Die Gender-Ideologie (Teil 2)

Das 2004 erschienene Dokument der Glaubenskongregation über die Zusammenarbeit von Männern und Frauen beginnt mit einer kurzen Diskussion über solche Denkströmungen, „deren Ideen oft nicht mit den genuinen Zielsetzungen der Förderung der Frau übereinstimmen“. Lesen Sie den Zweiten Teil einer 3-teiligen Serie (von Dale OLeary, DT vom 09.04.2005).
Die Einheit der menschlichen Person
Während die Gender-Perspektive immer breitere Zustimmung fand, begann ihre theoretische Basis zu bröckeln. Milton Diamond, ein Experte für die pränatale Auswirkung von Testosteron auf die Entwicklung des Gehirns, enthüllte 1997 in einem Artikel, dass John Moneys Ergebnisse im Fall der Zwillinge nicht exakt waren. Diamond hatte Moneys Theorie, dass biologische Identität durch Sozialisierung aufgehoben werden könne, nie akzeptiert. Im Laufe der Jahre hatte er verschiedene Versuche unternommen, den Zwilling aufzufinden, über den Money berichtet hatte, um zu sehen, wie sich das Kind in der Jugend weiterentwickelt hatte. Schließlich gelang es Diamond, Kontakt zu einem lokalen Therapeuten aufzunehmen, der mit dem Zwilling gearbeitet hatte. Er entdeckte, dass das Experiment ein totaler Fehlschlag gewesen war. Der Zwilling hatte nie akzeptiert, ein Mädchen zu sein, und sich niemals an eine weibliche Rolle angepasst. Im Alter von vierzehn Jahren war er suizidgefährdet. Einer der vielen Therapeuten, die aufgesucht wurden, um ihm zu helfen, riet seinen Eltern, ihm die Wahrheit zu sagen. Von dem Augenblick an, in dem man ihm sagte, er sei ein Junge, war er entschlossen, als Mann zu leben. Er unterzog sich extrem komplizierten Operationen zur Wiederherstellung seines Geschlechts und heiratete. Die ganze Geschichte des Falls der Zwillinge wird in John Colapintos Buch „As Nature made him“ dokumentiert.
Spätere Untersuchungen über die Entwicklung des Gehirns haben Moneys Theorie weiter geschwächt. Forschungen über die pränatale Wirkung von Hormonen beweisen, dass sich die Gehirne von Mädchen und Jungen sogar schon vor der Geburt deutlich unterscheiden und dass dies unter anderem die Art und Weise beeinflusst, wie Babys Bewegungen, Farben und Formen wahrnehmen. Das Ergebnis ist ein „biologisches Vorbereitetsein“ der Jungen auf typisch männliches Spielzeug und der Mäd-chen auf typisch weibliches Spielzeug. Frauen sind vom Mutterschoß an mit der für die Mutterschaft notwendigen Sensibilität gegenüber der menschlichen Person ausgestattet. Diese Forschung sowie weitere neue Informationen über die Struktur des menschlichen Gehirns legen nahe, dass biologische Einflüsse und Erfahrungen bei der Entwicklung von Gehirnverbindungen zusammenwirken und so untrennbar miteinander verwoben sind, dass es unmöglich ist, sie voneinander zu trennen.
Kinder werden in Gesellschaften geboren, die von Männern und Frauen geschaffen wurden, deren Vorstellung über das, was natürlich ist, durch diese Verbindung von Biologie und Erfahrung beeinflusst wird. Jungen wachsen auf, um Väter zu werden, und Mädchen, um Mütter zu werden. Die Tatsache der geschlechtlichen Verschiedenheit kann nicht dadurch verändert werden, dass man dies durch genderneutrale Sozialisierung zu verbergen sucht.
Weitere Untersuchungen über die Entwicklung des Gehirns haben die Bedeutung der Beziehung zwischen Mutter und Kind innerhalb der ersten Lebensmonate erwiesen. Das Baby, das die Stimme der Mutter im Mutterleib gehört hat, sucht die Augen der Mutter, wenn es auf die Welt kommt. Eine feste Zuneigung zwischen Mutter und Kind ist entscheidend für die emotionale Entwicklung. Diejenigen, die sich mit der frühen Kindheitsentwicklung und der Entwicklung des Gehirns beschäftigen, befürchten, dass das, was sie über die Bedeutung der Mutter/Kind-Beziehung herausgefunden haben, von denjenigen ignoriert wird, die sich für Frauen im Berufsleben und Kinder in Tagesstätten einsetzen.
Wenn Frauen sensibler für die Bedürfnisse der menschlichen Person sind und Kinder Mütter brauchen, die sensibel für ihre Bedürfnisse sind, dann bedeutet es nicht, einem negativen Stereotyp zu folgen, wenn man die Mutterschaft in einem positiven Licht sieht, sondern es zeigt, dass man die Realität anerkennt. Es besteht keine Ungerechtigkeit, solange die Frauen nicht an der Entscheidung gehindert werden, außer Haus zu arbeiten. Gerade weil Frauen und Männer verschieden sind, können Frauen einen besonderen Beitrag für die Gesellschaft leisten. Die Tatsache, dass Frauen eine Entscheidung treffen müssen, führt dazu, dass einige Frauen sich überfordert fühlen, doch das ist der Preis der Freiheit.
