SERIE Neue Internet-Plattformen: Videoportale

 Videoportale
In der Vergangenheit waren die Internet-User in der Regel passive Inhalts-Konsumenten. Das Internet macht zur Zeit einen gewaltigen Sprung. Ein Merkmal dabei ist, dass die User selbst Inhalte liefern und die entsprechenden Plattformen dazu von ideenreichen Firmengründern zur Verfügung gestellt werden. Sie erhoffen sich über die Beliebtheit ihrer Portale enorme Werbeeinnahmen. Vor allem für Jugendliche sind solche Websites von großem Interesse. Die Eltern sollten darüber Bescheid wissen. In unserer Serie über neue Internet-Plattformen beschäftigen wir uns heute mit Videoportalen.
Die Zuschauer machen das Programm selbst. Per Mausklick starten Musikclips, eine Kamerafahrt durch die Straßen von Berlin oder ein Kurzfilm mit einem Comic-Nilpferd beim Zähneputzen. Die neuen Internet-Plattformen mit Videosequenzen aller Art haben es vor allem auf junge Leute abgesehen. Entscheidend ist: man kann eigene Video-Spots (bei YouTube bis zu einer Größe von 100 MB) hochladen, kann vorhandene kommentieren, bewerten oder weiterleiten. Der Reiz: mit Glück und guten Ideen kann man schnell bekannt werden (zumindest auf der Plattform).
Die Inhalte reichen von Fernsehausschnitten über Bilder aus dem Urlaub bis zu selbst gedrehten Clips. Wie könnte es anders sein: zunehmend gibt es auch erotische Inhalte. Der von vielen Portalen behauptete Selbstreinigungsmechanismus funktioniert leider nicht so richtig. „Anstößige“ Videos können gemeldet werden. Dann werden sie – so die Theorie - entfernt. Es scheint aber eine sehr hohe Toleranzschwelle zu bestehen.
Allein das US-Portal YouTube, das als Vorreiter dieser Internet-Gemeinschaften gilt, zählt am Tag rund 100 Millionen Videoabrufe, Google ist ebenfalls dabei. Jetzt mischen auch deutsche Anbieter mit. Die Plattform myVideo aus Berlin registriert nach eigenen Angaben derzeit 200.000 Besucher pro Tag. Bis Jahresende sollen es 500.000 werden. Man darf nur hoffen, dass das Ziel nicht erreicht wird; denn das Niveau der Clips ist kaum zu unterbieten.
Auftrieb erhoffen sich die Anbieter von einer weiteren Verbreitung schneller Internet-Zugänge, ohne die bewegte Bilder oft kein rechtes Sehvergnügen sind. Bis zum Jahresende dürfte die Breitband-Gemeinde in Deutschland von 10,6 Millionen auf 14 Millionen Haushalte wachsen, erwartet der Branchenverband Bitkom. Eine Studie des Computerkonzerns IBM sagt bereits voraus, dass dies vor allem klassische TV-Angebote mit ihrer zentralen Programmplanung unter Druck setzen könnte: "Viele Zuschauer werden es vorziehen, sich ihre Inhalte nach Bedarf selbst zusammenzustellen."
Klar ist auf jeden Fall, dass sich die großen Fernsehstationen mit dem neuen Konkurrenten aus dem Internet auseinander setzen müssen. In den USA schloss der Sender NBC eine strategische Partnerschaft mit Youtube. Wachsende Internet-Konkurrenz spürt auch die deutsche TV-Branche. Die ARD würde daher gern mehr als einen minimalen Teil der Investitionsmittel für Online-Angebote verwenden dürfen. RTL geht bereits in die Offensive – und hat über seine Multimediasparte gerade das eigene Videoportal Clipfish gestartet.
"Zeitinvestition" und Neugier
Wenn man die beschriebenen Portale hinsichtlich der Persönlichkeitsentwicklung von Jugendlichen betrachtet, sollte folgendes bedacht werden: Auf der einen Seite ist es für die jungen Leute sicher interessant, beispielsweise selbst erstellte Video-Clips einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Andererseits verführen die Portale zu einem immensen Zeiteinsatz und können, weil die Neugier oft nur schwer zu kontrollieren ist, zu einer regelrechten Sucht werden. Man kann sagen, dass hier das „zappen“ in potenzierter Form möglich ist.
Immer mehr Clips enthalten Szenen mit offenkundig erotisierender Absicht, explizite sexuelle Szenen und obszöne Dialoge - nicht nur für Kinder und Jugendliche ungeeignet.
Wie immer raten wir, dass Sie sich mit den Kindern zusammen die Seiten anschauen und darüber sprechen. Und unser wichtigster Rat: Sie sollten Ihren Kindern keinen Internet-Zugang im eigenen Zimmer möglich machen. Auch wenn das heftigste Diskussionen zur Folge hat. Gerade bei den beschriebenen Seiten ist die Anziehungskraft sehr hoch. Die Kinder und Jugendlichen sind dem nicht gewachsen. Man kann beispielsweise im Wohnzimmer einen „HotSpot“ oder einen Internet-Zugang mit hoher Bandbreite einrichten. Achtung: bei WLAN ist die Kontrolle schwierig. Probieren Sie aus, ob es im Kinderzimmer ein Signal gibt.
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