Mutter als Beruf, ein Plädoyer

Mutter als Beruf, ein Plädoyer
„Manche Tage sind so vollgestopft, dass sich die Arbeit bis weit in den Abend hineinschiebt. Job, Kinder, Haushalt, das ist einfach viel zu viel! Ich werde keiner Sache mehr gerecht.“ Immer wieder hören wir diese Äußerung von überlasteten Frauen, die Familie und Beruf vereinbaren wollen.
Stress in Beruf und Familie
„Der Mann soll super im Job sein, gleichzeitig soll er um fünf nach Hause kommen und dann mit den Kindern das Abendbrot essen, das er vorher selbst zubereitet hat.“ Er fühle sich diesem Konflikt oft nicht gewachsen: „ Druck im Beruf, Druck zu Hause in der Familie. Die Frau von heute, wolle einen Mann, der so funktioniert wie ein Wende-Anorak: guter Job, gutes Geld, zugleich aber auch voller Einsatz zu Hause.“ So berichtet ein 44-jähriger Journalist seine Erfahrungen mit dem Gleichheitsprinzip in der Ehe. Er wolle eine harmonisch funktionierende Familie und er berichtete weiter: „Genau das wollen die meisten Männer.“ Ein Fazit dieser oft unerträglichen Überbelastung von Mann und Frau ist die hohe Scheidungsrate. Wer sind die Leidtragenden? Mütter, Väter und vor allem die Kinder, die doch Schatz und Zukunft der Gesellschaft sind!
Wo bleibt die „Nestwärme“?
Aus jeder Zeitung können wir heute erfahren, dass dem jugendlichen Straftäter X. die so genannte „Nestwärme“ gefehlt hat. Was haben sie denn entbehren müssen? Luxus zu Hause? Nein, was jedes Kind zu seiner Entwicklung braucht wie das tägliche Brot, ist nicht der Komfort, sondern schlicht und einfach die Zuwendung durch die Mutter. Warum ist es so schwierig, bei der hohen Zahl der (seelisch) Verwahrlosten, der Verhaltensgestörten (fragen Sie die Lehrer in der Schule!) zu erkennen, dass wir den Beruf der Mutter dringendst brauchen? Ja, wir müssen genügend Zeit haben für die Kinder, um sie auf das künftige Leben vorzubereiten, ihnen Hilfen geben, damit sie einen guten Start ins Leben haben und sie gewappnet sind für Schwierigkeiten, die auf sie zukommen, auf eine Welt, in der sie sich zurechtfinden müssen. Das sind überaus wichtige Aufgaben einer Mutter. Für mehr Verdienst, besseren Lebensstandard, sehr oft zu Lasten der eigenen Gesundheit und insbesondere der seelischen Gesundheit unserer Kinder, zahlt man einen zu hohen Preis. Ich frage Sie: Welchen Wert haben Kinder noch in unserer Gesellschaft? Hängt nicht von ihnen unsere gemeinsame Zukunft ab? Man leistet sich ein Kind so wie eine Sache so nebenbei, man gibt es ab, man holt es ab, man ist erschöpft. Muss das sein?
Familie oder Kita?
Die Fremdbetreuung in Kitas, Horten und Ganztagsschulen kann die individuelle Erziehungsarbeit einer Mutter, die Vorbereitung auf das Leben, nur bedingt ersetzen. Selbstverständlich ist sie unausweichlich notwendig für Notfälle, für Extremfälle, aber nicht flächendeckend für alle. Entscheidend ist natürlich die Einstellung der Frau und des Partners zu Kindern: der freundliche, der positive Erziehungsstil einer Mutter, d.h. natürlich auch des Vaters. Lob, Belohnung, Anerkennung und Güte, aber auch der Sinn für das richtige Maß gehören dazu. Die Mutter muss ihren Beruf als Mutter gern ausüben! Es ist eine Freude, durch aufmerksames Beobachten der Kinder Begabungen zu entdecken, neue Interessen zu wecken und mit den Kindern möglichst viel zu kommunizieren. Die Mutter kann durch ihren vollberuflichen Einsatz in der Familie gewährleisten, dass die Kinder nicht zuviel sich selbst überlassen sind. Sie sorgt dafür, den Kindern den nötigen Freiraum bei ihren Entwicklungsschritten in körperlicher und seelischer Hinsicht zu geben, ihnen eine behütete Freiheit zu schenken. Diese Freiheit schützt die Mutter zugleich davor, sich in überzogener Fürsorge für die Kinder „aufzuopfern“ und dabei ihr Eigenleben, ihre Persönlichkeit, ihre Kreativität aufzugeben.
Mutter, ein schöner Beruf
Ja, es ist ein schöner Beruf, der Beruf der Mutter. Sie ist freiberuflich tätig, ist ihr eigener Chef. Ich höre auf die Erfordernisse der Situation. Sensibilität, Einfühlungsvermögen, Empathie, bevorzugte Eigenschaften der Frau, helfen uns intuitiv, das Richtige im richtigen Moment zu erkennen und zu tun. So werden die Kinder ins reale Leben einbezogen, ohne sie zu überfordern. Sie lernen in angemessener Weise Verantwortung zu übernehmen. Dazu gehört insbesondere auch die nicht ganz leichte, aber wichtige Aufgabe, ihnen eine überzeugende Sexualethik zu vermitteln, die getragen ist von einer Verantwortung für das eigene Leben und das Leben der anderen. Ich spreche mit ihnen über die Frage nach Gott, die Frage des Woher, Wozu, Warum, kurz: die Frage nach dem Sinn des Lebens. Liebesfähigkeit und Herzenswärme spielen bei all dem eine entscheidende Rolle. Wie schön ist es, welche Freude macht es, mit den Kindern gemeinsam ein Fest vorzubereiten. Es ist unglaublich, welche Ideen, welche Kreativität Kinder hierbei entwickeln. Frage: Haben wir für solche Dinge heute noch Zeit?
