Das hat Google wohl glatt übersehen

von Shannon Roberts - ins Deutsche übertragen von Horst Niederehe
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Der 8. März war Internationaler Frauentag. Nach dem Willen der Organisatoren sollte dieser Tag Gelegenheit bieten, die vielfältigen Errungenschaften von Frauen zu feiern, zu fördern und zu bejubeln. Auf Google’s speziellem Banner zum Tag (Bild) werden Frauen als Astronautinnen, Feuerwehrfrauen, Richterinnen, Wissenschaftlerinnen, Ärztinnen, Basketball-Spielerinnen und Musikerinnen gefeiert, alles bemerkenswerte Leistungen einiger Frauen.

Mit den uns eigenen femininen Talenten können wir sicher in all diesen Bereichen wertvolle Beiträge leisten. Und doch ist es ein verstörendes Zeitzeichen, dass Google’s Banner nirgends auf Mutterschaft und Familienleben verweist. Muss diese Aufgabe, die im Leben so vieler Frauen eine wahrhaft fundamentale Rolle spielt, wirklich unsichtbar und ohne Würdigung totgeschwiegen werden? Kein Wunder, dass unsere Geburtenraten in den Keller gehen.

Vor noch nicht allzu langer Zeit war ich vollzeitbeschäftigt, doch jetzt streichle ich kleine Händchen, erfreue mich an pausbäckigem Lächeln und dankbarem Gebrabbel, was einen guten Teil meines Tages in Anspruch nimmt. Ich gebe zu, dass ich mich durchaus von der Gesellschaft angenommen fühlte, wenn ich, als Antwort auf die Frage nach meiner beruflichen Tätigkeit, sagen konnte: „ich bin Rechtsanwältin“. Ich konnte über meinen Beruf auf Dinner Partys plaudern und war mir sicher, dass mein Beitrag für die Gesellschaft begrüßt und ich als intelligente, hart arbeitende Frau eingeschätzt wurde. Die Resonanz ist nicht vergleichbar, wenn ich mich dahingehend oute, Händchen zu streicheln. Ich glaube absolut nicht, dass unsere Gesellschaft wertschätzt, was es bedeutet, Gemüt und persönliche Identität kleiner Menschen zu entwickeln und mitzuwirken, komplexe vernetzte Systeme von Charakter, Tugenden und Hirnentwicklung auszubilden.

Vielleicht läuft bei uns einiges falsch - Astronauten, Richter, Pop-Stars (und -Sternchen) etc. heimsen schon reichlich Anerkennung auf den Dinner Partys dieser Welt ein. Frauen haben es eben, nach der Geburt eines Kindes, schwer, den geeigneten Teilzeit-Astronautenjob zu finden, der ihnen noch genug Zeit lässt, Baby-Brei anzurühren, Buchstabiertests abzufragen und Hausaufgaben zu überprüfen, die heutzutage mehr Motivation und Überprüfung verlangen. Wie wäre es denn, diesen Aspekt einmal auf einem Banner zu thematisieren? Und wieso sollte es mir in den Sinn kommen, dass ich produktiver sein könnte, wenn ich Teilzeit arbeite, als wenn ich die unendlich vielen Aufgaben in der Familie wahrnehme? Wahrscheinlich nur dann, wenn ich mich auf die Bilder der Medien einlasse, die alles schön färben, nur eben nicht den Beruf der Mutter und Hausfrau.

Frauen, die zu Hause arbeiten, leisten in der Tat einen großen ökonomischen Beitrag. Sie produzieren eine immer knapper werdende, doch äußerst wertvolle Ressource: Humankapital. Wenn sie ihren Job gut tun, ist es sehr wahrscheinlich, dass dabei Menschen erzogen werden, die unsere Polizei und Justiz nicht beschäftigen. Sie stehen für die Entwicklung von Redlichkeit, Optimismus, Ordnung, Respekt vor den Mitmenschen, Ausdauer, Belastbarkeit und Geduld angesichts der künftigen gesellschaftlichen Herausforderungen in Beruf, Kunst und sozialen Bereichen.

