Kinderwünsche in Deutschland

Die am 28. Juni 2006 veröffentlichte wissenschaftliche Studie des Bundesinstitutes für Bevölkerungsforschung liefert genaue empirische Daten über die veränderte Einstellung der Deutschen zum Kinderwunsch und zur Familie. Die von der Robert-Bosch-Stiftung (Stuttgart) herausgegebene Studie beruht auf einer repräsentativen Erhebung unter 10.000 Menschen bzw. 5.500 Personen im Alter zwischen 20 und 49, die im Jahr 2005 zu ihrer Lebenssituation und zu ihrer Vorstellung von Familie und Ehe befragt wurden.
Insbesondere wurde erforscht, was (weitere) Kinder im Leben der befragten Personen verändern würden und welche Erwartungen diese an die Familienpolitik haben. So ergibt sich ein genaues Bild, warum in Deutschland so wenige Kinder geboren werden und der Trend zur Kinderlosigkeit eher weiter zu- als abnehmen wird. Gleichzeitig werden die familienpolitischen Maßnahmen aufgezeigt, die helfen könnten, diesen Trend umzukehren.
Einige Ergebnisse:
1. Deutschland liegt bei der durchschnittlichen gewünschten Kinderzahl im Vergleich zu anderen europäischen Ländern mit 1,59 (Männer) und 1,75 (Frauen) am unteren Ende der Skala. Ein deutlich höherer Kinderwunsch besteht in Polen, Finnland, Ungarn oder den Niederlanden).
2. Die Zahl der kinderlosen Frauen ist in Deutschland mit 22 % im europäischen Vergleich besonders hoch.
3. Die Anzahl der Geburten in Deutschland ist seit dem Jahr 1968 steil nach unten gegangen; in Ostdeutschland von 2,5 Geburten pro Frau auf 0,8 im Jahr 1993. Inzwischen stabilisiert sich die Geburtenzahl etwa bei 1,4 Geburten pro Frau.
4. Es herrscht die Meinung vor, dass die Lebensfreude in Deutschland durch Kinder kaum steigt.
5. Familien genießen kein besonderes Ansehen.
6. Immer mehr Menschen glauben, dass eine Frau oder ein Mann für ein erfülltes Leben nicht unbedingt eigene Kinder braucht.
7. Fast 2/3 der Eltern (63 %) sehen einen sicheren Arbeitsplatz als eine Art Grundbedingung für die Erfüllung des Kinderwunsches an.
8. Potentielle Eltern fürchten finanzielle Verschlechterung durch (weitere) Geburten von Kindern.
9. An Unterstützungsmaßnahmen erwarten 89 bzw. 90 % der 20-49jährigen bessere Teilzeitarbeitsmöglichkeiten und flexiblere Arbeitszeiten für berufstätige Eltern mit Kindern. Als weitere gewünschte Maßnahmen tauchen bessere Möglichkeiten zur Tagesbetreuung (87 %) und finanzielle Zuschüsse für Familien (85 %) auf.
10. Jeweils hohe Wertungen quer durch alle Bildungsschichten erhalten die familienpolitischen Maßnahmen „Geld“ (81-93 %), „Infrastruktur“ (70-82 %) und „Zeit“ (87-92 %). Die vieldiskutierten Kinderbetreuungseinrichtungen liegen hier erst an dritter Stelle der Wünsche.
11. Die Arbeit im Haushalt und die Berufstätigkeit werden (fast) als gleichwertig und befriedigend bezeichnet.
12. Als Konsequenzen für die Familienpolitik werden von den Autoren vorrangig genannt: Mehr Gleichberechtigung der Geschlechter, stärkere Unterstützung für unterschiedliche Lebensentwürfe und eine Flexibilisierung des Zeitmanagements für Familien. Unterschiedliche Zielgruppen von Eltern brauchen jeweils eine spezifische Mischung aus finanzieller Unterstützung, besseren Betreuungsmöglichkeiten und flexiblerer Zeiteinteilung.
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Die Studie können Sie sich hier downloaden
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