Die unsägliche Verbindung zwischen Familienstabilität und Armut

von Andrea Mrozek - ins Deutsche übertragen von Horst Niederehe
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Sara (Name geändert) würde keiner Frau wünschen, alleinerziehende Mutter zu sein. Es war hart, als sie und ihr Mann sich trennten. Sie erinnert sich an diese Tage mit dem auf und ab der Emotionen und dem Auszug aus der gemeinsamen Wohnung. Und natürlich war es finanziell hart, was es heute noch ist, wie sie betont.

Die Vorstellung, dass die Stabilität einer Familie auch deren Wohlstand sichert, ist für Sara leicht nachvollziehbar. Sie ist sicher, dass dies nicht nur für ihre Familie gilt, sondern auch für die ganze Gesellschaft. Andere Menschen werden ärgerlich, wenn sie diese Meinung hören und behaupten, sie sei falsch und würde die Opfer von Trennungen einfach nur verhöhnen. Doch die, die überzeugt sind, dass zwischen der Stabilität der Familie und dem Wohlstand einer ganzen Nation keine Beziehung besteht, sollten wissen, dass es dafür reichlich Beweise gibt.

Hier ein Beweis aus unerwarteter Quelle: Eine Redakteurin des Finanzteils des Canadian Daily schrieb vor kurzem in einem Beitrag, ihr wichtigster Ratschlag für eine solide finanzielle Lebensgrundlage sei: Bleibe verheiratet. Für sie selbst kam diese Erkenntnis zu spät und sie hat finanziell sehr darunter gelitten.

Forschungsergebnisse

Daten von Statistics Canada festigen diese Erkenntnis. Danach leben alleinerziehende Eltern häufiger in Armut. Haushalte mit beiden Elternteilen und Kindern leben zu 5,7% in Armut (gemäß kanadischer Bewertung des Low Income Cut-Off, LICO). Im Gegensatz dazu leben 21,8% der alleinerziehenden Mütter unter dem LICO.

Die kanadischen Forscher Finnie und Sweetman ermittelten in einer Studie von 2003 dass das Eingehen einer Partnerschaft die Chancen Alleinerziehender deutlich verbessert, nicht in die Armutsfalle zu geraten. (“Poverty dynamics: empirical evidence for Canada”, Canadian Journal of Economics, 36 (2), p. 306)

Eine jüngere Harvard - Studie belegt, dass eine der wichtigsten Faktoren für den sozialen Aufstieg von Kindern aus Familien mit geringem Einkommen die Familienstruktur ist. Sogar die Struktur von Familien der Nachbarschaft hat Auswirkungen.

Weitere Untersuchungen zeigen, dass Kinder, die von Vater und Mutter erzogen werden, fast immer die Schulabschlüsse schaffen, was ihnen den Eintritt ins Arbeitsleben erleichtert. Die Stabilität der Familie stärkt den Wohlstand in vielfältiger Weise.

Warum muss man dies betonen? Tut es nicht weh, auch wenn es wahr ist?

Warum die Diskussion sinnvoll ist

Die Relation zwischen Familienstabilität und Wohlstand zu untersuchen, ist wichtig. Eine wachsende Anzahl von Zynikern gefällt sich darin, das, was sie als langweilig und antiquiert betrachten, zu verunglimpfen: die große Mehrheit der kanadischen Familien. (Nach Statistics Canada leben 63.6% der Kinder unter 14 mit ihren verheirateten Eltern)

Es geht aber nicht darum, die Zyniker zu überzeugen. Einzig wichtig ist, den Familien zu helfen.

In einer zutiefst individualistisch geprägten Kultur, die es uns schwer macht, einen Sinn für die Ehe zu entwickeln, finden wir weniger Gründe, unsere eigene Ehe gut zu leben. Zerstörte oder nicht existierende Gemeinschaften bilden kein Fundament. Deshalb ist es umso wichtiger, über die Vorteile der Ehe für Kinder, Familie und für alle Bürger zu sprechen.

Der Erfolg von Familien und der Gemeinden, in denen sie leben, sind miteinander verknüpft. Detroit kommt mir in den Sinn, als Stadt mit geringem Anteil von Familien mit beiden Elternteilen. 2010 lebten in Detroit nur drei von zehn Kindern bei ihren verheirateten Eltern. Die große Mehrheit der Kinder lebte bei ihren alleinerziehenden Müttern, häufig in prekären Verhältnissen.

Die öffentliche Hand kann versuchen, einzuspringen, wenn Familien in die Brüche gehen, doch führt dies weder zu einer florierenden Entwicklung, noch zu ausreichender finanzieller Sicherstellung. Einige Dinge sind nicht ersetzbar. Damit will ich nicht sagen, dass Kinder, die nur von einem Elternteil erzogen werden, nicht erfolgreich sein können, sie können sogar, wie bekannt, Präsident der USA werden. Doch unterm Strich bietet die familiäre Umgebung die besseren Voraussetzungen für Kinder, Eltern und die ganze Gesellschaft.

Viele Menschen wissen, dass es so ist, ohne akademische Studien zu dem Thema lesen zu müssen. Wer dennoch zweifelt, sei ermutigt, sie durchzuarbeiten. Der erste Schritt zur Lösung eines Problems ist, anzuerkennen, dass es existiert.

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Andrea Mrozek ist Executive Director am Institute of Marriage and Family Canada. Dieser Beitrag wurde mit freundlicher Genehmigung von der IMFC websiteIMFC website hier veröffentlicht.