Gleich, aber unterschiedlich: was UN und Feministen nicht begreifen

von Caroline Farrow - ins Deutsche übertragen von Horst Niederehe
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Gleichstellung der Frau – mehr als Recht auf Arbeit

Die IWD Website hat sich leider, aber vorhersehbar, mit dem Zeitgeist westlichen Feminismus synchronisiert, der die Gleichstellung der Frau nur als Recht auf Arbeit und gleiche Bezahlung wie männliche Arbeitskollegen versteht. Es streitet niemand ab, dass dies Rechte sind, doch werden häufig in Debatten um Gleichstellung von Frauen die biologischen Gegebenheiten, die Frauen von Männern unterscheiden, missachtet oder gar absichtlich verdrängt.

Auch werden viel zu oft Kinder als Hindernis auf der Karriereleiter empfunden und als Ballast behandelt, für deren Aufbewahrung zweckmäßige Lösungen gefunden werden müssen, wie billige und verfügbare Kinderhorte. Mutterschaft wird dabei nie als erfreuliche und erfüllende Berufung sondern als unvermeidliches Nebenprodukt von Frau-sein abqualifiziert.

Sowohl die UN als auch der Frauen-Tag tappen in die bekannte und frustrierende Falle, die Begriffe gleich und identisch zu verwechseln. So gesehen können berufstätige Frauen, selbst wenn sie in höchsten Positionen und mit vergleichbaren Leistungen wie Männer arbeiten, niemals wirklich Freiheit und Gleichstellung erreichen.

Ergebnisgleichheit ist, anders als Chancengleichheit, ein unerreichbares Ziel, weshalb der dominierende Fokus auf den Karriereerfolg die ganze feministische Bewegung schwächt. Frau-Sein ist unvermeidlich mit Mutterschaft, der Fähigkeit zu empfangen und zu gebären, verknüpft, ob Frau sich darauf einlässt oder nicht. Die typische Werbung für den IWD erwähnt diese existenzielle Wirklichkeit nur am Rande („Frauen können arbeiten und eine Familie haben“), während andere, eher oberflächliche Frauenbilder, wie weibliche Astronauten oder Premierministerinnen als Belege für den Fortschritt herausgestellt werden.

Ebenso, wie es unmöglich ist, jeder Frau das Recht auf ein Kind zu garantieren, oder Erfolg nur an ihrer Mutterschaft festzumachen, ist es genauso abwegig, ein Recht auf Karriereziele garantieren zu wollen. Nicht jede Frau wird Mutter werden können und ebenso wenig wird jede Frau in der Lage sein, geschweige denn es wollen, Mitglied eines Aufsichtsrates oder Bundeskanzlerin oder Astronautin zu werden. Wenn Männer im professionellen Umfeld stärker vertreten sind, ist dies eine natürliche Folge der biologischen Realität, die es ihnen versagt, Kinder zu gebären.

Die wirklichen Probleme der Frauen bleiben außen vor

Die Fähigkeit, Leben weiterzugeben, ist der rote Faden, der sich durch das Leben jeder Frau windet und ob sie Kinder bekommt oder nicht, wird ihren Lebenslauf bestimmen. Doch diese Gegebenheiten werden ausgeblendet zugunsten von Zeichen materiellen Erfolgs. Es bereitet Sorge, wesentlich drängendere Probleme, wie Zugang zu Bildung und Gesundheitsvorsorge, aber auch Gewalt gegen Frauen, in ihrer Priorität weit hinter dem Thema Frauen in der Arbeitswelt, auf der Liste der Herausforderungen der UN zu finden.

Kleine Mädchen werden sicher gern davon träumen, Astronautin oder Bundeskanzlerin zu werden, doch sind dies Berufswege, die Verzicht auf vieles andere bedingen. Die Anforderungen solcher Berufe sind kaum vereinbar mit der Pflege von Kleinkindern, wenn nicht der Vater Mutterfunktionen übernimmt, oder genügend Geld für eine Vollzeitbetreuung vorhanden ist. In jedem Fall bleibt die Mutter dann beim Aufziehen der Kinder weitestgehend unbeteiligt.

Die meisten Frauen sorgen sich eher darum, mit beiden Beinen fest auf dem Boden zu stehen, statt durch das Glasdach gehen zu wollen, wobei letzteres häufig der Wunsch einer Minderheit westlicher Frauen aus dem Mittelstand ist. England scheint die Vorreiterrolle zu übernehmen, was Feminismus in den Medien betrifft. Es ist leicht, festzustellen, dass die meisten IWD-Veranstaltungen dort stattfinden, und so erstaunt das Ergebnis einer kürzlich erstellten Studie, dass Frauen des Mittelstands in England dennoch in Scharen ihre Arbeitsplätze aufgeben. Dies geschieht jedoch selten aus finanziellen Gründen, die Frauen wollen einfach keinen Fremden damit betrauen, ihr Kind aufzuziehen.

