Mädchen haben die Jungen weltweit abgehängt

Mädchen haben die Jungen weltweit abgehängt
Weltweit zeigen neue Studien nicht nur, dass die Gehirne von Jungen und Mädchen in einigen Teilen differieren, sondern dass auch Lernstile, Reaktionsweisen und Kommunikationsarten unterschiedlich sind. Eine jungengerechte Förderung, die ihre derzeitigen Bildungsnachteile ausgleichen könnte und sie wieder mit den Mädchen aufschließen lässt, ist das Bildungs-Gebot der Stunde.
Eine internationale Studie der „University of Florida“ belegt mit aller Deutlichkeit, dass inzwischen die schulischen und iniversitären Leistungen der Mädchen weitaus besser sind als die der Jungen: Sie schneiden bei den Preisvergaben für schulische Leistungen besser ab, können besser lesen und schreiben, haben in Mathematik mit Jungen gleichgezogen und sie bei internationalen Vergleichen unter den 8 führenden Industrienationen in allen literarischen Fähigkeiten hinter sich gelassen.
Mary Ann Clark, „Professor of counselor education and principal investigator“, gibt als einen wichtigen Grund an: Unterschiede im männlichen und weiblichen Gehirn sind wissenschaftlich erwiesen, und verschiedene Lernstile und Arten der Kommunikation sprechen die Gehirne verschieden an. Es wird vermutet, dass die Schul-Curricula nicht auf die Jungen ausgerichtet sind, sondern mehr auf die Mädchen.
Auch die PISA-Ergebnisse haben für Deutschland ebenso wie für andere Länder gezeigt: In unserem Bildungswesen sind die Jungen stark benachteiligt, sie schneiden eklatant schlechter ab als die Mädchen. Die neuen Untersuchungen haben Focus, Geo, Spiegel und andere auf den Plan gerufen, über die Benachteiligung der Jungen zu schreiben und die Fakten für Deutschland aufzulisten:
Mehr als 55 % der Abiturienten sind inzwischen weiblich; Tendenz steigend. Die Haupt- und Sonderschulen werden zu fast 2/3 von Jungen besucht; ebenso groß ist der Anteil der Jungen an den Schulabbrechern und uneinholbar vorne liegen die Jungen mit jeweils um die 90 % bei Legasthenie, dem ADS (Zappel-Phillipp)-Syndrom, den verhaltensgestörten und jugendkriminell werdenden Schülern. Kurzum: je höher das Bildungsniveau, umso mehr nimmt die Zahl der Jungen ab.
Einfluss der feministischen Pädagogik
Diese Erkenntnisse müssten nicht neu sein, wäre nicht die Pädagogik der letzten 30 Jahre zunehmend in feministische Hand geraten. Der Blick auf diese Realität bleibt weiterhin bei jenen verstellt, die alles durch die Brille eines feministischen Dogmatismus sehen, der als „Gender-Main-streaming“ die Benachteiligung der Mädchen in unserer Gesellschaft laut beklagt. Finanziell geförderte Programme, wie „Mädchen in Männerberufe“, „Mädchenförderung in den Naturwissenschaften und neuen Technologien“, „Girls Day“ etc. sind die staatliche Reaktion auf diese starke Lobby. Das „political korrekte“ Bewusstsein in der Bevölkerung geht davon aus, dass das „schwache Geschlecht“ immer noch entscheidend benachteiligt wird.
Mit der jüngsten Initiative „Neue Wege für Jungs“ will das Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ein Pendant zum „Girls Day“ schaffen, indem Jungen aus ihren männlichen Rollen, vor allem mit Blick auf ihre Berufswahl, befreit werden sollen. Schulische Konsequenzen zeichnen sich bei diesem ministerialen Unternehmen bisher nicht ab.
Zu stark ist der Einfluss der „Gender-Philosophie“, die eine Ausrichtung der Erziehung und Bildung am Leitbild der Frau propagiert. Für Jungen gelten in der Schule durchweg weibliche Verhaltensmuster; auf ihre spezifischen Bedürfnisse wird nicht eingegangen: Ihrem vermehrten Bewegungsdrang wird nicht durch zusätzliche sportliche Betätigung Rechnung getragen; Wettkämpfe sind verpönt; ihrem größeren Interesse in den Sprachen an Sachtexten wird nicht nachgekommen; ihr Entdeckerdrang in den Naturwissenschaften nicht genügend gefördert. Dafür wird es als Erfolg gefeiert, wenn sich Jungen zu Kochkursen anmelden, zu Hause mit Puppen statt mit Autos spielen, sich für Hausarbeit begeistern.