Die Kinder müssen in jedem Augenblick erfahren können, dass ihre Mutter sie liebt und versteht, das heißt, eine Mutter trägt nicht nach, sie hält Wort, ist nicht unfehlbar und fordert auch nicht von ihren Kindern, sie als die wichtigste Person zu verehren.
Die Vielfältigkeit dieser Aufgaben einer Mutter sind allerdings nur zu erfüllen, wenn sie ausreichend Zeit hat und sich nicht ständig unter Erwerbsdruck fühlt. Dass sich dieser Einsatz zweifelsohne lohnt, beweisen z. B. auch Schulergebnisse von Kindern, die in einem ausgeglichen Familienklima zu Hause sind.
Notwendige Rahmenbedingungen
Um dies zu ermöglichen, brauchen die Familien unbedingt die stärkere Unterstützung des Staates, d.h. die Anerkennung der Rolle der Mutter als Beruf, als Erwerbstätigkeit. (Gewährleistung eines Rentenanspruchs für die Mutter oder Steuerentlastung des alleinverdienenden Vaters, steuerbegünstigte Haushaltshilfe o.ä.)
Wir wollen nicht „die Lufthoheit“ des Staates „über die Kinderbetten“, die Olaf Scholz einst forderte. Die Familie darf nicht zu einer ökonomisch oder politisch funktionalisierten Größe werden. Es muss unbedingt eine familienorientierte Politik, eine sog. Querschnittspolitik, geschaffen werden, die den Müttern die Entscheidungsfreiheit lässt, ihr Kind selbst zu erziehen. Deshalb muss auch das jetzt genehmigte Erziehungsgeld allen Müttern zustehen, nicht nur den erwerbstätigen Müttern. Bedenken wir, welchen Beitrag die Familie für die sozialen Sicherungssysteme unserer Gesellschaft leistet, an denen sie kaum profitiert. Es ist nicht gerecht, den Nutzen der Familienarbeit zu sozialisieren, die Kosten aber zu privatisieren, d.h. sie den Familien zu überlassen. Es kann nicht sein, dass von Kindern profitiert, wer keine Kinder hat. Leistungsgerechtigkeit und Beteiligungsgerechtigkeit sind die Losungsworte.
Das augenblickliche Leitbild der Politik, die Doppelverdiener-Familie, forciert durch die Wirtschaftsunternehmen einerseits, aber auch durch „starke Frauen“, Feministinnen, lassen uns leider viel zu spät erkennen, dass es kalt und lieblos in unserer Gesellschaft geworden ist. Haben wir jetzt den Mut für eine ehrliche Bestandsaufnahme und eine Wende in der Familienpolitik!
Jeder weiß: So viel Liebe das Kind in der Familie erfährt, so viel Liebe gibt es später an seine eigene Familie und Umgebung zurück.
Nach der letzten Shell-Studie haben sich 72% der Jugendlichen für Familie ausgesprochen. Aber es fehlen die Rahmenbedingungen zur Gründung einer Familie. Wenn es heißt: Familie ist da, wo Kinder sind, muss man es jetzt, heute, leider anders formulieren: Familie ist da, wo keine Kinder sind, nämlich sie müssen alle in Kita und Hort, weil Vater und Mutter für das nötige Geld sorgen müssen.
Fazit
Eine Mutter, die sich in liebevoller Verantwortung für ihre Kinder einsetzt, kann davon ausgehen, dass ihre Arbeit belohnt wird durch seelisch gesunde, suchtfreie, stabile Menschen, die Freude am Lernen und Leben haben und die Fähigkeit erworben haben, sich sozial zu binden und Aufgaben in der Gesellschaft zu übernehmen.
Auch die Politik muss erkennen, dass die Leistungen der Familienarbeit und des Berufs der Mutter anerkannt und in gerechter Weise prämiert werden müssen.
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Kommentare

Interessanterweise haben Straffällige - entgegen Ihren Hinweisen - meist eine stabile Beziehung zu ihrer Mutter, aber nicht zum Vater. Zum Beispiel werden Jungen aus türkischen Familien in Deutschland, deren Mütter überwiegend das Haus fast gar nicht verlassen, drei mal so häufig straffällig (vgl. nur Necla Kelek, Die verlorenen Söhne, Köln 2006).

Díe Anerkennung der Erziehungsleistung etwa für die Rente ist natürlich wünschenswert. Aber Mutter- und Vater(!)sein ist keine Erwerbstätigkeit, sondern etwas, was zum Leben, zum Erwachsensein, grundsätzlich dazugehört - von Ausnahmen natürlich abgesehen - und zwar unabhängig davon, wie die beruflichen Entscheidungen aussehen, wobei sicher beide mehr Zeit für die Familie brauchen.