Überfluss: Krankheit der Reichen

von Tamara El-Rahi - ins Deutsche übertragen von Horst Niederehe
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Wärest Du lieber reich und unzufrieden, oder arm und einfach froh? Wieso scheint es, dass Reiche immer noch mehr wollen, die weniger Begüterten aber glücklich und sogar noch bereit sind, zu teilen. Auf meinen Reisen habe ich diese Erfahrung oft gemacht und über die Jahre immer wieder darüber nachgesonnen; vielleicht bietet ja dieser Bloomberg Businessweek article eine Antwort. Dort liest man über „AFFLUENZ“, ein Leiden reicher Menschen - und die besonderen mentalen Gesundheitsprobleme, die daraus entstehen, dass man sich wirklich alles leisten kann.

Wir mögen gelegentlich versucht sein, sarkastische Bemerkungen zu machen, dass es die Reichen im Leben schwer haben, aber das stimmt sogar zu einem guten Teil. Überbordende Privilegien, wie im Artikel beschrieben, bilden häufig einen Rahmen, der nicht unbedingt eine gesunde Selbstentwicklung fördert. In einer solchen Welt müssen Kinder nicht ernsthaft Konsequenzen ihres Tuns tragen und so wachsen sie heran, mit ungebildetem Gewissen und einem starken Gefühl von Unfehlbarkeit. Von ihren Eltern erhalten sie mehr materielle Güter, anstelle von persönlicher Zuwendung und Liebe, nach der sie sich sehnen; sie sind also nicht unbedingt vertraut mit ihren Eltern, die Großes von ihnen erwarten. Die Eltern wiederum können nicht begreifen, wieso Fehler, groß oder klein, passieren können, da sie ihren Kindern doch alles geben.

Aus der Kenntnis dieser Zusammenhänge hat Jamison Monroe Jr., selbst ein „von der Verwöhnung geheiltes Kind“, eine Reihe von Reha-Einrichtungen eröffnet, die sich der Kinder annimmt, die ähnlich wie er selbst aufgewachsen sind. Diese Zentren sind deutlich opulenter ausgestattet, als es Sucht-Kliniken im Allgemeinen sind. Monroe glaubt, dass dies ein Schlüssel ist, um den jungen Patienten nicht das Gefühl zu geben, verfolgt zu werden und zu verhindern, dass Eltern der Meinung sein könnten, ihre Kinder in eine Art Gefängnis zu schicken. Seinen Mitarbeitern und Therapeuten gibt er in Bezug auf die Patienten den einfachen Rat: „Habt sie gern“.

Besonders interessant im Beitrag war der Hinweis, dass die Eltern der Kinder selbst häufig Probleme haben, sie sind oft Teil eines Teufelskreises des Reichtums und hatten zu ihren Eltern die gleiche Nicht-Beziehung, wie ihre Kinder zu ihnen. Sie haben nicht verstanden, dass Geld keine Liebe aufwiegen kann, sie, Eltern und Kinder, müssen begreifen, dass gemeinsame Mahlzeiten und Beisammensein der Familie einfach wichtig sind für die Beziehung. Es ist zu hoffen, dass die Familien-Therapie, die Monroe anbietet, denen, die sie brauchen, hilft.

Sage ich etwas gegen Reichtum? Keinesfalls! Ich kenne durchaus begüterte Familien, die großzügig und nicht abgehoben sind. Ich denke, es hängt alles davon ab, welchen Stellenwert man im Leben dem Geld zumisst und sicherstellt, dass diesem andere Werte noch vorgeordnet sind. Es ist interessant zu sehen, dass wir schlussendlich -egal, was wir besitzen, oder nicht- uns alle nach Liebe sehnen und nur durch Liebe gedeihen können. Das sollten alle Eltern, ohne Berücksichtigung ihres Scheckbuches, verinnerlichen.