Rezension: Fluch der Karibik 2

 Fluch der Karibik 2
Wenn man in den Sommerferien schon nicht selbst in die Karibik fahren kann, so ist dies doch im kühlen Filmtheater möglich. Der Piraten-Erfolg mit Johnny Depp geht in die zweite Runde. Ob es dabei wieder so spannend zugeht oder die neue Folge vom Meerwasser verdünnt worden ist, erfahren Sie in unserer Rezension.
Filmische Qualität: 2 von 5 Punkten
Regie: Gore Verbinski
Darsteller: Johnny Depp, Orlando Bloom, Keira Knightley, Bill Nighy, Geoffrey Rush, Stellan Skarsgård, Jack Davenport
Land, Jahr: USA 2006
Laufzeit: 150 Minuten
Genre: Piratenfilme
Publikum: Jugendliche (FSK: ab 12 Jahren)
Einschränkungen: --

Rezension: JOSÉ GARCÍA - www.textezumfilm.de
Foto: © Buena Vista International

Zu den beständigen Trends im Hollywoodgeschäft gehört das Prinzip „aus einem erfolgreichen Film mach drei“. Zwar ist das Trilogie-Konzept keineswegs eine Erfindung des „New Hollywood“ – bereits „Die glorreichen Sieben“ („The Magnificent Seven“, John Sturges 1960) etwa zog die zwei Fortsetzungen „Die Rückkehr der glorreichen Sieben“ (Burt Kennedy, 1966) sowie „Die Rache der glorreichen Sieben“ (Paul Wendkos, 1969) nach sich. Die „Trilogien“ vervielfachten sich jedoch seit dem enormen Erfolg des „Krieg der Sterne“- (1977 – 1983) beziehungsweise „Indianer Jones“-Dreiklangs (1981 – 1989).
Weil Gore Verbinskis „Fluch der Karibik“ („Pirates of the Caribbean“, 2003) dem Disney-Konzern bei geschätzten Produktionskosten von 140 Millionen Dollar weltweit Einnahmen von mehr als 650 Millionen Dollar einbrachte, kann man es ihm kaum verdenken, dass „Fluch der Karibik“ gleich zu einer Trilogie ausgeweitet wurde. Finanziell scheint Produzent Jerry Bruckheimer Recht zu behalten: „Fluch der Karibik 2“ gelang in den Vereinigten Staaten der erfolgreichste Filmstart aller Zeiten. Zurzeit stellt er darüber hinaus im Herkunftsland weitere Kassenrekorde auf.
Der zweite Spielfilm um die Abenteuer von Captain Jack Sparrow (Johnny Depp), der unter dem umständlichen Titel „Pirates of the Caribbean – Fluch der Karibik 2“ diese Woche im deutschen Kino startet, steht in losem Zusammenhang mit dem ersten „Fluch der Karibik“-Film aus dem Jahre 2003. Ähnlich den „Indiana Jones“-Filmen handelt es sich bei der Handlung um keine Fortsetzung der Geschichte des ersten Filmes. Lediglich die Hauptfiguren Jack Sparrow, Will Turner (Orlando Bloom) und Elizabeth Swann (Keira Knightley) sowie einige Nebenfiguren kehren auf die Leinwand zurück, um „neue Abenteuer“ zu bestehen.
„Fluch der Karibik 2“ setzt mit der Verhaftung des Traumpaars Will Turner und Elizabeth Swann kurz vor ihrer Hochzeit ein. Der zwielichtige Lord Cutler Beckett (Tom Hollander) benutzt Elizabeth als Pfand, damit Will ihn zu Jack Sparrow führt. Denn Jack besitzt den Schlüssel zu einem Schatz von großem Wert. Den muss allerdings auch Jack selbst finden, will er den Bann brechen, der ihn in die Untiefen des Ozeans hinabzuziehen droht: Vor Jahren schloss Jack einen Vertrag mit dem legendären untoten Kapitän des „Fliegenden Holländers“ Davy Jones, der nun auf Vertragseinhaltung besteht. Gemäß diesem unseligen Vertrag soll Jack Sparrow als Crew-Mitglied des „Fliegenden Holländers“ auf ewig auf den Weltmeeren kreuzen.
Obwohl „Fluch der Karibik 2“ gelungene Action-Sequenzen bietet, allen voran den Kampf zu dritt auf und in einem rollenden Mühlrad, sind solche Höhepunkte in diesem zweiten „Karibik“-Film eher rar. Die Handlung wird nicht nur immer verworrener. Sie verliert sich darüber hinaus in Episoden, deren Existenzberechtigung allem Anschein nach darin besteht, Zitate aus „Indiana Jones“, „Krieg der Sterne“ oder anderen Filmen einbauen zu können.
Dies allein wäre nicht so schlimm. Denn auch die Handlung des ersten „Fluch der Karibik“-Filmes war lediglich als Vehikel für die Schauspielkunst von Johnny Depp konzipiert, der seinen Captain Jack Sparrow mit rumgetränktem Blick, torkelndem Gang und leicht tuntigen Manierismen verkörperte.
In „Fluch der Karibik 2“ wirken jedoch nicht nur die Slapstickeinlagen des schrägen Piratenkapitäns abgedroschen. Johnny Depps Auftritte werden außerdem von bis zum Exzess überladenen Bildern überdeckt in einem Film, in dem die Spezialeffekte überhand nehmen.
So wird Johnny Depp von der Besatzung des verfaulenden Schiffwracks „Fliegender Holländer“ zur Nebenfigur degradiert. Die Crew von Davy Jones besteht aus einer Art Kreuzung zwischen Mensch und Meeresfrüchten. Die schleimigen Tintenfischtentakel und sonstigen „fischigen“ Elemente, die Gesicht und Körper der Piraten verfremden, wirken wiederum zu überladen. Diese Maßlosigkeit der Figuren setzt sich in der von Hans Zimmer geschriebenen bombastischen Filmmusik fort, die den Zuschauer zu überwältigen sucht.
„Fluch der Karibik 3“ wurde unmittelbar an den zweiten Teil gedreht – eine Ankündigung folgt bereits nach dem Abspann von „Fluch der Karibik 2“. Voraussichtlicher Kinostart: Mai 2007.

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