Rezension: Das Mädchen aus dem Wasser

 Das Mädchen aus dem Wasser
Cleveland Heep entdeckt eine geheimnsivolle junge Frau namens Story, die in den Gängen unter einem Swimmingpool haust. Er findet heraus, dass sie eigentlich ein Fabelwesen, eine "Narf" ist. Sie wird von bösartigen Monstern verfolgt, die unbedingt verhindern wollen, dass ihr die gefährliche Reise aus unserer Welt zurück in ihr Reich gelingt. Gelingt es M. Night Shyamalan mit seinem neuen Film an den Erfolg von „The Sixth Sense“ anzuknüpfen?
Filmische Qualität: 3,5 von 5 Punkten
Regie: M. Night Shyamalan
Darsteller: Paul Giamatti, Bryce Dallas Howard, Jeffrey Wright, Bob Balaban, Freddy Rodriguez, Sarita Choudhury, Jared Harris, Bill Irwin, Noah Gray-Cabey
Land, Jahr: USA 2006
Laufzeit: 109 Minuten
Genre: Fantasy
Publikum: Jugendliche (FSK ab 12 Jahren), Erwachsene
Einschränkungen: --

Rezension: JOSÉ GARCÍA - www.textezumfilm.de
Foto: © Warner Bros.

Mit dem Psychothriller „The Sixth Sense“ (1999) gelang dem 1970 in Indien geborenen, aber in den Vereinigten Staaten aufgewachsenen M. Night Shyamalan ein großer Publikumserfolg. Drei Jahre später schuf der junge Regisseur in „Signs – Zeichen“ (2002) mit überraschenden Einstellungen und einfachen Mitteln in Hitchcock-Manier eine ungeheure Spannung. „Signs“ handelt jedoch nur oberflächlich von mysteriösen Zeichen. Eigentlich geht es um die Zeichen und Wunder, die einen vom Glauben abgefallenen Pfarrer wieder an die Vorsehung und an Gott glauben lassen.
In seiner bislang letzten Regiearbeit (2004) „The Village – Das Dorf“ erzeugte Shyamalan dank eines ausgezeichneten Produktionsdesigns und atmosphärisch dichter Bilder erneut Suspense in bester Thriller-Tradition. Auch „The Village“ besitzt eine zusätzliche, eher philosophisch-theologische Ebene, die sich freilich erst nach dem überraschenden Ende erschließt. Die Besinnung auf traditionelle Werte wirft die Frage nach der Flucht vor dem Bösen sowie nach einer Selbsterlösung durch Rückkehr in einen natürlichen Zustand auf.
Den Kenner der früheren Filme von M. Night Shyamalan mag der Vorspann seines neuen Spielfilmes „Das Mädchen aus dem Wasser“ („Lady in the Water“) allerdings irritieren: Zu einer Animation mit Strichmännchen, die aus einer vorgeschichtlichen Höhle stammen könnten, erzählt eine Off-Stimme den Mythos von der harmonischen Verbindung zwischen Menschen und „Narfs“ – nymphenartigen Wesen aus der „Blauen Welt“ –, die vor Urzeiten herrschte. Obwohl das Zusammenleben irgendwann einmal aufhörte, besuchen solche „Narfs“ hin und wieder die Menschenwelt.
Dieser Vorspann dient Regisseur Shyamalan als Folie, auf der er seine „Gutenachtgeschichte“, die er selbst seinen kleinen Töchtern erzählte, zu einem abendfüllenden Spielfilm ausbaut. Mit den Worten „Wisst ihr, dass jemand unter unserem Swimmingpool lebt?“ soll M. Night Shyamalan das Märchen angefangen haben. Und so nimmt auch im Spielfilm „Das Mädchen aus dem Wasser“ die Handlung ihren Anfang, als eines Nachts der Hausmeister aus einer Wohnsiedlung mit dem Namen „The Cave“, Cleveland Heep (Paul Giamatti), eine geheimnisvolle junge Frau mit extrem blassem Teint und wasserfarbenen Augen namens Story (Bryce Dallas Howard) aus dem Schwimmbecken herauskommen sieht.
Von einer „The Cave“- Bewohnerin erfährt Cleveland eine uralte Gutenachtgeschichte, die von nymphenartigen Wesen namens „Narfs“ handelt, die mit den Menschen in Kontakt zu treten versuchen, um ihnen den richtigen Weg zu weisen. Der Hausmeister will Story bei ihrer Aufgabe helfen, insbesondere weil sie von gefährlichen Bestien verfolgt wird. Denn diese wollen verhindern, dass Story die Reise aus unserer zurück in ihre Blaue Welt antritt. Mit ihren übernatürlichen Fähigkeiten kann Story das Schicksal von Clevelands Mitbewohnern voraussehen. Storys Schicksal ist wiederum unmittelbar von ihnen abhängig.
Zu der eingangs erwähnten, vom Vorspann hervorgerufenen Irritation tritt eine zweite hinzu: Obwohl es sich offensichtlich um ein Märchen handelt, inszeniert M. Night Shyamalan „Das Mädchen aus dem Wasser“ nach demselben visuellen Konzept seiner früheren Filme: lange Einstellungen mit ungewöhnlichen Blickwinkeln – häufig bewegt sich die Kamera auf ca. 1 Meter Höhe –, über die Leinwand huschende mysteriöse Vorgänge, urplötzliche Schocker.
Das schaurige Ambiente und die eingestreuten ironischen Momente, die zum klassischen Märchen ebenso kaum zu passen scheinen, richten sich wohl an erwachsene Zuschauer. Ob der Spagat gelingt, hängt freilich von der Bereitschaft des einzelnen Zuschauers ab, sich auf eine kindliche Handlung einzulassen, um hinter dem naiven Märchen zu dem Kern vorzustoßen, der hinter jedem Shyamalan-Film steckt: Dass jeder Mensch eine Bestimmung hat, dass hinter dem Leben ein höherer Sinn existiert.

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