Exzellenz-Initiative im eigenen Zuhause

Exzellenz-Initiative im eigenen Zuhause
Vor gut einem Jahr starteten Bund und Länder eine Exzellenzinitiative zur Förderung von Forschung und Wissenschaftlichem Nachwuchs. Schlagwörter wie Exellenzcluster oder Elite Campus lassen einen zunächst einmal nach klaren Definitionen suchen. Da kann man sich unter Exzellenzhautcreme oder Exzellenzkaffee schon eher spontan das richtige vorstellen.
Nun hat im Frühjahr 2006 in London sogar ein internationaler Kongress zum Thema „Excellence in the Home“ stattgefunden. Soll das etwa heißen: anstrengende Verbesserung auch in unserer privatesten Relaxzone? Zahlt sich das denn aus?
Man brilliert im Beruf, im Sport oder auf dem Silvesterball, zu Hause zieht man dann die Pantoffel an und die ausgeleierte Jogginghose.
Horror-Szenario oder Alltag zu Hause?
In vielen Familien trifft man sich eher beim Plündern des Kühlschranks als an einem gedeckten Tisch. Der Korb mit Schmutzwäsche im Bad quillt über – reine Gewöhnungssache - die Bügelwäsche hört auf, solche zu sein, Knitter werden für cool erklärt. Mann trägt Jeans, T-Shirt oder Pulli, gelegen oder ungelegen, jedenfalls immer noch besser als im Büro als der Kollege mit den ungebügelten Hemden charakterisiert zu werden.
Gespült wird, wenn nichts mehr im Schrank steht. Die Fast Food gemästeten Kinder trinken lieber die Cola aus der Tasse, als ein Glas zu spülen und das Käsebrot passt immer noch neben die Tastatur auf den Laptop. Das Baby lernt vor dem Aufrichten erst mal Hindernis-Robben über das Spielzeug ...Und Großmutter war schon seit Jahren nicht mehr zu Besuch, weil sie dieses Chaos einfach nicht aushält.
Als Mutter noch Mutter war...
Früher gab es Mutter. Gemeint ist nicht Mutter biologisch, sondern Mutter schlechthin, im nur ihr zukommenden allumfassenden Sinn. Obwohl sie „nicht arbeitete“, konnte sie alles. Und war es nicht sie, gab es einen anderen konkret umarmbaren Alleskönner (Tante, Oma, Haushaltshilfe mit Herz), bei dessen Abwesenheit langsam Chaos und schlechte Laune in der Familie zunahmen.
Wenn keiner mehr lächelt
Echtes Ausruhen gelingt nicht im Chaos. Manchmal kommt man geradezu zerrissen und aufgezehrt vom Erlebten nach Hause, sowohl die Kinder als auch die Erwachsenen. Man erholt sich schnell und lernt, sein bestes zu geben, wenn man selbst in seinen elementaren Bedürfnissen gut versorgt ist, wenn man von jemandem erwartet wird, der sich freut, wenn ich komme.
Heute kommt Mutter oft selber müde von der Arbeit nach Hause, wie Vater schon immer, nur mit weniger Erwartungen. In diesem Zustand wird einem alles zur Last, man urteilt ungerecht und sagt Dinge, die man eigentlich gar nicht so meint. Da Vater aber oft (noch) nicht gelernt hat, auch Mutter zu sein, gibt es niemanden, der ausgleicht und versteht. So ziehen sich alle immer mehr zurück, wird die Wohnung einer Familie zum neutralen Wartesaal auf morgen: fernsehen, surfen und schlafen, bloß nicht auch hier noch Probleme lösen müssen.
Der gesellschaftliche Druck
Die abwertende Sicht, die Gesellschaft und Politik zunehmend im Hinblick auf den Einsatz der Frau in Familie und Haushalt propagieren, hat auch dazu geführt, dass kaum noch eine junge Auszubildende diese Arbeit wählt. So wird es auch immer schwieriger, dass eine berufstätige Mutter sich zumindest in einigen Bereichen kompetent (und gut bezahlt) vertreten lässt. Viele junge Frauen haben auch selbst nie Haushaltsführung gelernt und sind unsicher, wenn sie Gäste bewirten oder eine Haushaltshilfe anleiten sollen.