Unbewiesene Behauptungen der Gender-Ideologen
Die Befürworter einer Gender-Perspektive haben zahlreiche Beispiele dafür angeführt, dass die Gender-Sozialisierung für die Misshandlung von Frauen verantwortlich ist. Viele dieser Beispiele halten einer sorgfältigen Überprüfung jedoch nicht stand. Christina Hoff Sommers, Verfasserin von „Who Stole Feminism?“, hat Folgendes entdeckt: Während die Medien Behauptungen von Feministinnen wiedergaben, negative Gender-Sozialisierung habe zur Folge, dass 150000 Amerikanerinnen pro Jahr an Magersucht stürben, ergaben die Statistiken für 1983 101 Sterbefälle aufgrund von Magersucht. Bis 1991 war diese Zahl auf 54 zurückgegangen.
Im Jahr 1991 hat die „American Association of University Women“ eine Studie mit dem Titel „Shortchanging Girls, Shortchanging Americans“ veröffentlicht, die behauptete, Gender-Voreingenommenheit in der Schule führe dazu, dass Mädchen im Teenageralter unter einem verheerenden Selbstachtungsverlust litten. Die Medien berichteten ausführlich über diese Studie und zahlreiche Programme entstanden, um dem Problem abzuhelfen. Mit einiger Anstrengung gelang es Sommers, eine Kopie der Umfrageergebnisse zu erhalten. Dabei entdeckte sie, dass der Maßstab für „Selbstachtung“ unwissenschaftlich war und dass Mädchen im Teenageralter fast überall akademisch bessere Leistungen zeigten als Jungen. Das Problem mit unbewiesenen Behauptungen von Feministinnen über Unterdrückung liegt darin, dass sie die limitierten Ressourcen von den wirklichen Problemen der Frauen abziehen und die Glaubwürdigkeit derjenigen unterwandern, die sich darum bemühen, die wirklichen Interessen der Frauen zu fördern.
Angesichts der Tatsache, dass bislang zu viel Vertrauen in fehlerhafte Recherchen gesetzt wurde, muss man jetzt alle Beweise, die zur Unterstützung der Gender-Perspektive angeführt werden, sorgfältig prüfen. Das gilt vor allem für die Bereiche Abtreibung und Homosexualität. Diejenigen etwa, die die Ehe neu definieren wollen, um gleichgeschlechtliche Paare einzu-schließen, haben zahlreiche Studien zitiert, die zu beweisen vorgeben, dass es zwischen Kindern, die von gleichgeschlechtlichen Paaren und Kindern, die von ihren natürlichen Eltern im Rahmen der Ehe erzogen werden, keine signifikanten Unterschiede gibt.
Diejenigen, die diese Studien untersucht haben, fanden sie durch und durch untauglich. Professor Lynn Wardle vertritt die Ansicht: „Die meisten Studien über die Elternschaft Homosexueller beruhen auf unverlässlichen, quantitativen Untersuchungen, die methodisch und analytisch fehlerhaft sind (einige haben kaum mehr als anekdotenhaften Wert). Sie würden nur eine äußerst dürftige empirische Basis liefern, um die öffentliche Politik danach auszurichten.“
Dagegen liegen zahlreiche Studien vor, die belegen, dass die Präsenz von Vater und Mutter für das Wohlbefinden des Kindes förderlich ist. Die Bedeutung der Liebe der Mutter ist weitgehend anerkannt, doch viele neuere Studien beweisen, dass auch die Liebe des Vaters einen positiven Einfluss hat. Ein Querschnitt durch die Literatur hat ergeben, wie es Ronald Rohner und Robert Veneziano 2001 formulierten, dass „der Einfluss der Liebe des Vaters auf die Entwicklung der Nachkommen genauso groß und gelegentlich sogar größer ist als die Liebe der Mutter. Einige Studien kommen zu dem Ergebnis, dass die Liebe des Vaters die einzig signifikante Voraussetzung für ein besonders positives Ergebnis ist.“
Die Zukunft hängt von den Kindern ab. Daher ist die Gesellschaft verpflichtet, das Wohlergehen der Kinder an die erste Stelle zu setzen. Frauen wollen das, was am besten für ihre Kinder ist, und jedes Kind braucht einen Vater und eine Mutter. Nur die Ehe sichert die Verpflichtung der Eltern zueinander und den Kindern gegenüber. Daher ist jede andere Regelung für Frauen und Kinder mit Risiken behaftet.
Patrick Fagan von der „Heritage Foundation“ hat massive Beweise dafür gesammelt, wie wichtig es für Kinder ist, einen Vater und eine Mutter zu haben, die verheiratet bleiben: „Unehelich geborene Kinder oder Kinder, deren Eltern sich scheiden lassen, laufen eher die Gefahr, Armut, Miss-handlung sowie Verhaltens- oder emotionale Probleme zu erfahren. Sie bringen geringere akademische Leistungen und greifen häufiger zu Drogen. Alleinstehende Mütter laufen eher die Gefahr, Opfer häuslicher Gewalt zu werden... Kinder, deren Eltern verheiratet bleiben, ziehen daraus wirkliche Vorteile. Jugendliche aus solchen Familien sind gesünder, neigen weniger zu Depressionen, müssen weniger häufig eine Klasse in der Schule wiederholen und haben weniger Probleme bei der Entwicklung.“
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