Die Abwägung des Glücks

Die Abwägung des Glücks
An den Frauen wird gezerrt: in den Beruf sollen sie, die teure Ausbildung amortisieren und die Frauenquote in den Chefetagen kompetent ausfüllen und die Haushaltskasse aufbessern ... und natürlich Kinder kriegen - wer denn sonst – wenn möglich immer gleich Zwillinge, damit wir schneller im Alter sicherer abgesichert sind ... Am besten natürlich alles gleichzeitig.
Das muss doch gehen, denn der Staat hilft immer: von Kita und Ganztagsschule über Familiengeld und Bafög bis zur Minirente. Trotzdem: Man (Frau) kann nicht alles, auch wenn man (sie) tüchtig ist. Am falschen Platz ist man (Frau) auf Dauer nämlich unglücklich. Glück gibt Flügel und lässt besser arbeiten (wegen des besseren Überblicks, heißt: der positiveren Sicht). Und glücklich sein soll sie dürfen, nein, muss sie sein, die alles können müssende Frau: denn sonst kann sie ja gar nichts leisten; und erst recht nicht Kinder erziehen (wozu man auch noch Liebe braucht).
Was Frauen glücklich macht
Aber was will sie denn eigentlich selber, die gut aussehende, über Jahre bestens ausgebildete, vielseitig interessierte, in fester Partnerschaft befindliche Frau von heute im schon/noch gebärfähigen Alter?
Selbst (reichlich) Geld verdienen, Ansehen genießen wegen der eigenen Leistung, vor allem aber der Spaß an der Entwicklung der persönlichen Begabung im Zusammenspiel mit den vielfältigen Kräften der Gesellschaft macht (Frau) glücklich. Einen Menschen zur Welt bringen und ins Leben führen, macht (Frau) auch glücklich. Es bringt zwar weder Geld noch Ansehen ein, aber die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit und der Kontakt mit der Vielfalt der Welt können durch die wirkliche Begegnung mit dem eigenen Kind und dessen Begleitung in die Welt enorm gefördert werden.
Lange nicht jede berufliche Tätigkeit beinhaltet obengenannte Glückselemente. Es gibt Erledigungs- und Erfüllungsberufstätigkeiten. Erstere erfordern ein reibungsloses Funktionieren; das lässt die Persönlichkeit verkümmern. Letztere beanspruchen und fördern die ganze Person; das macht froh und stark auch für andere Aufgaben. Lange nicht jede(r) Frau ist fähig zur wirklichen Begegnung mit jedem einzelnen (seiner) ihrer Kinder. Die Sorge für die Familie degradiert dann zum langweiligen Erledigen: das Glück lässt sich dort nicht mehr finden. Frauen in „Erledigungsberufen“ ziehen meist eine reine Hausfrauentätigkeit vor, es sei denn, sie sind wenig beziehungsfähig oder finden auch zu Hause überhaupt keine Anerkennung. Steile Karriere macht man (Frau) fast immer nur auf Kosten von Beziehung. Das reicht aber auf Dauer nie zum Glück. Da „hilft“ dann auch kein Kind mit Vierzig.
Gibt es eine Glücksverschiebung bei der Frau?
Nicht erst seit Eva Hermans (47) spätem Bekenntnis zum Karriere-Irrtum ist das Thema auf dem Tisch. Die umgekehrte Richtung ist da viel populärer: die sich von der Last der Kindererziehung befreiende berufstätige Frau. Unzählige Frauen beschäftigt dieses Thema (in beide Richtungen), oft ohne je zu einer befriedigenden Lösung zu kommen, vor allem, weil es die Lebensumstände oder die Gesellschaft nicht zu erlauben scheinen oder weil mit dem eigenen Mann oder Chef nicht darüber zu reden ist...
Ein Kind macht aus einem Paar eine Familie. Ein zweites Kind eine „richtige“ Familie und ab dem Dritten handelt es sich schon (fast) um eine Großfamilie.. Es ist durch Studien nachgewiesen, dass die Entscheidung für das erste Kind eher von der Frau ausgeht als vom Mann, die für das zweite sogar in 80% der Fälle. Hauptgrund für die Entscheidung der Frau gegen ein Kind ist die Notwendigkeit oder Chance einer Berufstätigkeit. Hauptgrund für die Entscheidung einer Frau gegen Berufstätigkeit (trotz Stellenangebot) ist ein (zweites) Kind.
Es ist einfach so: es gibt Frauen, die sehr leiden, weil sie wegen ihrer kleinen Kinder nicht (mehr) berufstätig sein können, vor allem nicht mit Aussicht auf Karriere. Windeln, Kinderstreit, volle Spülmaschinen und Termintransporte rufen bei ihnen Erstickungsgefühle hervor. Es gibt andere Frauen, die sehr leiden, weil sie wegen ihrer Berufstätigkeit nicht ihren Kindern in all ihren nicht (weg)planbaren Nöten beistehen können oder die Liebe ihrer Kinder mit der Kinderfrau teilen müssen. Ihre Verzweiflung lässt sie gelegentlich Chefs und Kollegen für herzlose Ignoranten des Lebens ansehen (womit sie nicht immer im Unrecht sind). Beide mögen übrigens Bankkonten weit im grünen Bereich; die einen mehr zur Stärkung ihrer Unabhängigkeitsgefühle, die anderen zur Beruhigung.