Ist Abhilfe in Sicht?
Im Buchhandel sind Bücher über Haushaltsmanagement für Männer erhältlich. Darin ist dann zu lesen, wie man verschiedene Wäschestücke aufhängt oder dass Socken monogam sind: nach der Wäsche immer dieselben wieder zu einem Paar zusammenlegen... Wie hoch die Verkaufsziffer dieser Bücher ist, ist nicht bekannt. Die Rettung des Zuhause durch den Mann werden sie wohl nicht bewirken.
Interessanter ist da schon die zu beobachtende Tendenz, dass zunehmend junge Frauen Gelegenheiten zur Ausbildung im Haushalt „auf dem zweiten Bildungsweg“ wahrnehmen. Kochstudios, die auch etwas Tischkultur lehren, sind gut besucht.
Vielen Frauen macht die gute Versorgung ihrer Familie allen Genderpredigern zum Trotz ausgesprochen Freude. Ihnen fehlt nur oft jedwede hauswirtschaftliche Kenntnis, da deren Vermittlung durch feministische Meinungsmache jahrelang ausgesprochen verpönt war.
Wenn ich etwas gut beherrsche, geht es mir auch in Stresssituationen noch leicht von der Hand und belastet nicht zusätzlich. Die heute übliche Doppelbelastung durch Familie und Beruf könnte deutlich gemildert werden durch mehr Vermittlung von Kenntnissen in Haushaltsführung in der Ausbildung von Mädchen.
Excellence in the home
Die Idee, eine Exzellenz-Initiative für das Zuhause zu starten, wird der Bedeutung der Sache gerecht. Hier soll, - wie bei der Forschungs- und Wissenschaftlerförderung - einer vernachlässigten wichtigen Angelegenheit wieder zur adäquaten Wertschätzung und angemessenem Niveau verholfen werden.
Auf längere Sicht gibt es sogar einen direkten Zusammenhang zwischen beiden Initiativen: Nimmt nämlich die innerfamiliäre Verwahrlosung weiter zu, werden wir bald auch keine geeigneten Forscherpersönlichkeiten mehr haben, denn – wie die Psychologie lehrt - nur wer eine gute und sichere Bindung hat, kann seine Fähigkeiten voll entfalten und dauerhaft hohe Leistungen erbringen.
Es gibt Studien, die aufzeigen, dass in Gegenden, wo die fast food Abfütterung der Familie dominiert und das Gespür für ein gepflegtes zu Hause verloren gegangen ist, besonders häufig zerrüttete Ehen, psychische Auffälligkeiten, Jugendkriminalität und Alkohol- und Drogenkonsum anzutreffen sind.
Gute Haushaltsführung setzt beim Menschen an, um dessen Wohlergehen es geht. Sie vermittelt Kultur und Herzensbildung und kann deshalb nie durch Technik oder Outsourcing
ersetzt werden.
Der Kongress und seine Auswirkungen
Der Londoner Kongress – von der „Dawliffe Hall Educational Foundation“ veranstaltet – brachte einen breiten Fächer von Spezialisten miteinander in den Austausch: Soziologen, Ernährungswissenschaftler, Experten aus Marketing, Hotellerie und Gesundheitswesen,so wie auch Vertreter privater Haushalte.
In diesem Jahr werden die Teilnehmer versuchen, in ihren jeweiligen Heimatländern diese Initiative auszubreiten und in Arbeitsgruppen weiterhin in Kontakt zu bleiben. In England wurde als Frucht dieses Kongresses bereits die „Home Renaissance Foundation“ gegründet.
Deutsche Kongressteilnehmer veranstalten am 2.Juni diesen Jahres in der Tagungsstätte „Haus Hardtberg“ (Nähe Bonn) ein Seminar zum Thema. Interessenten können nähere Informationen erbitten unter: amhardtberg@t-online.de.
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