Förderung des beruflichen Wiedereinstiegs von Frauen

Förderung des beruflichen Wiedereinstiegs von Frauen
Sozusagen als Geschenk zum Internationalen Frauentag haben das Bundesfamilienministerium und die Bundesagentur für Arbeit den Startschuss gegeben für das Aktionsprogramm „Perspektive Wiedereinstieg“. Mit EU-Fördermitteln in Höhe von rund 14 Millionen Euro soll von 2008 bis 2010 die Entwicklung von Maßnahmen unterstützt werden, die Wege für eine erfolgreiche Integration von Frauen nach Familienpause in den Arbeitsmarkt aufzeigen.
von Maria Welsch
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Derzeit streben etwa 80% der Frauen, die familienbedingt mehrere Jahre aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind, spätestens wenn die Kinder größer geworden sind, wieder zurück in den Beruf.
Im Jahresdurchschnitt 2007 waren bei den Arbeitsagenturen rund 60.000 Berufsrückkehrerinnen arbeitslos gemeldet (zusätzlich 600 Männer). Sie sind meist hoch motiviert und haben eigentlich gute Chancen auf eine Reintegration. Etwa die Hälfte von ihnen hat mehr als 3 Jahre die Berufstätigkeit unterbrochen, die weitaus meisten haben eine abgeschlossene formale Ausbildung.
Grosses Interesse von Seiten des Arbeitsmarktes

Der Arbeitsmarkt, dem ein zunehmender Fachkräftemangel droht, ist besonders interessiert an den Wiedereinsteigerinnen. 80% von ihnen sind unter 40 Jahre alt und haben noch eine Erwerbszeit von über 25 Jahren vor sich.
Ein Drittel der Rückkehrerinnen hat während der Elternzeit zusätzliche Kenntnisse erworben – etwa durch einen Minijob, durch Volkshochschulkurse oder sogar das Schreiben einer Dissertationsarbeit.
Viele Arbeitgeber haben bereits feststellen können, dass die Wiedereinsteigerinnen mit Familienhintergrund besonders zuverlässig sind, weil sie reiche Lebenserfahrung, Kompetenz und Flexibilität besitzen.
Probleme von Seiten der Frauen

Trotz bester Motivation scheitert jedoch noch zu häufig der Versuch des Wiedereinstiegs vor allem bei über 40jährigen Frauen. Sie haben während der langen Jahre der Auszeit oft alle beruflichen Kontakte verloren, eventuell existiert ihr Betrieb gar nicht mehr oder sie trauen sich nicht zu, unter ungewohnten geänderten und vor allem modernisierten Arbeitsbedingungen einzusteigen.
Hier soll das Projekt „Wiedereinstieg“ mit Orientierungshilfen und konkreten Unterstützungsangeboten zur Startbahn für ein neues Berufsleben werden.
Allein in diesem Jahr stellt die Bundesagentur für Arbeit zusätzlich bis zu 175 Millionen Euro für die Weiterqualifizierung von Frauen, die einen beruflichen Wiedereinstieg anstreben, zur Verfügung.
Auch die Beratung der Betriebe durch speziell ausgebildete Teams bei den Agenturen für Arbeit ist vorgesehen, damit diese eventuelle Vorbehalte abbauen und den Bedürfnissen dieser Gruppe von Berufstätigen mehr entgegenkommen.
SINUS-Studie über die Situation der Wiedereinsteigerinnen
Vom Bundesfrauenministerium in Auftrag gegebene Untersuchungen über die Situation der Wiedereinsteigerinnen (zusammengefasst als „SINUS-Studie“) haben vor allem 3 wesentliche Befunde erbracht:
1. Die Berufsrückkehr ist kein punktuelles Ereignis, sondern ein Prozess, der sich von den ersten Überlegungen der Frau bis zur erfolgreichen Bewältigung des Berufseintritts in der Regel über mehrere Jahre erstreckt und dessen Erfolg von verschiedenen Faktoren abhängig ist.
2. Nicht die Frau allein, sondern die ganze Familie ist beim Wiedereinstieg gefordert. Weit über 80% der potentiellen Wiedereinsteigerinnen sind verheiratet. Gegen den Partner oder ohne seine Unterstützung ist er kaum zu schaffen. Allerdings gibt ein hoher Anteil der von Sinus befragten Männer an, mit dem Wiedereinstieg der Ehefrau „nichts zu tun zu haben“.
3. Die Erwartungen der Frauen und der Arbeitgeber an den Wiedereinstieg passen nicht immer zusammen. Das beginnt mit der Arbeitszeit und geht über die Frage der richtigen und notwendigen Weiter-Qualifizierung bis zu den Fragen der „passenden“ Aufgabenprofile für die neue Kollegin.
Aktionsprogramm „Perspektive Wiedereinstieg“

Das Aktionsprogramm „Perspektive Wiedereinstieg“ steht auf drei Säulen:
1. Derzeit wird in Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit ein Internetportal mit Lotsenfunktion erstellt. Es soll den nicht arbeitslos gemeldeten Frauen helfen, geeignete Beratungsstellen und Unterstützungsmaßnahmen vor Ort ausfindig zu machen, die sie dann in Anspruch nehmen können. Das Portal wird im Laufe des Jahres online gehen.
2. Ein mit 14 Millionen Euro aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds ausgestattetes Budget soll Projekte in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft fördern, die neue Wege für eine bessere Integration von Berufsrückkehrerinnen erproben. Das Programm wird von Wirtschaftsverbänden, Frauenverbänden und Beratungseinrichtungen entwickelt. Die Ausschreibung ist für Herbst diesen Jahres vorgesehen.
3. Zur raschen Erzielung einer Breitenwirkung werden auf lokaler Ebene bereits in der Fläche verankerte Strukturen wie die Lokalen Bündnisse für Familie, die Mehrgenerationenhäuser oder das Bundesprogramm „Lokales Kapital für Soziale Zwecke“ in das Aktionsprogramm mit einbezogen. Sie sollen künftig im Rahmen ihrer jeweiligen Angebotspalette gezielte Schwerpunkte für die Zielgruppe der Wiedereinsteigerinnen setzen.
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