Wendepunkt bei den Abtreibungen?

Wendepunkt bei den Abtreibungen?
Zwei Ereignisse der letzten Wochen legen nahe, dass die ideologische Basis bröckelt und eventuell zerbricht. - Von 1917 bis 1991, also mehr als 80 Jahre, herrschte in Russland eine Ideologie der Unterdrückung, die sich jedoch als Leuchtfeuer der Befreiung gerierte. Nach 40 Jahren brach das Lügengebäude zusammen, das Elend aber blieb. Romane, wie Dr. Schiwago von Boris Pasternak; Ein Tag im Leben des Ivan Denisowitsch von Alexander Solschenizyn; oder, Leben und Schicksal von Wassili Grossman enttarnten das Sovietsystem als das, was es wirklich war: eine Bande aggressiver, erstarrter alter Kröten, die ihr eigenes Volk, das sie regierten, belogen. Es brauchte noch einmal 30 Jahre, die kommunistischen Despoten abzuschütteln, aber ihre Ideologie war schon vorher am Ende.
von Michael Cook - ins Deutsche übertragen von Horst Niederehe
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Ereignisse in den vergangenen Wochen deuten darauf hin, dass wir vielleicht mit der Abtreibungsideologie an einen ähnlichen Wendepunkt gelangt sind. Es sind fast 40 Jahre seit dem Roe vs. Wade Prozess vergangen, der die Schleusen in den USA und in der ganzen Welt für Abtreibungen öffnete.
Heute enttarnt sich das Geschäft mit den legalisierten Abtreibungen als ein Imperium der Lügen, das von einer anderen Herde Kröten regiert wird.
In der englischen Presse erschien vor einigen Tagen ein Artikel, in dem über Aktenfälschungen in Abtreibungskliniken berichtet wurde, um den Wünschen der Kunden nach geschlechtsselektiver Tötung entgegenkommen zu können. Verdeckte Reporter des London Telegraph hatten Schwangere begleitet und die Gespräche mit den Ärzten aufgezeichnet, die auf die Bitte um Abtreibung, da das Kind das „falsche“ Geschlecht habe, einen Termin für die Abtreibung arrangierten. Die Reporter besuchten neun Kliniken; in dreien wurde dem Wunsch nach geschlechtsselektiver Abtreibung entsprochen.
In der Calthorpe Clinic in Birmingham, eine der ältesten Einrichtungen in Großbritannien, war der Arzt zunächst unschlüssig. „Es geht also darum, ein Mädchen seines Geschlechts wegen zu töten“, sagte er. Die Schwangere erwiderte, er könne ja einen anderen Grund für den Abort angeben. „Das ist richtig, der eigentliche Grund sollte wirklich nicht in der Akte erscheinen“, so der Arzt. Ich werde als Begründung zu jung für eine Schwangerschaft angeben. Die Schwangere war einverstanden und der Arzt fuhr fort: „Es ist eigentlich nur in Ländern der dritten Welt üblich, weibliche Föten zu töten.“
Eine Ärztin in Manchester eröffnete dem Telegraph Team: „Ich stelle keine Fragen. Wer einen Abbruch will, will einen Abbruch.“ Dann rief sie eine Kollegin an, um den Termin zu buchen und erklärte, die Abtreibung geschehe aus sozialen Gründen und die Frau wünsche nicht, nach ihren Motiven gefragt zu werden.
Ein Gynäkologe von der Harley Street, der feinsten Adresse für Ärzte in England, gab an, die Abtreibung eines männlichen Fötus vorzubereiten. Das Paar habe bereits einen Jungen aus erster Ehe des Mannes und wünsche sich nun ein Mädchen.
Der Gesundheitsminister Andrew Lansley zeigte sich empört und leitete die Erhebungen des Telegraph an die Polizei weiter. Dämmert es nun endlich den ewig Schwatzhaften, dass sich Abtreibung gegen die richtet, die sie vorgeblich schützt, nämlich die Frauen?
Millionen Mädchen sind in Indien und China getötet worden, weil nur Jungen etwas „zählen“. Nun hat man begonnen, diese perverse Ideologie auch den Migranten im Westen nahe zu bringen. Abgesehen von verbohrten Abtreibungs-Befürwortern beginnen aufmerksame Bürger in England darüber nachzudenken, wieso sie auf die Lügen der Abtreibungs-Lobby hereingefallen sind.
