Serie: Charakterbildung durch die Eltern (Teil 2)

 Charakterbildung durch die Eltern (Teil 2)
Was sind die Prioritäten guter Eltern? Das ist das zentrale Thema des zweiten Teiles der Artikelserie über die Bildung des Charakters Ihrer Kinder. In der heutigen Zeit ist es für die Eltern nicht einfach, eine "Wichtigkeits-Hierarchie" zu entwickeln, geschweige denn durchzuhalten. Zu vielfältig sind die Anforderungen auf den verschiedensten Ebenen des täglichen Lebens. Im folgenden werden einige Anregungen gegeben, den Herausforderungen optimistisch zu begegnen.

Original: „Parenting for character“ von Andrew Mullins, erschienen bei www.mercatornet.com. Aus dem Englischen übersetzt von Simone Rüssel. Andrew Mullins ist Leiter des Redfield College, einer freien Jungenschule im Nordwesten von Sydney.

1. Ihr Ehepartner
Eine gute Ehe ist die Basis für gute Elternschaft. Wenn die Eheleute sich gegenseitig lieben, bereit sind, sich füreinander aufzuopfern und gut miteinander reden können, werden die Kinder ihre Tugenden aufnehmen. Aber, wie jedermann weiß, erfordert dies einen tägliches Bemühen.
Lernen Sie die Stärken Ihres Ehepartners lieben; bleiben Sie nicht bei seinen Fehlern hängen. Sagen Sie Ihren Kindern, dass sie einen guten Papa/eine gute Mama haben; unterstützen Sie die Entscheidungen Ihres Ehepartners. Ehepartner müssen wissen, wie sie zu Entscheidungen kommen, die sie beide mittragen können. Sie brauchen eine Kultur des Miteinander-Redens und des Austausches über unterschiedliche Meinungen zu Themen wie Privilegien, Strafen, Grundregeln, etc.
Es ist gut, einmal wöchentlich eine feste Zeit für ruhige Gespräche einzurichten, um zu hören, was der Andere zu sagen hat. Weder Bankkonto oder Schlafzimmer dürfen aus ruhigen Diskussionen ausgespart werden. Ehepaare sollten oft etwas zusammen unternehmen, um einen Grundstock an gemeinsamen schönen Erinnerungen zu schaffen, von denen sie bei all den unvermeidlichen Herausforderungen zehren können.
Es ist das beste, wenn Eltern nicht im Beisein ihrer Kinder streiten oder sich gegenseitig widersprechen. Sollte dies doch einmal vorkommen, ist es wichtig, sich in Anwesenheit der Kinder wieder zu versöhnen. Es gehört viel Übung dazu, um Verzeihung zu bitten; es kann Beziehungen retten. Erwachsene sollten lernen, die Ersten zu sein, die sich bei einer Auseinandersetzung entschuldigen.
Die gemeinsamen Bemühungen eines Paares, eine gute Ehe zu führen, zahlt sich aus. Statistiken belegen, dass Kinder, die in einem Haus aufwachsen, in dem es erhebliche und ständige Uneinigkeit zwischen den Eltern gibt (sowohl vor als auch nach einer Trennung), ein größeres Risiko laufen, psychische Probleme zu bekommen. Ebenso haben Kinder, die mit nur einem Elternteil aufwachsen, in jeder Weise Nachteile, sozioökonomische, emotionale und psychologische, schulische, etc.
2. Sie selbst
Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Es ist kaum möglich, von einem Kind Tugenden zu erwarten, die den Eltern selber fehlen. Deshalb ist es wichtig, einmal ehrlich nach der eigenen Motivation im Leben zu fragen; Erfolg, Ansehen, Komfort, Vergnügen, etc. oder etwas Höheres. Hüten Sie sich davor, nur Ihr eigenes Leben im Blick zu haben, den eigenen Zeitplan dem der Familie vorzuziehen, z.B. Arbeit vor Familienleben, gesellschaftliches Leben, bevor man jede Nacht Zeit für die Kinder investiert.
Lehren Sie durch Ihr Beispiel, dass liebevolle Großzügigkeit Glück im Leben bringt. Schaffen Sie um sich herum eine Atmosphäre des tiefen Friedens und der Ruhe. Leiten Sie ihre Kinder durch Ihr Beispiel. Zeigen Sie ihnen, dass das Engagement für Andere große Gelassenheit bringt. Was für ein Jammer, wenn Kinder nicht lernen, dass Großzügigkeit Freude mit sich bringt; es ist so viel schwerer es später zu lernen. Versuchen Sie dieses Defizit von Ihren Kindern fernzuhalten.
Insbesondere wenn Sie der Meinung sind, dass es für Ihre Kinder wichtig ist, religiöse Aufgaben ernst zu nehmen, stellen Sie sicher, dass sie es ebenso tun. Kinder lernen, Gott zu lieben, indem sie auf das Leben ihrer Eltern schauen.
3. Ihre Kinder
Kinder müssen sich geliebt fühlen. Aber es kann für einige Eltern schwer sein, dies ihren Kindern in überzeugender Weise zu zeigen, insbesondere für viel beschäftigte Geschäftsmänner. Viele Eltern schaffen es nicht zuzuhören, Gespräche mit kleinen Kindern ernst zu nehmen und ihnen ihre ganze Aufmerksamkeit zu schenken. Diese Probleme verstärken sich noch mit Teenagern. Auch sie brauchen bedingungslose Liebe und Ermutigung. Lassen Sie nicht zu, dass sich 90 % der Gespräche in negativen Themen erschöpfen.
In den heutigen Familien ist Zeit ein kostbarer Schatz. Aber um eine enge Beziehung zu Kindern aufzubauen, gibt es keine Alternative, als Zeit mit ihnen zu verbringen. Die Aussage, dass die Qualität der gemeinsam verbrachten Zeit wichtiger sei als die Quantität, ist ein Mythos. Es gibt nur eine Qualität für Zeit und das ist die Quantität der gemeinsamen Zeit. Erledigen Sie Aufgaben gemeinsam. Suchen Sie sich Hobbys und Sportarten, die sie gemeinsam mit ihren Kindern betreiben können und die beiden Seiten Freude machen. Machen Sie aus Ihrem Haus ein fröhliches Heim, sonst werden Ihre Kinder keine Freunde mit nach Hause bringen wollen. Sie werden dann aus dem sozialen Umfeld ihrer Kinder ausgeschlossen. Denken Sie daran, der übliche Gesichtsausdruck der Eltern spiegelt die Atmosphäre zu Hause wider.
Und behalten Sie im Auge, dass Sie Ihre Kinder großziehen, damit ihr Leben gut gelingt. Manche Eltern bestrafen Kinder, damit sie sich künftig gut verhalten oder um sie den Wünschen der Eltern gefügig zu machen. Zu oft verfeinden sich Eltern und Kinder in so einer Situation. Es ist immer besser, die Kinder ruhig zurechtzuweisen - ohne Emotionen. Wenn eine Strafe sein muss, sollte sie dem Kind helfen, Konsequenzen aus dem Fehlverhalten zu ziehen. Vergewissern Sie sich, dass das Kind lernt, dass es das wichtigste ist, den Schaden, den es anderen zugefügt hat, durch eine echte Entschuldigung wieder gut zu machen. Die Absicht hinter einer Bestrafung muss sein, das Kind etwas zu lehren, und nicht ein Exempel zu statuieren, oder ihm Angst zu machen, damit es das nächste Mal richtig handelt.
Im dritten Teil geht es um die Beschreibung dessen, was wir unter Charakter verstehen. Zudem geht es um einige wesentliche Grundtugenden.

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