Zum Schulbeginn: Neuer Umgang mit Hausaufgaben

 Neuer Umgang mit Hausaufgaben
Wenn die Schule wieder anfängt, beginnen in vielen Familien, wo sich die Eltern um die Hausaufgaben ihrer Kinder kümmern, wieder Diskussionen über das verschiedene „Verständnis“ von Zeit und Zeitausnutzung, die leicht den nachmittäglichen Hausfrieden stören können. Ist der Weg über Sekundärmotivationen wie Belohnungen (danach darfst Du spielen, fernsehen etc.) oder Strafen (sonst wird der Computer abgestellt...) wirklich der beste und der einzige? Müssen nicht Kinder lernen, ihre Zeit nach richtigen Kriterien und Überlegungen einzuteilen, damit sie die Zeit später als Jugendliche und Erwachsene im Griff haben?
Schule ist die erste Einübung für Kinder in den rechten Gebrauch ihrer Zeit, da sie hier oft erstmals mit Pflichten und Aufgaben konfrontiert werden. Kinder in Großfamilien sind meist im Vorteil, da sie schon durch kleine Aufgaben in der Familie erste Erfahrungen damit gemacht haben, dass bestimmte Aufgaben zu einer bestimmten Zeit erledigt werden müssen. In vielen Familien spielt sich am Nachmittag eine „kleine nervenaufreibende Tragödie“ ab, bis die Hausaufgaben erledigt sind. Nur wenige Kinder setzen sich von sich aus –nach einer angemessenen Mittagsruhepause- gleich an ihre Hausaufgaben, um sie schnellstmöglich zu erledigen und danach Freizeit zu haben.
Eltern, meist betrifft es die Mütter, sind daher froh, wenn sie Angebote bekommen, die ihnen diese lästige Beaufsichtigung abnehmen wie die Ganztagsschule oder Einrichtungen zur Hausaufgabenbetreuung. Aber auch Eltern selbst können etwas tun, um diese konfliktgeladenen Nachmittagsstunden zu entschärfen. Auf den Websites der Bildungsserver der einzelnen Bundesländer finden sie angegeben, wie viel Zeit für die Hausaufgaben in den einzelnen Jahrgangsstufen veranschlagt werden muss (vgl. Artikel: Webseiten: Bildungsportal NRW). Dieser Orientierungswert kann helfen, um das Verhalten der eigenen Kinder richtig einzuschätzen und helfend zur Seite zu stehen.
Es geht nicht darum, Kinder schon möglichst früh einem Managerstundenplan zu unterwerfen (was leider allzu oft passiert: Ballett, Sport, Musikunterricht, Geburtstagsfeiern... Die Mutter muss den Stundenplan im Kopf haben, da sie meist als „Fahrdienst“ fungiert.)
Es geht darum, dass schon junge Menschen ein Gefühl dafür entwickeln, dass „Zeit“ ein wertvolles Gut ist, mit dem man viel anfangen kann: ein Gefühl dafür zu bekommen, wie dieses „flüchtige Etwas“ in den Griff zu bekommen ist, wie man es beherrscht, damit man nicht davon beherrscht wird, oder die Zeit einem immer davonläuft.
Einige Ratschläge und Fragen können helfen, Kinder in der Grundschule und in den ersten Jahren auf einer weiterführenden Schule selbst erkennen zu lassen, wie sie mit der Zeit umgehen und wie sie erreichen können, mehr Zeit für das zu haben, was sie gerne machen möchten (und als Kinder auch machen sollen): spielen, sich mit Freunden treffen, Sport treiben etc.
Spielerisch können Eltern ihre 8-14Jährigen anhalten, einmal in einem Stundenplan eine Woche lang zu notieren, wieviel Zeit sie für folgende Tätigkeiten benötigen:
- Wie lange dauert es vom Entschluss, jetzt mit den Hausaufgaben zu beginnen, bis zum tatsächlichen Schreiben? (Auspacken der Bücher; Bereitlegen aller Hefte und Schreibmaterialien; Festlegen der Reihenfolge der Hausaufgaben)
- Wieviel Zeit nehmen die Pausen ein? (Während der Arbeit durch Beschäftigen mit anderen Dingen, wenn man nicht weiterkommt; zwischen den einzelnen Teilen der Hausaufgaben durch essen und trinken)
- Wie lange konntest du an einem Stück konzentriert arbeiten, ohne zwischendurch etwas anderes zu machen?
- Gab es ungewollte Unterbrechungen (Telefon, Besuche etc.), die dir Zeit weggenommen haben? (wie lange?)
- Wieviel Zeit hast du für die einzelnen Teile der Hausaufgaben veranschlagt und wie lange hast du tatsächlich gebraucht?
Solche oder ähnliche Fragen helfen, damit die Kinder selbst entdecken, wo die Zeit geblieben ist. Und meist werden sie dadurch schon in die Lage versetzt, selbst ihre Schlüsse daraus zu ziehen. Dieser Weg der Bildung ihrer „Selbsterkenntnis“ kann in vielen Fällen zu einem kindgemäßen verantwortlichen Umgang mit der Zeit beitragen und sogar Hilfsinstitutionen überflüssig machen.
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