Gegen die Verstümmelung der deutschen Sprache

von Bert Pfahl
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Nun hat sich endlich eine ernst zu nehmende Instanz zur Verteidigung der deutschen Sprache zu Wort gemeldet. Am 28. Mai 2016 verabschiedete der „Verein Deutsche Sprache e.V.“ (VDS) mit der Bremerhavener Erklärung einen Aufruf, die deutsche Sprache nicht den Händen von Ideologen zu überlassen, die mit sog. „geschlechtergerechten“ Ausdrucksformen selbst die klassischen Werke der deutschen Literatur umschreiben wollen.

In der Vergangenheit hatte sich der VDS immer wieder gegen Anglizismen in der deutschen Sprache, allerdings mit nicht zu großem Erfolg, zur Wehr gesetzt. Jetzt werden mit einem ideologischen Angriff auf die Sprache, „wie in der Zeit der beiden deutschen Diktaturen des 20. Jahrhunderts ... Versuche unternommen, unsere Sprache zur Durchsetzung gesellschaftspolitischer Ziele zu verändern, diesmal im Sinne einer behaupteten Politischen Korrektheit, der Geschlechtergerechtigkeit oder des Gender Mainstreaming.“

In der Bremerhavener Erklärung wird als Begründung für diesen lange überfälligen Vorstoß zur Verteidigung der deutschen Sprache im In- und Ausland weiter ausgeführt: „Das verkrampfte Vermeiden von grammatisch männlichen Begriffen, die als „genus collectivum“ seit Jahrtausenden in allen indoeuropäischen Sprachen alle Menschen mitmeinen, verkrüppelt die Sprache, zerstört ihren Rhythmus, raubt ihr Schönheit, Eleganz und Verständlichkeit.“

Die Delegierten des VDS erinnern an den Beschluss des Bundestages vom 26.3. 1998, in dem erklärt worden war „Die Sprache gehört dem Volk“ und fordern dazu auf, „sich diesem Missbrauch und dieser Misshandlung unserer Sprache entschieden zu widersetzen“; denn sie betrachten, so fährt die Erklärung fort, „die aufgezwungenen, angeblich geschlechtergerechten Ausdrucksformen als eine Art von Sprachpolizei, als eine Bevormundung, die mit unseren im Grundgesetz gewährleisteten Rechten auf freie Entfaltung der Persönlichkeit unvereinbar ist“.

Dass sich erst jetzt eine Organisation zur Bewahrung der deutschen Sprache zu einer deutlichen Stellungnahme gegen die ideologische Vereinnahmung unserer Sprache artikuliert, findet möglicherweise seine Erklärung in einem Wort des Chefs des Norwegischen Staatsfonds, Yngve Slyngstad, wie die Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 7. Februar 2016 berichtet: „Ich glaube, die Deutschen sind nicht stolz genug auf ihre Sprache. An Heideggers Ausspruch, nur Deutsch und Griechisch seien fürs Philosophieren geeignet, ist vielleicht doch irgendwas dran. Ich glaube jedenfalls nicht, dass es ein Zufall ist, dass es in der Vergangenheit so viele deutsche Denker und Komponisten gab. Oder in der Gegenwart, dass die Deutschen so einzigartig gute Maschinen und Motoren bauen. Die Komplexität ihrer Sprache bereitet sie genau darauf vor."

Man darf gespannt sein, ob die Verteidigung der deutschen Sprache durch den VDS noch rechtzeitig kommt.