Die Professorin für Amerikanische Ökonomie, Dr. Maria Sophia Aggare kommentiert die Entwicklung so:

„Die alternde Bevölkerung, so bin ich überzeugt, zwingt uns, den Realitäten ins Auge zu schauen, und zu entscheiden, was wirklich wichtig ist. Damit sind wir auf das Zuhause verwiesen. Wo lernt man, das Gesetz nicht zu respektieren? Zu Hause. Wo lernen wir, die Umwelt zu missachten? Wo lernen wir die Kultur der Verschwendung? Nicht erst in der Schule, denn da ist es schon zu spät. Wir erlernen sie zu Hause. All diese Dinge, ob Ernährung, Umwelt, soziale Stabilität - wir sahen alle, was in Paris geschah - ob organisiertes Verbrechen, Waffenschmuggel, Kinderhandel, Prostitution, Drogen - alles lässt sich auf die Charakteristik der Familien zurückführen, das belegen die Daten eindeutig.“

Trotz allem unterstützt Ann Oakley, englische Feministin und Autorin des 1970 publizierten Text Housewife, die Ansicht, dass „Hausarbeit in direktem Konflikt zur menschlichen Selbstfindung steht“. Es hängt vielleicht mit der Geringschätzung zusammen, die Hausarbeit und Kindererziehung erfährt, dass während der letzten Jahrzehnte die Anzahl der nur -Hausfrauen Negativrekorde erreicht hat. Nur noch 2,04Mio Frauen in England sind Hausfrauen ohne Erwerb, die sich ausschließlich dem Haushalt und der Familie widmen, etwa 1Mio weniger, als vor 20 Jahren, als man mit den Aufzeichnungen begann. Und dies trotz der Erkenntnis, dass die Frauen selbst die Zeit, die sie zu Hause mit ihren Kindern verbringen, nicht missen möchten.

Es mag zwar für die Wirtschaft nützlich sein, doch ist das Zuhause der Ort, wo wir und unsere Kinder uns alle angenommen wissen dürfen, einfach weil wir da sind und nicht, weil wir etwas leisten. Ich mag zwar, zu Recht oder zu Unrecht, eine bessere Akzeptanz auf Dinner Partys erfahren, wenn ich mit meinem Beruf renommiere. Doch wäre es zum Lachen, wenn ich dies im Kreise der Familie täte. Dort liebt man mich einfach als Person. Das Zuhause ist das erste Gemeinwesen und Quelle persönlicher Identität.

Natürlich sollten wir uns für gleiche Bezahlung bei gleicher Arbeit und ebenso für den Internationalen Frauentag stark machen. Frauen sollten auch gleiche Chancen erhalten, in jedem Beruf zu arbeiten, wenn sie es wollen. Allerdings bin ich nicht so sicher, ob man jetzt bestimmte Quoten weiblicher Führungskräfte in den Unternehmen anstreben sollte. Jede Frau sollte sich berechtigt fühlen, selbst zu wählen, wie sie die unendlich wichtige Führungsrolle im eigenen Haushalt ausfüllen will und ob sie diese Arbeit mit anderen Beschäftigungen außerhalb in Einklang bringen kann oder nicht. Sie kann sicher gemeinsam mit ihrem Mann oder anderer Hilfe Hausarbeiten erledigen, doch ist sie unersetzlich in ihrer Rolle als Mutter, mit ihren einzigartigen weiblichen Fähigkeiten, die auf die ganze Familie ausstrahlen. Für viele Frauen wird die Tätigkeit zu Hause die längste und wertvollste Zeit ihrer beruflichen Laufbahn ausmachen. Ich möchte jedenfalls ohne Scheu in meinen Lebenslauf „Mutterschaft“ und „häusliches Management“ schreiben können.

Darüber hinaus sollte sich jede Frau wertgeschätzt fühlen, denn alle bereichern die Welt durch ihre einzigartigen, weiblichen Qualitäten, egal, wer sie sind, wo sie leben, oder was sie tun. Mehr noch, als für unsere Tätigkeit, sollten wir für das, was wir sind, geachtet werden.