Zwar kann man sich den Erkenntnissen der neueren Hirnforschung, dass Jungen und Mädchen von Natur aus verschieden sind, nicht ganz verschließen, aber man sperrt sich dagegen, daraus für die Bildung der Jungen Konsequenzen zu ziehen: nämlich ihren anderen Interessen, Fähigkeiten, Fertigkeiten und Vorlieben mit anderen Lernmethoden zu begegnen als jenen, die an dem Verhalten der Mädchen Maß nehmen. Eltern und Lehrer machen wider besseres Wissen oft dabei mit, weil ein mädchenhaftes Verhalten „pflegeleichter“ ist, als sich mit Kraft erprobenden Muskelmännern auseinandersetzen zu müssen.
Fehlende männliche Identifikationsfiguren
Auch in der Schule fehlen den Jungen vor allem in den Kinderjahren die männlichen Identifikationsfiguren für ihre eigene Persönlichkeitsentwicklung. In unserer Gesellschaft wachsen inzwischen ein Drittel der Jungen in „Restfamilien“ ohne Vater auf; in vielen weiteren Familien tritt der Vater nicht als Erzieher auf. In den Kindergärten begegnet der Junge wieder nur weiblichem Betreuungspersonal, was sich in der Grundschule nur unwesentlich ändert. Erst in den weiterführenden Schulen kommen in einem ausgeglicheneren Verhältnis Männer vor, allerdings wieder viel weniger in den Sprachen als in den naturwissenschaftlichen Fächern. So bleibt die Sprachvermittlung eine weibliche Domäne und die Jungen bleiben benachteiligt.
In der Analyse dieser Situation stimmen immer mehr Forscher und Praktiker überein; Konsequenzen daraus zu ziehen gehört zu den neuen Tabus unserer Gesellschaft. Es hat sich zwar gezeigt, dass nach Geschlechtern getrennter Unterricht in bestimmten Jahrgangsstufen, vor allem während der Pubertät, zu erheblich besseren Leistungen führt, sowohl für die Jungen in den Sprachen als auch für die Mädchen in den Naturwissenschaften. Aber die so genannte „reflexive Koedukation“, die diese Trennung befürwortet, nimmt wiederum nur die Mädchen und ihre Förderung in den Naturwissenschaften zum Ausgangspunkt solcher Überlegungen.
Schulische Geschlechtertrennung vorteilhaft
Eine australische Studie an mehr als 200.000 Schülern hat gezeigt, dass die Trennung nach Geschlechtern im Unterricht eine Leistungssteigerung von 15-20 % mit sich gebracht hat. In England sind die besten Schulen immer noch Jungen- bzw. Mädchenschulen. In den USA wird jetzt auch für die staatlichen Schulen ein Förderprogramm für Jungen- bzw. Mädchenschulen aufgelegt. In Deutschland wird das Angebot einer Jungenschule als Alternative zu den koedukativen Schulen als Tabubruch angesehen, als ein Rückschritt in eine überholte Vergangenheit, als Festschreibung überkommener Rollenmuster.
Jungenschulen sind nicht das Allheilmittel; aber es müssen Wege gefunden werden, den Jungen in der Grundschule mehr männliches Lehrpersonal zu bieten (auch durch eine bessere Bezahlung), die Pädagogik von ihrer Feminismus-Lastigkeit zu befreien, den Jungen in seiner Eigenständigkeit zu begreifen, in seinem Anderssein zu respektieren und zu fördern und ihn nicht an einem Mädchen-Ideal zu messen. Nur so wird man den Jungen gerecht werden können, ihre spezifischen Fähigkeiten fördern und dazu beitragen, dass sich unsere Gesellschaft es nicht weiter leistet, durch die Benachteiligung von Jungen in der Bildung wertvolle Ressourcen zu verspielen.
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