Geschlechtsselektive Tötung wird nicht erwähnt

GENDERCID, geschlechtsselektive Tötung, die größte Bedrohung für die Existenz von Frauen findet nicht einmal Erwähnung in den offiziellen IWD-Unterlagen. Ein Beitrag hebt lobend hervor, dass China, das Land, welches wegen des Ungleichgewichts zwischen Männern und Frauen, als Folge der Ein-Kind-Politik, eine schwere ökonomische und soziale Krise durchläuft, den IWD als offiziellen Feiertag für Frauen begeht. Die Behandlung von Frauen in China, wo Abtreibung und Sterilisation landesweit erzwungen werden, wie auch die routinemäßige Tötung weiblicher Neugeborener sollte an oberster Stelle der Tagesordnung der UN stehen. Es ist eine Schande für die Völkergemeinschaft zu schweigen, wenn Ehepaare in China nicht die Freiheit haben, die Zahl der Kinder frei zu wählen und die simple Tatsache, als Mädchen geboren zu sein, das Todesurteil bedeuten kann.

Das gleiche kann man über Indien sagen, ein weiteres Land in dem Tötung von Neugeborenen auf Grund des falschen Geschlechts weit verbreitet ist. Gewalt gegen Frauen ist überall zu finden, wobei oft korrupte Beamte beide Augen vor dem gesetzlosen Treiben verschließen.

Nach UN-Statistiken sind in jüngerer Zeit weltweit etwa 200.000.000 Mädchen Opfer selektiver Tötung geworden, wobei dieses Problem nicht allein die beiden genannten Länder betrifft. Studien belegen, dass asiatisch-stämmige Einwanderergruppen in England vergleichbare Geschlechterverhältnisse wie in ihren Heimatländern aufweisen, was darauf hinweist, dass die Behörden sich blind und unwissend zur Praxis des Gendercid stellen. Eine Analyse der Geburtsstatistik in England legt nahe, dass etwa 4700 Mädchen einer Geschlechterselektion zum Opfer fielen, doch weigern sich die Behörden Abtreibungskliniken, die nachweislich selektive Tötung von Föten durchgeführt haben, zu belangen oder die Gesetzgebung zu verschärfen.

Der IWD könnte Plattform zur Mobilisierung von Millionen Menschen werden, die von ihren Regierungen Rechenschaft fordern, die an der verabscheuungswürdigen Praxis des Gendercid teilhaben, doch, wie die UN selbst ausführt, haben Ton und Erscheinungsbild des IWD, dank der gefühlten Fortschritte beim Kampf um Gleichstellung, in den letzten Jahren einen „Verein von Klageweibern“ zur einer Jubeltruppe über erreichte Entwicklungen mutieren lassen.

Frauen sind mehr wert als ihre Jobs

Die bekennende Feministin Camille Paglia, die sich einen Namen durch Überschreitung sozialer und kultureller Normen machte, bemerkte in einem kürzlich geführten Interview, dass Frauen und Mädchen fallen gelassen werden, wenn man immer und immer wieder versucht, sie über ihre Berufs- oder Lern- Erfolge zu definieren. Kinder, so sagt sie, müssen sehr früh angeregt werden, darüber nachzudenken, welche Ziele sie im Leben erreichen wollen, flexible Strukturen müssen entwickelt werden, die jungen Frauen erlauben, früher als heute allgemein kulturell akzeptiert, Kinder zu bekommen, vielleicht schon während des Studiums an der Universität. „Man sagt den Frauen: Ihr seid die künftigen Führungskräfte. Doch wir sind mehr wert als unsere Jobs. Was uns Frauen übergestülpt wird, ist der Abklatsch eines Mann-Modells.“

Trotz der Papierberge, die bedruckt werden und der Berichterstattung, die der westliche Feminismus genießt, ist dieser faktisch als Bewegung nicht mehr existent, da er nur mehr ohne Bezug zum Leben und den Herausforderungen, denen sich eine Frau von heute stellen muss, am Leben gehalten wird. Er scheint sich selbst in unerquicklichen öffentlichen Disputen über esoterische und akademische Konzepte von Intersektionalität oder Gender-Stereotypisierung zu zerstören, was nun einer Mutter überhaupt nicht hilft, die sich abmüht, täglich das Essen für ihre Kinder auf den Tisch zu bringen und mit dem Haushaltsgeld klarzukommen, ohne auch nur die Frauen zu erwähnen, die täglich mit Todesdrohungen und sexueller Gewalt konfrontiert sind.

Ist das wirklich das Erfolgsmodell, das die UN am 7. März feiern und exportieren möchte? Gleichstellung der Frau kann nur dann Fortschritt für alle bedeuten, wenn das bedeutendste Grundrecht des Lebens für alle Frauen gilt: das Recht, Mutterschaft als lebensbejahende Wahl zu akzeptieren, selbst wenn damit eine Beeinträchtigung von Karriereplänen einhergehen sollte.

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Caroline Farrow ist Kolumnistin des Catholic Universe newspaper in UK und Ireland, Pressesprecherin bei Catholic Voices. Sie lebt in Brighton mit ihrem Mann Robin und ist Mutter von vier Mädchen. Sie bloggt auf www.carolinefarrow.com