So wundert sich die Kolumnistin des Telegraph HYPERLINK "" Allison Pearson, eine Frau, die selbst das Recht auf Abtreibung befürwortet, wie weit es doch in England gekommen ist:
In den letzten 40 Jahren, also im Zeitalter der überall verfügbaren, wirksamen Anti-Baby-Pillen, verzeichneten wir eine Zunahme der Abtreibungen von 3700%. Das war nicht das Ziel des 1967 verabschiedeten Gesetzes zur Legalisierung der Abtreibung. Es ging niemals um einen Service am Bauch, meine Damen….Wir konstatieren hier eine moralische Verhärtung, die uns allen Sorgen machen sollte. Wie unsensibel sind wir geworden, wenn eine Entscheidung über Leben und Tod von der gewünschten Farbe des Stramplers, rosa oder blau, abhängig gemacht wird.
Gibt es eigentlich eine Gesetzmäßigkeit, die bewirkt, dass nach 40 Jahren die ideologischen Geschwüre aufbrechen?
Nichts scheint diese Annahme besser zu belegen als ein Beitrag der vergangenen Woche in einem weltweit führenden Bioethik-Journal: Wenn schon Abtreibung, warum dann nicht auch Tötung von Neugeborenen? Die Frage wird oft als absurde Zeitungsente von Abtreibungsbefürwortern angesehen. Doch waren es diesmal zwei italienische Ethiker, die im angesehenen Journal of Medical Ethics ernsthaft dafür warben.
Alberto Giubilini und Francesca Minerva, beide z.Zt. in Australien tätig, argumentieren, dass sowohl ein Fötus als auch ein Neugeborenes nur „potenzielle Personen“ ohne eigenes Interesse seien. Deshalb habe das Interesse der Personen, die sie betreuen, einen höheren Stellenwert, zumindest für eine unbestimmte Zeitspanne nach der Geburt. Deshalb wehren sie sich auch gegen die Bezeichnung Infantizid, oder Kindstötung und präferieren den Terminus „after-birth abortion“ also Abtreibung nach Geburt. Guibilini and Minerva kämpfen wirklich mit harten Bandagen:
Wir fordern, dass die Tötung von Neugeborenen, aus den Umständen, die auch eine Abtreibung rechtfertigen würde, ethisch ebenso erlaubt sein muss. Diese Umstände schließen Fälle ein, wo Neugeborene zwar Aussicht auf eine zumindest akzeptable Lebensqualität haben, jedoch das Risiko einer Beeinträchtigung des Wohlergehens der Familie besteht.
Verfechter der Abtreibung haben immer vehement verneint, sich auf einer abschüssigen Bahn zu bewegen. Guibilini and Minerva nutzen gerade die Freigabe der Abtreibung, um diese Bahn mit Enthusiasmus zur Todesspirale auszubauen:
Wenn Kosten, (soziale, psychologische, ökonomische) den Eltern ausreichende Gründe für eine Abtreibung liefern, selbst wenn der Fötus gesund ist, und wenn der moralische Wert eines Neugeborenen, wie der jedes Säuglings als nur „potenzielle Person“ nicht vorhanden ist, dann berechtigen die Gründe, die eine Abtreibung rechtfertigen, ebenso zur Tötung einer neugeborenen potenziellen Person.
So, wie der Kommunismus noch etwa 30 Jahre dahin vegetierte, nachdem seine Blöße offenkundig wurde, so wird auch die legalisierte Abtreibung nicht schnell aufgegeben werden. Ihre abgehalfterten Verteidiger werden bis zum Ende die Fahne hochhalten wollen. Und doch, das Menetekel ist auf die Wand geschrieben. Die Abtreiber haben sich als ebenso zynisch erwiesen, wie jeder Apparatschik des Sovietregimes, die Theoretiker ebenso hartherzig wie Lenin.
Doch merkwürdig ... es scheint, dass der Zyklus der Erneuerung dort beginnt, wo alles begann: in Russland. Schon 1913 verlangte Lenin „die ausnahmslose Annullierung aller Gesetze gegen Abtreibung und gegen die Verbreitung von Literatur zu Fragen der Verhütung“. 1920 war Russland der erste Staat der Welt, der Abtreibung aus sozialen und medizinischen Gründen legalisierte.
Aber im vergangenen Jahr schränkte die russische Duma das freizügige Recht auf Abtreibung ein, um den fallenden Geburtenraten entgegen zu steuern. Anbieter von Abtreibungen müssen nun 10% ihres Werbebudgets verwenden, um auf die Gefahren von Abtreibungen hinzuweisen; auch darf eine Abtreibung nicht mehr als „sicherer medizinischer Eingriff“ beworben werden. Russlands First Lady, Svetlana Medvedeva hat sich auf einen Kreuzzug gegen Abtreibung begeben. Kostenlose Abtreibungen werden zukünftig nur noch Opfern von Vergewaltigung ermöglicht, andere „soziale Gründe“ zählen nicht.
Lenin wird sicher schon in seinem Sarkophag herumdrehen; bleibt zu hoffen, dass Betty Friedan ebenso rotiert.
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Michael Cook ist Herausgeber von MercatorNet.
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