Ferienjob: Lust oder Frust

 Lust oder Frust
In fast allen Bundesländern haben inzwischen die „großen“ Ferien begonnen. Wohl kaum jemand hat genügend Geld, um 6 Wochen zu verreisen und auch das kann sogar langweilig sein. Nicht wenige Schüler nutzen deshalb die lange schulfreie Zeit, um ihre persönliche Kasse etwas aufzubessern: sie suchen sich einen Ferienjob. Doch diese sind inzwischen deutlich rarer geworden und können unter Umständen auch zur Belastung für die ganze Familie werden. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales weist außerdem auf einige zu beachtende Informationen hin. Darüber hinaus gibt es noch andere Alternativen zur engagierten Feriengestaltung.
Welcher Schüler meint nicht, zu wenig Geld zur Verfügung zu haben, um sich zumindest einige der vielen Wünsche erfüllen zu können, die einem fast täglich durch Freunde oder Medien nahe gelegt werden: Markenkleidung, PC-Aufrüstung, Handy und immer wieder das neuste Modell... Auch Kurzreisen zu Freunden oder ein Star-Auftritt life sind nicht mit jedem Taschengeld vereinbar.
Da ist ein Ferienjob – und sei es auch zum Minimallohn – oft die willkommene Rettung: Regale einräumen, Erntehelfer auf der Obstplantage, Serviererin in der Eisdiele...
Weniger Angebote

Gemäß einer Umfrage von dpa von Juni 2005 ist das Angebot an solchen Jobs in den vergangenen Jahren in einigen Bundesländern jedoch um mehr als die Hälfte zurückgegangen. Da tut „Vitamin B“ gut: eventuell in Vaters Firma, bei einem Verwandten oder beim zufriedenen Jobgeber von letztem Jahr. Auch das Internet hat Ferienjob-Börsen, man muss sich schon mühen und alle Register ziehen.
Neue Erfahrung: die Arbeitswelt
Nicht selten sind die Arbeitszeiten auch für den Rest der Ferien bedürftigen Familie nicht gerade angenehm: ein Not gedrungener Frühaufsteher poltert im Bad oder der übernächtigte Aushilfskellner fordert von seinen Angehörigen Flüsterton und Samtpfoten zum ungestörten Ausschlafen bis mindestens zum Mittagessen.
Doch noch mehr als Geld steckt im Ferienjob: die Konfrontation mit der Arbeitswelt, die kein Hitzefrei oder Mamas Entschuldigung akzeptiert, sozusagen Ernst auf Zeit. Da sehnt sich manch einer bald wieder nach dem Pausen reichen Unterricht. Aber es stärkt auch das Selbstbewusstsein, sich einmal „Geld wert“ gebraucht zu erfahren, ein Glied in einer Kette von Verantwortung zu sein. Das selbst verdiente Geld wird überlegter ausgegeben als das Geschenkte. Das schätzen Eltern sehr, wie auch das anschließend oft größere Verständnis für die Last ihrer Arbeit zum Unterhalt der Familie.
Nur selten hat der Ferienjob mit dem eigenen späteren Beruf zu tun. Dann wird er allerdings als besonders anregend empfunden und kann erste Kontakte vermitteln für den späteren Start ins eigentliche Berufsleben.
Hilfreiche Hinweise vom Ministerium
Nicht unbeachtet dürfen die Hinweise des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales bleiben: es regelt über das Jugendarbeitsschutzgesetz die Arbeitsbedingungen der Kinder und Jugendlichen. Bis zum 15. Geburtstag ist man vor diesem Gesetz ein Kind und darf nur 2 Stunden täglich eine leichte Arbeit verrichten ( z.B. Babysitten, Hilfe in privaten Haushalten oder in der Landwirtschaft, Zeitung austragen nach 8.00 Uhr erlaubt die Kinderarbeitsschutzverordnung). Ab dem 15.Geburtstag darf man höchstens vier Wochen im Jahr acht Stunden täglich arbeiten, jedoch nie im Akkord oder unter Gesundheits schädlichen oder anderweitig gefährlichen Bedingungen. Die staatlichen Aufsichtsbehörden der einzelnen Länder sind befugt und angehalten, in Betrieben entsprechende Kontrollen durch zu führen. Kommt es trotzdem zu einem Arbeitsunfall, ist der Jugendliche automatisch über den Betrieb versichert, in dem er beschäftigt ist.
In den Familien sollte auch einmal überlegt werden, ob die Jugendlichen einen Teil ihrer langen Ferienzeit nicht auch im „Sozialeinsatz“ im eigenen Familien-und Bekanntenkreis sinnvoll und bereichernd verbringen könnten, wie zum Beispiel als Langzeitbabysitter bei einer kinderreichen Familie oder als Sommergärtner oder Wohnungsaufräumer bei der nicht mehr ganz so fitten Großmutter. Auch Sozialeinsätze im Ausland werden manchmal von Jugendorganisationen angeboten.
Ein Ferienjob – egal in welcher Form – hat fast garantiert einen Reifungsschub des Jugendlichen zur Folge, fördert und erfordert er doch fast immer eigene Initiative und persönliche Verantwortung.
--- Links ---
Bundesministerium für Arbeit und Soziales: Informationen zu Ferienjobs
Taxonomy upgrade extras: