WebSeiten: Bildungsportal NRW

 Bildungsportal NRW
Seit gut 5 Jahren unterhalten die Kultusministerien der deutschen Bundesländer eigene Webseiten, auf denen sie Informationen rund um das Thema Bildung zur Verfügung stellen. Damit wollen sie nicht nur Transparenz vermitteln, sondern sich auch als moderner Dienstleister präsentieren, der allen, die mit Schule und Ausbildung zu tun haben, wertvolle Angebote und Hinweise zur Verfügung stellt. Unter diesen „Bildungsservern“ soll der des bevölkerungsreichsten Landes der erste sein, den wir hier vorstellen.
URL: www.bildungsportal.nrw.de
Anbieter: Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen (MSW)
Zielgruppe: Lehrer, Schüler und Eltern
Seitentyp: Informationsportal
Besucherhäufigkeit: Monatlich mehr als 3 Millionen (Stand: 2004 - nach eigenen Angaben)
Aktualisierung: mehrmals wöchentlich
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Die Seite ist eingeschränkt zu empfehlen, herausragend ist der „Service“-Bereich
4 von 6 Punkten

„Was ist was?“ für Bürger
Der interessierte Bürger kann sich auf der Webseite des Ministeriums über alles informieren, was mit dem Thema „Schule“ zu tun hat. Darunter finden sich nicht nur umfangreiche und komplizierte Inhalte wie der Aufbau des Schulsystems im Land, das komplette Schulrecht, Hinweise zur „Qualitätssicherung“ des Unterrichts nach PISA; es gibt auch durchaus Alltagspraktisches und Nützliches wie die Termine der Nachprüfungen, Hinweise zu internationalen Schüleraustauschprogrammen, Fremdsprachenprüfungen etc. Die Eltern werden sich freuen, endlich darüber informiert zu werden, wie viele Klassenarbeiten pro Jahr geschrieben werden (müssen), warum schon in der Grundschule Englisch unterrichtet wird, usw. Sie finden sogar aufschlussreiche Anmerkungen zum Thema „Hausaufgaben“ (z.B.: „Welchen Umfang dürfen Hausaufgaben haben bzw. wie lange sollte die Bearbeitung dauern?“). Kurzum: es gibt nichts, was es auf den Seiten des Ministeriums nicht gibt. Vorausgesetzt, man findet sich im Dickicht der Informationen zurecht.
Übersichtlichkeit: noch ausreichend
Die Seiten des Ministeriums leiden ein wenig unter der Vielfalt der Informationen, was mehrfaches Drücken der Maustaste nötig macht. So bietet allein der Menupunkt „Schule“18 Unterpunkte, die sich dann teilweise noch weiter verästeln. Fazit: das Angebot ist vollständig und gründlich, aber unübersichtlich. Der durchschnittliche Geschichtslehrer oder die neugierige Mutter werden lange herumklicken müssen, wenn sie eine ganz bestimmte Information finden wollen. Wer sich hier also wirklich schlau machen will, braucht vor allem eines: Zeit.
Das Herzstück: der „Service“-Bereich
Ähnlich wie bei der Deutschen Bahn gibt es auch in der Politik keine Dienste mehr, sondern nur noch „services“. Der Service-Bereich des Bildungsservers NRW ist dann auch tatsächlich eine feine Sache. Eltern informieren sich schnell und zielsicher zu wichtigen Fragen wie Einschulung, Schulwechsel, Kosten für Klassenfahrten etc. Im Gegensatz zur gesamten Webseite stimmt hier auch die Übersichtlichkeit. Das Angebot geht sogar so weit, dass man sich mit etwas Geduld und Muße die passende Schule in der näheren Umgebung aussuchen kann. Rundum gelungen!
Wichtige Angebote für Schülerinnen und Schüler
Sehr gut gelungen ist zweifelsohne das Angebot für Schüler, die recht schnell zu den wichtigsten Bereichen des Schullebens Hinweise finden: Ferientermine, Abiturtermine, Erstellen einer eigenen Schul-Homepage, Drucken einer Schülerzeitung etc. Selbst der Programmhinweis des WDR-Schulfernsehens fehlt nicht. Die Frage ist nur, ob man an Termine und Tipps nicht einfacher und schneller über Google kommt. Das große „Plus“ des Bildungsservers ist aber sicherlich seine Zuverlässigkeit und die Auswahl der dort angeführten Webseiten.

Vorsicht: Ideologen

Etwas merkwürdig erscheint das Angebot für „Gleichstellungsbeauftragte“, die in der Navigationsleiste direkt nach Lehrern, Schülern und Eltern als offenbar viertwichtigstes Organ im Erziehungsprozess genannt werden. Hier findet sich Material für die „Gleichstellungspolitik“. Ideologische Grundlage dieser Politik ist das sogenannte „Gender Mainstreaming“, von dem zwar alle reden, ohne aber genau zu wissen, was es eigentlich ist. Ein aufschlussreicher Aufsatz zu diesem Thema erschien jüngst in einer renommierten deutschen Tageszeitung. (Link zum Artikel). Für interessierte Eltern, die gerne wissen wollen, mit was für Ideen ihre Kinder in den Schulen gefüttert werden, dürfte der zum Download angebotene „Reader“ zum Thema „Schule im Gender Mainstream“ überaus interessant sein. Immerhin handelt es sich dabei um die derzeit wohl einflussreichste Ideologie im Bereich Politik, Schule und Gesellschaft.
Bilanz
Der NRW Bildungsserver schneidet insgesamt recht gut ab, was Tiefe und Umfang der angebotenen Informationen angeht. Wer sich ganz allgemein und eher wenig zielorientiert im Bildungsbereich kundig machen will, kann hier problemlos mehrere Abende herumsurfen. Das gezielte Suchen nach relevanten Informationen kann sich unter Umständen als schwierig erweisen, da die Gesamtnavigation recht unübersichtlich ist. Die Suchfunktion kann nicht überzeugen, da sie in der Regel nur ungenaue und zu viele Treffer liefert. Lehrer und Eltern werden auf diesen Seiten viele wichtige Hinweise finden. Falls sich Schüler jemals dorthin verirren, werden sie nicht enttäuscht. Wer Interesse hat, Zeit mitbringt und sich nicht von der Fülle der Angebote abschrecken lässt, wird hier sicherlich finden, was er schon immer über den Bildungsbereich wissen wollte.

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Kommentare

Sie schreiben in Ihrem lesenswerten Artikel, dass die neugierige Mutter oft mit der Maus klicken muss, um an Informationen über die Schullaufbahn ihres Kindes zu kommen. Ich möchte - als Mutter - auch mal eine Lanze für die Väter brechen. Die sind nämlich nicht immer Rabenväter und auch neugierig, was die Entwicklung der Kleinen anlangt. Ist nicht bös gemeint - aber es gibt sie, die Väter.