Jeder ist seines Glückes Schmied.
Wo findet man (Frau) die Schmiede zum Alltagsglück?
In Westdeutschland werden über 30% der Vorschulkinder von Verwandten, überwiegend den Großeltern betreut. Das sind mildernde Umstände; da bleibt die Liebe sozusagen in der Familie. Es gibt (hoffentlich) zunehmend Stellen mit flexiblen Arbeitszeiten (natürlich nicht in Kleinbetrieben oder auf Chefetagen), das kann helfen. Je mehr man (Frau) seinen Kollegen von den Kindern erzählt, desto größer ist in der Regel deren Verständnis für eventuell Team belastendes Verhalten zu Gunsten der Kinder (Telefonate, kürzere oder weniger intensiv genutzte Arbeitszeit, Ferienplanung). Auf der Treppe zur Chefetage bleibt man (Frau) so allerdings kurz oberhalb von Parterre lebenslang sitzen.
Die aktuell um sich greifende Erhöhung der Wochenarbeitszeit ist nicht gerade familienfreundlich. Nie hört man jemanden jammern, dass er in der Kindheit eine Mutter hatte, die ihm überwiegend zur Verfügung stand. Wohl, dass jemand eine stets unzufriedene oder abgehetzte Mutter hatte. Das hinterlässt bei beiden traurige Spuren: den Versagensfrust bei der Mutter und die emotionale Mangelernährung beim Kind. Nicht die zeitweise abwesende, sondern die unzufriedene Mutter setzt das Trauma in die Kinderseele.
Alle Bereiche der Gesellschaft brauchen die weibliche Vorgehensweise; (kleine) Kinder am allermeisten; direkt danach kommen Ehemänner. Wenn Vater nicht nach Hause kommt, wird sein Essen kalt; da hilft die Mikro. Wenn Mutter kaum zu Hause ist, wird die Liebe kalt; da hilft keine Kinderfrau oder gar Kita (es sei denn, sie liebt. Das kann die teure Kinderfrau eher als die staatlich empfohlene Kita). Wenn fast alle jungen Frauen sich aus der Berufswelt zurückziehen, verarmt die Gesellschaft. Die Begeisterung der Frau für ihren Beruf macht sie nicht zwangsläufig zur Rabenmutter.
Es geht ums frohe Herz
Viele Beruf begeisterte Frauen entdecken in sich zur gegebenen Zeit die Priorität der Familie. Damit verabschieden sie sich von allem Karrierestreben, denn Karriere ohne Leistungsdruck und Überstunden gibt es nicht. Man kann aber frohen Herzens etwas Kostbares hintan stellen, wenn man etwas noch Kostbareres entdeckt. Andere Frauen haben bereits primär gar keine Karriereträume, wohl aber Freude an ihrem Beruf, den sie gerne zumindest stundenweise ausüben würden. Hierauf könnte die Arbeitswelt sich noch besser einstellen. Der Austausch über andere Themen als Kinder, Haushalt und Schule bereichert. Er bringt die Welt nach Hause, auch zu den Kindern und löst die Verbissenheit im häuslichen Kleinkram.
Die gute Selbstverwirklichung
Selbstverwirklichung ist wichtig; es gibt sie aber nicht nur im Beruf, manchmal sogar gerade dort am wenigsten. Vor der Selbstverwirklichung kommt die Selbsterkenntnis. Jede Frau sollte ehrlich feststellen dürfen, bei welcher Lebensform sie wirklich ganz sie selbst ist. Bleibt eine echte Karrierefrau wegen der Kinder zu Hause, sind oft alle unglücklich. Es ist dann besser, die erste Zuneigung der Kinder an eine andere konstante Bezugsperson abzutreten (im Idealfall der Vater), als die Mutter bezogenen Bedürfnisse vor allem der Kleinkinder immer wieder durch die eigene Unzufriedenheit oder Abwesenheit abzublocken. Den Kindern sollte man nahe bringen, stolz auf ihre tüchtige Mutter zu sein und ihre Art der Liebe zum Kind zu akzeptieren.
Frauen sind und bleiben – zum Glück – verschieden. Wegen ihrer Nähe zum Kind beeinflusst ihre Lebenszufriedenheit wesentlich die Entwicklung der Gesellschaft. Politische Entscheidungen, die die Freiheit der Lebensentscheidungen von Frauen bezüglich Beruf und Familie ausgewogen fördern, wären zu begrüßen. Mindestens ebenso wichtig ist der rechtzeitige und offene Austausch eines Paares über gleiche oder divergierende Vorstellungen von der Rolle der Frau im Laufe der Entwicklung einer zu gründenden Familie. Offenheit und Bereitschaft zur Neubesinnung in Abhängigkeit von nicht vorhersehbaren Ereignissen sowie der weiteren Persönlichkeitsentwicklung aller Familienmitglieder gehören ebenfalls zu den Faktoren, die einer Familie zum Glück verhelfen.
Taxonomy upgrade extras: