Fehlende Väter, adipöse Kinder

von Nicole M. King - ins Deutsche übertragen von Horst Niederehe
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„Kindliche Fettleibigkeit ist nicht länger ein Attribut reicher Nationen, berichtet NEWSWEEK in einem Beitrag. Es gibt -in absoluten Zahlen- viel mehr übergewichtige und adipöse Kinder in den aufstrebenden Gesellschaften und der Trend ist ungebrochen“.

Der Artikel folgt dem Abschlussbericht einer Kommission der Weltgesundheits-Organisation zur Strategie für die Bekämpfung kindlicher Fettleibigkeit, die 2014 gegründet wurde, um Maßnahmen gegen dieses alarmierende globale Problem zu erarbeiten. Die Kommission erklärt, dass „keine Einzelmaßnahme geeignet sei, dieser Adipositas-Epidemie Einhalt zu gebieten“. Vielmehr seien konzertierte Aktionen von Regierungen UND Gesellschaft nötig, um sicherzustellen, dass „Kinder und Eltern geeignete Kenntnisse über Ernährung besitzen, Zugang zu gesunden und dabei preiswerten Nahrungsmitteln erhalten und sich ausreichend körperlich betätigen“.

Newsweek führt weiter aus: „Der Bericht beinhaltet sechs Paragraphen von Empfehlungen und erläutert die erwünschten Aktionen von Regierungen, Internationalen Organisationen und Zivilgesellschaften, einschließlich des privaten Sektors“. Forschung belegt indes, dass zur Bekämpfung kindlicher Fettleibigkeit „Regierungen, Internationale Organisationen und Zivilgesellschaften“ besser daran täten, ihr Verständnis von Kultur und die legalen Statuten der Ehe zu hinterfragen.

Neueste Forschung - Wo Väter fehlen, wächst der Bauchumfang der Kinder

Aus gutem Grund scheuen die Gesundheitsexperten keine Anstrengung, wenn es um die Bekämpfung kindlicher Fettsucht geht, meist über die Empfehlung diätetischer Maßnahmen. Wenn sie sich aber eine kürzlich veröffentliche dänische Studie anschauen würden, kämen sie vielleicht zum Schluss, ihre Bemühungen in eine andere Richtung zu lenken. Denn diese belegt deutlich, dass Kinder zur Fettleibigkeit neigen, wenn sie ohne Vater aufwachsen.

Die Studie wurde von einem internationalen Team von Wissenschaftlern der Universitäten von Kansas (USA), Aarhus und Kopenhagen in Dänemark erstellt, und nahm die Auswirkungen elterlicher Trennung vor der Geburt eines Kindes und die Wahrscheinlichkeit in den Blick, dass dieses Kind später übergewichtig oder adipös werden könne. Die Forscher erklären: „Frühe elterliche Trennung kann sich als Stressfaktor erweisen, der langfristig Veränderungen in der Hypothalamus-Hypophysen-Adrenalin-Achse des Kindes bewirkt, wodurch möglicherweise die Anfälligkeit für Übergewicht und Adipositas befördert wird.

Um die Auswirkungen früher elterlicher Trennung auf Kinder und deren Entwicklung von Gewichtsproblemen bewerten zu können, analysierten die Forscher Daten von 8876 dänischen Kindern, die von ihrer Geburt, bis zum Alter von 9 bis 11 Jahren beobachtet wurden. Die Daten belegen eine klare Verknüpfung zwischen vorgeburtlicher elterlicher Trennung und Gewichtsproblemen.

Verglichen mit Gleichaltrigen in intakten Familien, sind Kinder, deren Eltern seit Geburt des Kindes getrennt leben, mit 9 bis 11 Jahren etwa doppelt so häufig übergewichtig. (1:1,87). Die Forscher testeten die Robustheit dieses Resultats, indem sie ein Statistikmodell entwickelten, das mütterliche Bildung, Body Mass Index der Mutter vor der Schwangerschaft, Gewichtszunahme während der Schwangerschaft, Alter der Mutter zur Zeit der Geburt, Gebärfähigkeit, Geschlecht des Kindes und Still-Status ebenso berücksichtigte. Dieses verfeinerte Modell „änderte jedoch die Einschätzungen nicht substantiell“. Die Auswirkungen elterlicher Trennung wurden jedoch noch deutlicher sichtbar, als die Wissenschaftler das Risiko der Kinder beleuchteten, die so stark übergewichtig sind, dass sie als adipös eingestuft werden: Im Vergleich zu ihren gleichaltrigen Kameraden in intakten Familien waren dänische Kinder, deren Eltern getrennt lebten, im Alter von 9 bis 11 Jahren dreimal so häufig adipös.

Die Autoren der neuen Studie stellen fest, dass ihre Ergebnisse auf einer Linie mit anderen Studien liegen. Sie verweisen insbesondere auf „zwei Langzeitstudien mit amerikanischen Kindern, die ebenfalls den Effekt elterlicher Trennung untersuchen, allerdings im späteren Leben der Kinder“. Beide Studien wiesen elterliche Trennung als Prädiktor kindlicher Gewichtsprobleme aus. Neu an der Studie mit dänischen Kindern ist der Aspekt, dass die Eltern sich bereits bei der Geburt ihres Kindes getrennt hatten. Die Forscher erklären dies recht plausibel als „fetale Programmierung auf Grund mittlerer pränataler Stress-Exposition“.

Allein die Möglichkeit solch „fetaler Programmierung“ sollte den Gesundheitsexperten zu denken geben. Eine so frühe Prägung lässt alle Versuche unnütz erscheinen, Fettleibigkeit von Kindern einfach mit diätetisch zu bekämpfen. Ob nun in Chicago oder Kopenhagen der Kampf gegen Übergewicht von Kindern geführt werden soll, die Gesundheitsexperten sollten sich weniger sorgen, was Kinder essen, sondern ob sie mit beiden Eltern zusammenleben.

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(Quellen: Bryce J. Christensen and Nicole M. King, “New Research,” The Family in America Vol. 29 Number 2, Spring 2015. Study: Lena Hohwü et al., “Prenatal Parental Separation and Body Weight, Including Development of Overweight and Obesity Later in Childhood,” PLoS One 10.3 [2015]: e0119138, Web)

Dieser Beitrag wird hier mit freundlicher Genehmigung von The Family in America, einer Publikation von The Howard Center, einem Partner von MercatorNet veröffentlicht.