White House Down

White House Down
John Cale (Channing Tatum), ein Veteran des Afghanistan-Krieges, arbeitet als Personenschützer für den Sprecher des US-Repräsentantenhauses, Eli Raphelson (Richard Jenkins). Cales Traum aber ist es, zum Secret Service des Weißen Hauses zu wechseln und so für die Sicherheit des amerikanischen Präsidenten James Sawyer (Jamie Foxx) verantwortlich zu sein. Damit würde er ganz besonders bei seiner elfjährigen Tochter Emily (Joey King) punkten, die bei seiner geschiedenen Frau lebt. Denn Emily ist nicht nur ein großer Fan des Präsidenten. Sie weiß darüber hinaus einfach alles über das Weiße Haus. Deswegen nimmt Cale seine Tochter zu seinem Vorstellungsgespräch mit, um anschließend an einer offiziellen Führung durch den Amtssitz des Präsidenten teilzunehmen.
Filmische Qualität: 2,5 von 5 Punkten
Regie: Roland Emmerich
Darsteller: Channing Tatum, Jamie Foxx, Joey King, Maggie Gyllenhaal, Richard Jenkins, James Woods, Jason Clarke, Lande Reddik
Land, Jahr: USA 2013
Laufzeit: 131 Minuten
Genre: Action
Publikum: Jugendliche, Erwachsene
Einschränkungen: Gewalt

Rezension: JOSÉ GARCÍA - www.textezumfilm.de

Das Gespräch bei Secret-Service-Chefin Carol Finnerty (Maggie Gyllenhaal) verläuft zwar alles andere als zufriedenstellend für ihn. Davon erzählt Cale seiner Tochter jedoch lieber nichts und belässt sie im Glauben, dass er den ersehnten Job bekommen wird.
Während der Führung wird das Gebäude von einer Gruppe Terroristen gestürmt. Die Angreifer nehmen die Teilnehmer als Geiseln, aber Cale kann fliehen. Durch einen Zufall gelingt es ihm tatsächlich, den Präsidenten aus der Hand der Terroristen zu befreien. Allerdings wird das Duo durch das ganze Weiße Haus von den Angreifern gejagt. John Cale muss sich etwas einfallen lassen, um den Präsidenten aus dem Weißen Haus herauszuschleusen, aber auch um seine Tochter Emily zu befreien.
Natürlich nimmt sich die Handlung von „White House Down“ haarsträubend aus. Bei solchen „Katastrophenfilmen“ von Roland Emmerich war es schon immer so. Ob in „Independence Day“ (1996) Aliens das Weiße Haus zerstörten, in „The Day After Tomorrow“ (2004) eine gigantische Flutwelle New York überflutete oder in „2012“ (2009) die Welt am Rande eines Untergangs stand, spektakuläre Action und atemberaubende Bilder standen stets im Vordergrund. Nach seinem Ausflug ins Elisabethanische Zeitalter mit „Anonymus“ (2011), Emmerichs Version vom „echten“ Shakespeare, kehrt der schwäbische Regisseur mit Wohnsitz Hollywood zu seinem eigentlichen Genre zurück. Am Drehbuch von James Vanderbilt fällt allerdings zunächst einmal auf, dass nicht irgendwelche Taliban, sondern radikale Patrioten das Weiße Haus stürmen, die sich durch die nahostfreundliche Friedenspolitik des Präsidenten verraten fühlen. Die schlimmsten Gegner der Vereinigten Staaten sind im eigenen Land zu suchen, so suggeriert „White House Down“. Dass die Feinde in den eigenen Reihen zu finden sind, mindert auch das patriotische Pathos, das Emmerichs Film durchzieht und einen Höhepunkt in der Fahne schwenkenden Emily im Augenblick höchster Not erreicht.
Ähnlich in seinem früheren Film „2012“ sind auch in „White House Down“ einigen Spezialeffekten ihren Ursprung aus dem Computer anzumerken. Wenn auch im aktuellen Emmerich-Film durch die fast ausschließliche Konzentration auf das Weiße Haus als Schauplatz die Kamerafahrten nicht so imposant sind wie in „The Day After Tomorrow“ oder in „2012“, so setzt die deutsche Kamerafrau Anna J. Foerster Weitwinkelobjektive ein, die einige der Szenen extrem weiten. Gerade die Mischung aus der Enge der Kämpfe in den Fluren und im Keller des Weißen Hauses und den erweiterten Schauplätzen macht die für einen Actionfilm ungewöhnliche Bildersprache von „White House Down“ reizvoll. Auch der Humor kommt in „White House Down“ nicht zu kurz. Abgesehen von einigen witzigen Dialogen zwischen dem Präsidenten und seinem Retter geht dies vor allem auf das Konto des Fremdenführers, der selbst mitten im Kugelhagel auf das ehrwürdige Inventar des Weißen Hauses achtet und versucht zu retten, was zu retten ist, selbst wenn die Attentäter kein so großes Verständnis für solche Kunstschätze besitzen.
In „The Day After Tomorrow“ und „2012“ gelang Roland Emmerich eine Charakterzeichnung, die im Gegensatz zu den gängigen Katastrophenfilmen aus den Figuren keine Abziehbilder, sondern lebendige Menschen machte. In „White House Down“ nehmen sich die Hauptcharaktere jedoch holzschnittartig aus. Channing Tatum erscheint als eine Neuauflage des Polizisten John McClane, der in „Stirb langsam“ („Die Hard“, 1988) allein gegen eine ganze Bande schwerbewaffneter Gangster kämpft. Auch wenn Jamie Foxx seinen Präsidenten mit gewissen Anklängen an Barack Obama gestaltet, wirkt er in dieser Funktion nicht besonders glaubwürdig. Ebenso wenig überzeugend ist die Elfjährige, die mit ihrem iPhone immer wieder die Terroristen heimlich filmt und dadurch, dass sie diese Aufnahmen auf ihren YouTube-Kanal einstellt, der Polizei die entscheidenden Hinweise für die Identifizierung der Täter liefert. Eine solch klischeebeladene Charakterzeichnung macht auch das Drehbuch vorhersehbarer als in den letzten Actionfilmen von Roland Emmerich.
Was allerdings „White House Down“ mit den früheren Katastrophenfilmen des schwäbischen Regisseurs gemeinsam hat, ist die Verknüpfung der actiongeladenen Haupthandlung mit einem familienzentrierten Nebenstrang. Drehbuchautor James Vanderbilt und Regisseur Roland Emmerich gelingt eine ausgewogene Mischung des Präsidentenrettungs-Plots mit der berührenden Geschichte der Familie Cale, in der die Vater-Tochter-Beziehung zu retten ist.

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