Willkommen im Süden

Willkommen im Süden
„Willkommen bei den Sch’tis“ („Bienvenue chez les Ch’tis“, siehe Filmarchiv) gehört zu den großen europäischen Kinoerfolgen der letzten Jahre. Die Geschichte des Südfranzosen, der in den Norden Frankreichs versetzt wird und wider Erwarten Gefallen an dessen Lebensart findet, begeisterte allein im eigenen Land mehr als 20 Millionen Besucher. In Deutschland sahen ihn nicht zuletzt dank der sensationellen Synchronisation immerhin mehr als 2 Millionen Zuschauer. Weil das zugrundeliegende Sujet über Sprach- und Landesgrenzen hinweg eigentlich ein universelles ist, lässt es sich vortrefflich auf andere Länder übertragen. So oder ähnlich muss auch „Willkommen bei den Sch’tis“-Regisseur Dany Boon gedacht haben. Denn er produziert die „italienische Antwort“ auf den französischen Erfolgsfilm mit, und tritt in „Willkommen im Süden“ („Benvenuti al Sud“) sogar in einer kurzen Szene auf.
Filmische Qualität: 3,5 von 5 Punkten
Regie: Luca Miniero
Darsteller: Claudio Bisio, Alessandro Siani, Angela Finocchiaro, Valentina Lodovini, Naike Rivelli, Giacomo Rizzo, Nando Paone, Teco Celio
Land, Jahr: Italien 2010
Laufzeit: 88 Minuten
Genre: Komödie
Publikum: alle (FSK ohne Altersbeschränkung)
Einschränkungen: --
Rezension: JOSÉ GARCÍA - www.textezumfilm.de
Foto: © Constantin „Willkommen im Süden“ beginnt wie ein regelrechtes Remake des französischen Films, freilich mit umgekehrten Vorzeichen: Alberto Colombo (Claudio Bisio) leitet ein kleines Postamt in der norditalienischen Provinz. Sein und seiner Frau Silvia (Angela Finocchiario) größter, inzwischen zwanghafter Wunsch: Nach Mailand versetzt zu werden. Um seine Chancen zu erhöhen, ist Alberto sogar bereit, sich als Behinderter auszugeben. Natürlich fliegt der Schwindel auf, so dass er strafversetzt wird – allerdings in den Süden, nach Castellabate, einen Ort in der Nähe von Neapel. Erhielt in „Willkommen bei den Sch’tis“ der von Kad Merad verkörperte Postbeamte von seiner Frau zum Abschied eine dicke Daunenjacke, so bekommt Alberto von Silvia eine Sonnencreme ausgehändigt. Und weil „der Süden“ so extrem gefährlich sein soll, zieht er vorsichtshalber eine kugelsichere Weste an.
Bis auf kleine Details geht es zunächst einmal in „Willkommen im Süden“ genauso weiter wie in „Willkommen bei den Sch’tis“: Alberto wird auf der Autobahn wegen Geschwindigkeitsunterschreitung von der Polizei angehalten, fährt nach der Ankunft in Castellabate seinen Untergebenen Mattia (Alessandro Siani) unter strömendem Regen an, und glaubt, Mattia habe sich den Kiefer ausgerenkt, weil er dessen Kauderwelsch nicht versteht. Nach anfänglichen Anpassungsschwierigkeiten, die insbesondere mit den Essensgewohnheiten und dem schwerverständlichen Dialekt zusammenhängen, lernt Alberto die Vorzüge des Lebens im Süden ziemlich schnell kennen. Weil aber seine Frau dies kaum glauben mag („Du kannst mir ruhig sagen, dass Du leidest“), fühlt sich Alberto verpflichtet, ihr gegenüber das klischeehafte Bild aufrechtzuerhalten. Richtig brenzlich wird es für Alberto, als Silvia ihren Besuch in Castellabate ankündigt.
Obwohl die Handlung des italienischen Films fast Szene für Szene dem französischen Original folgt, stellt sich „Willkommen im Süden“ als Remake mit eigenen Stärken heraus. Denn nach und nach wird er zu einem typisch italienischen Film, der den Zuschauer vergessen lässt, dass es sich dabei um eine Neuverfilmung handelt. Drehbuchautor Massimo Gaudioso und Regisseur Luca Miniero ist es gelungen, aus einer typisch französischen Geschichte eine durch und durch italienische zu machen. Dafür passten sie die Handlung den italienischen Lebensgewohnheiten und insbesondere den italienischen Charakteren an. So entwickeln sich die Vorurteile, Süditaliener nähmen es mit der Arbeit nicht so genau und sie würden den Müll einfach auf die Straße werfen, zu echten „runnig gags“. Hinzu kommen die Charaktere, die bis in die Nebenrollen bestens besetzt sind. So steht dem wunderbar gestikulierenden Alessandro Siani als Mattia eine Valentina Lodovini als Maria zur Seite, die zwar das sprichwörtliche feurige Temperament besitzt, aber auch sensibel agieren kann.
Mit dem französischen Original stimmt allerdings Luca Minieros Film in der Überwindung von Vorurteilen und in der Lobeshymne auf die Freundschaft überein. Dazu führt der Regisseur selbst aus: „Ich glaube, dass unser Resultat so heiter, komisch und originell ist, gerade weil unser Film nicht den ewigen Konflikt der Nord-Süd-Beziehung Italiens erzählt. Vielmehr steht der Konflikt und die Versöhnung aus ganz und gar menschlicher Sicht im Mittelpunkt.“ In Italien wurde „Willkommen im Süden“ jedenfalls bestens aufgenommen: Mit mehr als 4,9 Mio. Zuschauern ist der Film einer der erfolgreichsten Filme im südeuropäischen Land überhaupt – vergleichbar mit Roberto Begninis „Das Leben ist schön“. Regisseur Luca Miniero arbeitet bereits an einer Fortsetzung, bei der nun ein Süditaliener in den Norden versetzt wird. In der deutschen Fassung leiht dem Postbeamten Mattia übrigens Rick Kavanian seine Stimme, der ähnlich Christoph Maria Herbst bei „Willkommen bei den Sch’tis“ eine eigene Kunstsprache kreierte, um den Sprachwitz in die deutschen Fassung zu übertragen.
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