Der Vater macht den Unterschied

von Carolyn Moynihan - ins Deutsche übertragen von Horst Niederehe
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Ein Beitrag im Wall Street Journal, der sich mit Forschungen zur Vater-Kind Bindung auseinandersetzte, erhielt folgenden, lustigen Kommentaraustausch: Richard McDermott: Können diese Forscher in ihrem Elfenbeinturm eigentlich ergründen, wo mein Vater vor 40 Jahren meine Nase versteckt hat, nachdem er sie geklaut hatte? Jared Blanton @Richard McDermott: Schau mal hinter deinen Ohren nach!
Richard McDermott @Jared Blanton: Ich fasse es nicht. Danke!

Das ist ein perfektes Beispiel für die Art und Weise, wie Väter mit ihren Kindern spielen: sie bemühen Elemente von Überraschung und Albernheit, die das Kind aus seiner Langeweile holen und so ablenken, dass es lacht.

„Als in einer Studie ein Kindergartenkind müde wurde und zu weinen begann, drehte es der Vater einfach um und ließ es einen Kopfstand auf seiner ausgestreckten Hand machen“, berichtet das Journal. „Ein anderer Vater entfachte die Spiellust seines Knirpses, der ihm eine (Spielzeug)-Spritze in den Arm zu setzen vorgab, indem er immer wieder rief: „Oh das tut so weh!“

In einer anderen Studie ließen die Forscher ein Kind mit seinem Vater, bzw. ein Kind mit seiner Mutter, ohne Spielzeug jeweils für zwei Minuten allein und forderten das Elternteil auf, das Kind zum Lachen zu bringen. Ein Vater nahm einen Lappen vom Boden und trug ihn als Kopfbedeckung, andere spielten Fangen oder schnitten Grimassen. Mütter waren durch den Mangel an Spielzeug etwas mehr gestresst, doch schafften auch sie es, auf ihre Weise, die Kinder dazu zu bringen, sich zu bewegen und Spaß zu haben.

Für Jahrzehnte, so scheint es, hatte die Wissenschaft nur die Mütter im Fokus, wenn es um elterliche Bindung und Einfluss auf das Wohlbefinden des Kindes ging. Heute studiert man auch den väterlichen Einfluss und entdeckt den Stellenwert ihres Beitrags zur Erziehung. Hier sind vier Aspekte väterlicher Mitwirkung aufgezählt, die Familienforscher Brad Wilcox in einem 2013, gemeinsam mit Kathleen Kovner Kline herausgegebenen Buch, hervorhebt.

Die Macht des Spielens: Körperliche Anstrengung, Zwanglosigkeit und Begeisterung haben einen Sinn. „Ob beim gemeinsamen Toben mit dem vierjährigen Sohn am Samstagmorgen oder beim Fußballtraining der Mittelstufe an einem Nachmittag der Woche, Väter verbringen normalerweise mehr Zeit bei sportlichen Aktivitäten mit den Kindern, als Mütter es tun und haben so die einzigartige Möglichkeit, ihre Söhne oder Töchter anzuleiten, Körper und Emotionen in rechter Weise einzusetzen, auf dem Spielfeld, wie im täglichen Leben.

Zu Risiken ermutigen: „Bei ihrem Umgang mit den Kindern ermutigen Väter ihre Kinder eher, Risiken auf sich zu nehmen, Herausforderungen mutig anzugehen und unabhängig zu agieren, während Mütter mehr um die Sicherheit des Kindes und sein Wohlbefinden besorgt sind. … Väter ermuntern ihre Kinder, auch Fremde anzusprechen, Hindernisse zu überwinden und gehen mit ihren Kleinkindern ins tiefe Wasser, um Schwimmen zu lernen.“ Dies fördert bei den Kindern Weltoffenheit und die Fähigkeit, für die eigenen Belange selbst einzustehen.

Das Eigene schützen: Väter spielen überdies eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, ihre Kinder vor Gefahren zu schützen, die in ihrer Umgebung lauern. …auf Grund ihrer physischen Erscheinung, Stärke oder festem öffentlichen Auftreten sind Väter erfolgreicher, Nachstellungen oder schlechte Freundschaften abzuwehren, die Sohn oder Tochter bedrohen könnten. Der Psychologe Rob Palkovitz hält fest, dass die Abwesenheit des Vaters von vielen Wissenschaftlern als größter Risikofaktor für Teenager-Schwangerschaften anzusehen ist.

Anteil der Mädchen, die im Teenager-Alter schwanger wurden

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Blauer Balken: Sehr gutes Verhältnis mit dem Vater (beim Zusammenleben mit beiden Elternteilen)
Roter Balken: Ausgewogenes Verhältnis mit dem Vater (beim Zusammenleben mit beiden Elternteilen)
Grüner Balken: Zeitweise gespanntes Verhältnis mit dem Vater (beim Zusammenleben mit beiden Elternteilen)
Lila Balken: Zusammenleben mit alleinerziehender Mutter

Disziplin: Obwohl Mütter ihre Kinder häufiger ermahnen und zur Ordnung rufen als Väter, ist deren Disziplinierungsstil markanter. Forschung zeigt, dass sie fester mit den Kindern umgehen als Mütter, die sich eher auf Diskussionen mit den Kindern einlassen und flexibler in Disziplinierungs-Situationen agieren, wobei sie auf die emotionale Bindung vertrauen, wenn sie den Kindern nahelegen, sich zu benehmen. Beide Stile können jedoch einen ausgewogenen Weg zur Disziplin gewährleisten.

Wilcox beschließt den Artikel mit Grafiken, die den Schutzeffekt von „Supervätern“ anzeigen, und selbst noch den von „brauchbaren Vätern“, den sie auf heranwachsende Kinder haben. Sie zeigen, dass Mädchen weniger leicht schwanger werden, Jungen weniger leicht in kriminelle Milieus abgleiten, wenn ein Vater da ist und sich einbringt. Dieser Effekt wirkt auch gegen Depressionen, die deutlich geringer bei Teens ausfallen, die ein gutes Verhältnis zu ihrem Vater haben.

Alles in allem, scheint es höchste Zeit, die Väter endlich zu informieren, wie wichtig sie für ihre Kinder sind.