Computerspiele (1) – Entstehung und Wirkung

Computerspiele (1) – Entstehung und Wirkung
Was spielt mein Kind? Machen Computerspiele süchtig oder aggressiv? Es geht um ein sehr wichtiges und heiss diskutiertes Thema. Die Meinungen dazu gehen weit auseinander: von harmlos bis sehr gefährlich. Unser Ziel ist es, Ihnen in einer wöchentlich erscheinenden Artikelserie die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse vorzustellen und Ihnen gleichzeitg praktische Hilfen für den Erziehungsalltag zu geben.
Wie sind Computerspiele entstanden ?
Damals, wie Heute gilt das Prinzip: je leistungsfähiger die Computer sind, desto komplexer und anschaulicher sind auch die Spiele, die auf Ihnen laufen. Ende der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts, als die durchschnittliche Rechenmaschine noch die Größe eines Wohnhauses erreichte, entwickelte der Amerikaner William Higinbotham das als erstes Spiel anerkannte „Tennis for two“.
Da ein privater Haushalt sich in dieser Zeit keine Gedanken über einen Heimcomputer machte, blieben Computerspiele bis in die 70er Jahre den Zugangsberechtigten von Groß- und Universitätsrechnern vorbehalten. Die vorherrschende Meinung über private Computer drückte 1977 Ken Olsen, Vorstandsvorsitzender von Digital (DEC) noch folgendermaßen aus:
Ich sehe keinen Grund, warum einzelne Individuen ihren eigenen Computer haben sollten.
Ein netter Irrtum, wie wir heute wissen. Der erste wirkliche Sprung in den Massenmarkt gelang dann Firmen wie Atari mit denen auf Videotechnologie beruhenden Spielautomaten. Nachfahren dieser - für heutige Verhältnisse spartanisch ausgerüstete Spielklötze - kann man teilweise noch in Spielotheken bewundern. Die manchmal genialen Spielideen und Genres, die sich damals entwickelten, bilden auch heute oft die Kernidee eines Spieles.
Aus den großen, wohnzimmerfeindlichen Automaten der Spielecenter wurden tragbare Videospielekonsolen. Man bezeichnete sie auch als Telespiele. Einige werden sich noch erinnern: Man konnte diese Konsolen an den Fernsehapparat anschließen und dann gegeneinander eine Runde Ping-Pong spielen. Oder es landenden Aliens in „Space Invader“. Es ging darum, die Eindringlinge abzuschießen.
Grafisch und Akustisch nicht unbedingt ein Leckerbissen, aber immerhin: die Branche boomte. Bis der von IBM Anfang der 80er zusammengebaute Personal Computer zu seinem Siegeszug antrat. Der Konsolen-Markt brach zusammen und erholte sich eine lange Zeit nicht.
Vergessen sollten man an dieser Stelle aber auch nicht den Brückenschlag zwischen den Spielekonsolen und PC : Für eine kurze Zeit beherrschten Commodore mit dem C64 und Atari mit dem ST den Consumermarkt. Diese Kleincomputer waren die ersten erschwinglichen, programmierbaren Maschinen, die meistens jedoch zu einer einzigen Sachen benutzt wurden: zum Spielen.
Heute existiert neben dem PC-Spielemarkt auch wieder ein Konsolenmarkt. Sonys Playstation, Microsofts X-Box und Nintendos Game Cube buhlen um die Gunst des Käufers. Damit werden wir uns in einer Folge der Artikelserie beschäftigen.
Welche Wirkung können Spiele auf den Spieler haben?
Meiner 11-jährigen Tochter habe ich das folgendermaßen erklärt: „Wenn ich ein volles Glas Senf komplett auslöffle, dann besteht die hohe Wahrscheinlichkeit, dass mir dabei schlecht wird. Genau das passiert bei Computerspielen!“
Wer zuviel spielt, wird krank.
In Maßen ist der Umgang mit Computern und das Spielen auf ihnen der Entwicklung in vieler Hinsicht förderlich. Bei übermäßigem „Genuss“ kann es aber zu regelrechten Krankheitssymptomen kommen: Augenschäden, Haltungs- und Nervenschäden, Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen, Nervosität und Leistungsversagen und vielem mehr. Zudem weisen neue Untersuchungen darauf hin, dass Computerspiele regelrecht süchtig machen können. Eine im November 2005 in den USA aus Anlass der 35. Jahrestagung der„Society for Neuroscience“ vorgestellte, hirnpsychologische Studie bei 7000 Computerspielern stellt fest : „Zusammenfassend kann man sagen, dass die EEG- und EMG-Muster von exzessiven Computerspielern und Alkohol- oder Cannabissüchtigen vergleichbar sind. Das Belohnungssystem wird aktiviert und die positiven Erfahrungen in einem Suchtgedächtnis im Hirn gespeichert."
"Insgesamt 11,9 Prozent der Computerspieler zeigen ein süchtiges Spielverhalten", erklärt Dr. Sabine Grüsser von der Charite Berlin. "Wir fanden aber keinen Hinweis, dass exzessives Computerspielen besonders aggressiv macht."
Sucht zum Einen, Gewalt zum Anderen. Beides wird mit Computerspielen gern zusammengebracht. Viele weit verbreitete Spiele leben allein von der "virtuellen Gewalt". Spielziel ist die Eliminierung des Feindes. Ausgerüstet mit einer Palette von Waffen geht der Spieler auf die Jagd nach Gegnern. Die kontrovers diskutierte Frage ist: haben solche Spiele Auswirkungen auf die "reale Welt"? Können Kinder, die regelmäßig "virtuelle" Kriege führen, Realität und Simulation überhaupt noch unterscheiden? Es gibt eine Reihe von Theorien zu diesem Thema, das vor allem Eltern und Erzieher immer wieder beunruhigt.
In den nächsten Folgen wollen wir Ihnen den aktuellen Stand der Forschung vorstellen.
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Kommentare

ich spiele selbst am PC und meine Kinder auch, manchmal spielen wir zusammen.

Und alle Spiele, die ich kenne sind weder "harmlos" noch "gefährlich".

Die sind einfach gut!

Und sie machen weder "agressiv" noch "süchtig".

Sie machen uns froh und manche Spiele sind pädagogisch wertvoll. Unter anderen die sog. Lernspiele. Aber nicht nur diese.

Außerdem, unser Reaktionsvermögen wird dank PC-Spiele besser. Allerdings, es gibt dazu eine bestimmte Grenze der Verbesserung, die man nicht mit mehr spielen überschreiten kann.

Ich empfehle nicht länger als drei Monate, ein PC-Spiel zu spielen.