Rezension: Cars

 Cars
Der neue PIXAR-Film "Cars" war in den USA Mitte Juli nicht nur dritterfolgreichster Film des Jahres, sondern auch erfolgreichster Computer-Animations-Film 2006 vor "Ice Age 2 - Jetzt taut's" und "Ab durch die Hecke". Wie der Titel schon sagt, geht es um Autos. Um zum besten Rennauto aller Zeiten aufzusteigen muss Lightning McQueen nur noch in einem einzigen Rennen siegen. Also macht er sich von der Ostküste der USA auf den Weg zu seinem letzten Rennen nach Kalifornien.
Filmische Qualität: 3,5 von 5 Punkten
Regie: John Lasseter
Darsteller: (dt. Stimmen) Daniel Brühl, Bettina Zimmermann, Rick Kavanian, Christian Tramitz, Oliver Kalkofe, Mario Barth, Nadja Tiller
Land, Jahr: USA 2005
Laufzeit: 116 Minuten
Genre: Animation
Publikum: alle
Einschränkungen: --

Rezension: JOSÉ GARCÍA - www.textezumfilm.de
Foto: © Buena Vista International

Seit einigen Jahren erfährt der Animationsfilm einen regelrechten Boom, zu dem wesentlich ein Filmstudio beigetragen hat: Die vom japanischen Ghibli-Studio inspirierte, inzwischen 20-jährige Animationsschmiede „Pixar“ definierte mit „Toy Story“ (1995), „Toy Story 2“ (1999), „Die Monster AG“ (2001), „Findet Nemo“ (2003) und „Die Unglaublichen“ (2003) den Animationsfilm neu.
Technische Perfektion – ausgezeichnet inszenierte Actionszenen dank einer stets dem neuesten Stand der Technik entsprechenden Animation, satte, fantastische Farben sowie ein unübertroffener Detailreichtum in der Zeichnung – verbindet sind mit bis in die Nebenfiguren fein ausgearbeiteten, mit menschlicher Tiefe ausgestatteten Charakteren voller Wortwitz, und vor allem mit einem Drehbuch, das mit größtem Anspruch sowohl Kinder als auch Erwachsene anspricht. Das Ergebnis dieser „Pixar“-Filme: eine mit durchgängigem Humor transportierte, durchweg positive Botschaft, Spielfilme in bester Familienfilme-Tradition.
Nach Spielzeugen, Monstern, Fischen und Menschen spielen nun Autos, und zwar ausschließlich Autos, die Hauptrollen im neuen Animationsfilm. Denn nicht nur die Teilnehmer am Autorennen, mit dem „Cars“ beginnt sind natürlich Autos, sondern auch die Mechaniker, die Zuschauer, einfach alle „Lebewesen“ – sogar die Fliegen (winzige VW-Käfer).
Rennwagen Lightning McQueen träumt davon, jüngster Champion des größten Rennens „Piston Cups“ zu werden. Beim spektakulären letzten Rennen der Saison kommt es jedoch zu einem Unentschieden. Deshalb soll es in Kalifornien zwischen Lightning McQueen, dem Altmeister The King, der seine letzte Saison fährt, und dem verbitterten Chick Hicks zu einem Entscheidungsrennen kommen.
Lightning macht sich sofort auf den Weg in den Westen. Doch unterwegs kommt er von der Autobahn herunter und landet in einem Wüstenkaff namens Radiator Springs, wo die Zeit stehengeblieben zu sein scheint.
Hier begegnet er ganz anderen Autos als den Rennwagen oder auch seinen Fans, mit denen er umzugehen gewohnt ist, etwa dem rostigen Abschleppwagen Hook. Zum Inventar von Radiator Springs gehören auch Sarge, ein 1942er Army Jeep, der jeden Morgen die amerikanische Flagge hisst, sehr zum Ärger des Hippies Bully, eines 1960er VW-Busses, oder die alte Oldtimer-Dame Lizzie und die vergessene Rennpistenlegende Doc Hudson. Allerdings lebt seit einiger Zeit in dem verschlafenen Nest ebenfalls die ehemalige Anwältin Sally, eine flotte Porsche-Dame. In der notgedrungen erlebten Auszeit besinnt sich der hochnäsige, egomane Städter auf die wichtigen Dinge des Lebens.
Diese zwar schöne, aber nicht besonders originelle Botschaft geht einher mit Charakteren, die sich im Unterschied etwa zu denen aus „Findet Nemo“ klischeebeladen ausnehmen: ein trotteliger, aber herzensguter Abschleppwagen, ein Hippie-Kleinbus, ein patriotischer Militärjeep, ein mit viel Lebensweisheit geschlagener, ehemaliger Rennwagen, eine ehemals erfolgreiche Anwältin, die in der friedlichen Natur ihren Frieden gefunden hat. Dazu kommen sehr amerikanische Elemente, die sich einem Nicht-Amerikaner nicht unbedingt erschließen. So liegt Radiator Springs an der ehrwürdigen Route 66, die allerdings durch den Bau der neuen Interstate 40 ins Abseits rückte.
Insgesamt überzeugt jedoch die Kritik John Lasseters am Materialismus sowie an der erfolgsorientierten und ruhmsüchtigen Gesellschaft. In dieser Hinsicht bleibt sich Pixar treu: „Cars“ transportiert Werte ohne erhobenen Zeigefinger.
Visuell stellt „Cars“ darüber hinaus erneut einen Meilenstein der Animation dar. Was Regisseur John Lasseter und sein Team an Ausdrucksmöglichkeiten aus so schwerfälligen Gegenständen wie Autos herausholen, ist einfach grandios. Als nicht minder bemerkenswert können sowohl die Detailgenauigkeit der Hintergründe als auch die realistisch anmutenden Landschaftsbilder bezeichnet werden.
Selbstverständlich kommt bei „Cars“ wie bei den anderen „Pixar“-Filmen der Humor nicht zu kurz. Diesmal haben sich die Animationskünstler einen besonderen Gag für den Abspann einfallen lassen: Was werden sich wohl Autos, die ins Autokino gehen, ansehen?

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