Die vaterlose Gesellschaft (2)

Die vaterlose Gesellschaft (2)
Im zweiten Teil der Artikelserie geht es um das Wesen der Vaterschaft. Sie ist ja kein rein biologisch-soziologisches Phänomen, sondern hat ihre tiefsten Wurzeln in der Vaterschaft Gottes. Und diese wird uns durch den Sohn, Jesus Christus, in vielfältiger Weise offenbart. Die Vaterschaft stammt von Gott, und auch die Mutterschaft. Gott, dessen Wesen die Liebe ist, hat den Menschen als Mann und Frau erschaffen und zur Liebe bestimmt.
Wesen und Aufgabe des Vaters
Die grundlegenden Kennzeichen jeder wahren Vaterschaft scheinen mir Liebe und Verantwortung.
Ein guter Ausgangspunkt für die Erklärung dessen, was ein Vater ist und sein soll, scheint mir die Offenbarung der Vaterschaft durch Christus. Er bezieht sich oft auf „seinen Vater“, der unser aller Vater ist. Die göttliche Vaterschaft ist Grundlage und Vorbild jeder Vaterschaft. Sie kann so skizziert werden:
Gott ist der Schöpfer aller Dinge des Himmels und der Erde. Von ihm heißt es im Psalm: „Du haßt nichts, was du erschaffen hast.“ Aus dieser Vaterschaft entsteht von ihrem Wesen her Zuneigung und Liebe zu dem, was von ihm abstammt.
Gott hat die Welt so sehr geliebt, daß er seinen Sohn gesandt hat. Er läßt die Seinen nicht allein, er läßt sie niemals im Stich. Wahre Vaterschaft führt zur unbedingten Annahme des Kindes, das immer zum Vater kommen darf, auch wenn die Probleme groß waren beziehungsweise groß sind.
Gott führt und leitet. Er sendet sein Wort. Zunächst durch die Patriarchen und Propheten, schließlich sendet er seinen Sohn, der das fleischgewordene Wort ist.
Zum Vatersein gehört, ein hörendes Herz zu haben. Gott ist ein Vater, der verzeiht, der seinen zurückkehrenden Sohn schon von der Ferne kommen sieht. Ein Vater hat ein großes Herz, hilft, baut auf, steht bei.
Wie bereits gesagt, ist die Zuwendung des Vaters schon beim Kleinkind sehr wichtig, damit eine Vital-Bindung entstehen kann.
Es ist von großer Bedeutung, daß der Vater für seine Familie Zeit hat, sich für sie Zeit nimmt. Vater und Mutter sind nicht austauschbar. Kinder brauchen die Liebe beider, sie brauchen die Ergänzung von Vater und Mutter. Sie brauchen den eigenen Vater und die eigene Mutter zur Findung ihrer Identität. Viel wäre zu sagen über die Probleme der „Patch-Work-Familien“. Der eigene Vater, die eigene Mutter ist nie wirklich ganz ersetzbar. Die Komplikationen sind oft viel größer, als weithin dargestellt wird.
Es ist wichtig, daß das Kind die Liebe des Vaters erfährt.
Beziehung ist niemals eine Einbahnstraße. Erwachsene werden auch durch Kinder bereichert. Man muß bewußtmachen, welchen Schatz ein Kind bedeutet. Jedes Kind hat seine eigene Persönlichkeit, die sich sehr bald zeigt. Väter können viel von ihren Kindern lernen. Sie sind in ihrer Grundstimmung oft fröhlich, kontaktfreudig, sie können spontan ihre Gefühle äußern, haben ein schier unbegrenztes Vertrauen zu den Eltern.
Der Vater hat gemeinsam mit der Mutter eine Führungsaufgabe. Es ist wichtig, daß er mittut.
Die Beziehungen müssen gepflegt werden, verändern sich allmählich. Es ist notwendig, daß der Vater mit den Kindern (manchmal mit einem der Kinder) etwas unternimmt und daß sich Gespräche entwickeln. Kinder müssen spüren: Ich bin dem Vater wichtig. Vater und Mutter müssen Ja zu ihren Kindern sagen – mit ihren Eigenheiten, Fähigkeiten und Schwächen, Schwierigkeiten und Problemen; mit ihrer persönlichen Berufung, die nicht immer den Vorstellungen und Träumen der Eltern entspricht.
Wichtig ist auch das Offenhalten eines Freiraumes: Erziehen hat Grenzen.
Es ist wichtig, auf Wege zu weisen, aber nicht in ein Korsett. Manchmal ist es unvermeidbar, daß Irrwege gegangen werden. Wie schwer ist es, das zu erleben, und wie wichtig ist es, zu ihrer Wiederaufnahme bereit zu sein.
Das Gleichnis von Barmherzigen Vater muß oft betrachtet werden.
Die Vaterschaft stammt von Gott, und auch die Mutterschaft. Gott, dessen Wesen die Liebe ist, hat den Menschen als Mann und Frau erschaffen und zur Liebe bestimmt. Es lohnt sich, die Enzyklika von Papst Benedikt XVI. zu lesen – was er über die Liebe schreibt.
Wird fortgesetzt
(Quelle Komma)
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