick finden sie sich jedoch neben der Mülltonne wieder, ehe die ganze Spielzeugtruppe dank Woodys Befreiungsaktion zusammen mit einer Barbie-Puppe in einem Kindergarten landet. Dort werden sie vom großen Lots-o’-Huggin’ Bear („Knuddelbär“), genannt Lotso, willkommen geheißen, und lernen etwa auch Barbies Partner Ken kennen. Das Leben im Kindergarten, wo jeden Tag jede Menge Kinder zum Spielen kommen, hört sich verheißungsvoll an. Doch der Schein trügt. Woody, Buzz und alle anderen erfahren bald, was es heißt, in einem goldenen Käfig gehalten zu werden.
Dass „Toy Story 3“ nicht nur inhaltlich, sondern auch optisch an die früheren „Toy Story“-Filme anzuknüpfen hatte, stellte einen gewissen Nachteil gegenüber den deutlich weiter entwickelten, teilweise fotorealistischen Bildern in den letzten Pixar-Filmen dar. Wie die Filmemacher dieses Handicap meistern, zeigt bereits die Eröffnungssequenz im Wilden Westen, die den Charme der Vorgänger mit unübersehbarer Brillanz verknüpft. Diese erste Sequenz gibt ebenfalls einen Rhythmus vor, der sich zusammen mit einem allgegenwärtigen Witz durch den ganzen Film zieht.
Denn bei aller bildlichen Vollkommenheit und perfekter Animation liegt die Stärke von „Toy Story 3“ in der Dramaturgie, mit der ein überaus komplexes Drehbuch umgesetzt wird, sowie in den ungemein vielschichtigen Figuren. So ist etwa in Lotso der Unterschied zwischen Charakterisierung und Charakter mustergültig entwickelt. Lotsos Story wird darüber hinaus ebenso hervorragend mit seiner Lebensgeschichte verzahnt, so dass diese Figur eine beispiellose Tiefe erhält. Jeder Charakter von „Toy Story 3“ besitzt mehr Persönlichkeit, mehr Tiefe, mehr Seele als beispielsweise alle Figuren von „Eclipse – Bis(s) zum Abendrot“ zusammen. Das ist das Geheimnis von Pixar, wie die Animationsschmiede mit „Toy Story 3“ wieder einmal unter Beweis stellt. Deshalb bringen Pixar-Filme den Zuschauer nicht nur zum Lachen, sondern rühren ihn ohne jeden falschen Ton und ohne falsche Gefühle zu Tränen.
Über die Hommage an Hayao Miyazaki hinaus, die im Zitat einer der Lieblingsfiguren des japanischen Animationsmeisters, „Totoro“ zum Ausdruck kommt, macht „Toy Story 3“ wieder einmal deutlich, wie wichtig John Lasseter und der ganzen Pixar-Mannschaft Werte wie Familie und Freundschaft sind. „Toy Story 3“ ist nicht nur einer der ergreifendsten Filme des bisherigen Kinojahres, sondern zweifelsohne eine der besten Fortsetzungsfilme der Kinogeschichte.

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