Immer weniger Kinder in der EU

von Shannon Roberts - ins Deutsche übertragen von Horst Niederehe
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Wie die meisten Kinder wuchs auch ich bei der Musik, die meiner Mutter gefiel, auf. Ein Lied, das mich besonders beeindruckt hat, war „The Greatest Love of All” von Whitney Houston. Der Text berührt mich noch heute, wie damals: “I believe the children are our future. • Teach them well and let them lead the way. • Show them all the beauty they possess inside … • Let the children's laughter remind us how we used to be”. (Ich vertraue darauf, dass die Kinder unsere Zukunft sind. Bildet sie gut aus und lasst sie Verantwortung übernehmen. Zeigt ihnen all das Schöne, das sie in ihrem Innern besitzen. Möge das Lachen der Kinder uns daran erinnern, wie wir einmal waren.)

Dieser Text ist aufrüttelnd. Wenn Kinder wirklich unsere Zukunft sind, dann steht die der Eurozone unter einem großen Fragezeichen. Es gibt dort nämlich nicht mehr viel Kinderlachen zu hören.

Die zuletzt veröffentlichen Zahlen der European Union’s statistics agency (Eurostat) belegen, dass die Zahl der Kinder unter 15 Jahren in den 28 Mitgliedsstaaten um 10 Millionen über die letzten 20 Jahre gesunken ist und dass dieser Trend sich fortsetzt.

Kinder unter 15 machten 1994 noch 18,6% der Bevölkerung aus, 2014 waren es nur noch 15,6%. Die dominierende Kraft der Eurozone, Deutschland, verzeichnet den niedrigsten Anteil junger Menschen, mit nur mehr 13,1% der Bevölkerung, (1994 waren es noch16,4%). Die „Nächstbesten“ sind Bulgarien (13,7%) und Italien (13,8%). Irland (22%) verzeichnet bei weitem die höchste Kinderzahl, gefolgt von Frankreich (18,6%) und Großbritannien (17,6%).

Die sinkende Zahl von Kindern und Jugendlichen verursacht diverse Herausforderungen, einschließlich eines sich abzeichnenden Arbeitskräftemangels. Der Anteil der Älteren in der Gesellschaft steigt weiter und so wird jeder Beschäftigte künftig eine höhere Zahl Rentner unterstützen müssen. Die Zahl älterer Menschen übertraf 2004 zum ersten Mal in der EU die Zahl der Kinder.

Nach Eurostat ergeben sich daraus folgende Herausforderungen:

- wie genügend Wachstum sichergestellt werden kann in einer Periode des Rückgangs der für den Arbeitsmarkt zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte, was zu einer Reduktion des Bruttosozialprodukts, der Einkommensteuer und der Sozialversicherungsbeiträge führt, und

- wie die Sozialsysteme -Renten, Krankenversicherung etc.- stabilisiert werden können, wenn eine immer größere Zahl (sehr) alter Menschen Ansprüche an diese Systeme stellt.

Eine Lösung für die Eurozone ist, mehr Immigration zu fördern, um Dekaden sehr geringen Wachstums zu vermeiden, die unweigerlich zu höheren Staatsschulden führen. Migranten müssen jedoch von irgendwoher kommen, wohl aus den Ländern Afrikas oder Asiens, die noch hohe Geburtenraten verzeichnen?

Das Wall Street Journal ist der Auffassung, dass die Staatenlenker sich überlegen sollten, wie sie ihre Bürger dazu bewegen können, mehr kleine Europäer zu produzieren, wenn sie ihre Länder erhalten und sicherstellen wollen, dass dort weiter „Kinderlachen“ zu hören ist, was ja ansteckend sein soll.