Serie: Heimat Adieu (Teil 3)

 Heimat Adieu (Teil 3)
In den ersten drei Wochen Schule, für die ich auch arbeiten muss, habe ich gelernt um 6.30 Uhr aufzustehen, da ich um 7.15 mit den beiden ältesten Jungs meiner ”hostfamily” (eigentlich ist es schon eine zweite Familie), aus dem Haus muss, um den Bus zur Schule zu nehmen. Die Schule beginnt hier um 8.30 und endet um 15.15, was heißt, dass ich so gegen 16.30 wieder zu Hause bin und dann erst mal ne Stunde brauche, um wieder einigermaßen fit zu sein!
Danach schließt sich dann ein eher ruhiger Teil des Tages an, der aus Joggen, Musik hören und einfach nur ausruhen besteht. Nach dem Dinner werden die works für die Schule gemacht. Und dann gegen 22.00-22.30 ist der Tag hier in Sydney beendet! Tagsüber haben wir hier trotz Winter 20°C bis 25°C, was ja noch eher angenehm ist im Vergleich zu den Sommertemperaturen.
Es ist hier eine ganz andere Lebensart! Anders, aber ich ziehe sie der deutschen vor! Sie ist ruhiger, angenehmer und vor allem nicht von soviel Stress geprägt!
Um eine rechte Vorstellung von dem riesigen Land zu haben, möchte ich von meinen großartigen Erfahrungen in Australien berichten, die ich auf einem großen Ausflug gemacht habe. An einem Samstag früh morgens sind wir von meiner Schule aufgebrochen aus Sydney heraus in Richtung Nord-West, 1000 km Autofahrt in zwei Bussen und einem PKW. Der Anlass war, in eine „Town“ zu fahren, in der heute noch so an die 600 Leute leben, von denen 570 Aboriginals sind, und dort vor Ort die Kirche in Stand zu setzen und weitere Gebäude der Leute, die versuchen den Aboriginals zu helfen! Wir waren bis oben hin mit Baumaterialen beladen.
Nach einem Zwischenstopp in Nyngan kamen wir schließlich in Wilcannia, unserem Endziel, an. Unterwegs hatten wir nur noch alle 250 Km ein paar Häuser einer Siedlung gesehen, an Autos nur noch ab und zu einen Truck, ungefähr doppelt so groß wie die deutschen LKWs, die bei uns auf der Autobahn fahren. Alles ist eben üppiger und weiter und halt auch größer! Und dann die vielen überfahrenen Kängurus!
Wir wussten, dass in Wilcannia ein harter Job auf uns zukam, in einer Stadt, in der es nicht regnet und die Durchschnittstemperatur bei 35° liegt, und deren Bewohner nicht eben die freundlichsten sein sollten, was wir aber im Nachhinein nicht bestätigen konnten und eigentlich nur das Gegenteil erlebt haben!
Ich merkte bald, was es heißt, in Australien im „Outback“ zu leben. Eigentlich hasse ich Zahlen, aber um zu verdeutlichen, wie groß Australien ist: 90% praktisch unbewohnt, eigentlich ein Nichts mit ein paar Büschen und Tieren und ganz viel rotem Sand und Staub. In diesen 90% leben 10% der australischen Einwohner, so rund 2 Millionen. Alle anderen 18 Millionen leben in den anderen 10 % Landmasse entlang den Küsten.
In Wilcannia, früher ein Ort von 30.000 Einwohnern, jetzt ein kleiner Ort ohne Zukunft und ohne Arbeit für die Aboriginals, waren wir in einer Missionsschule untergebracht. Wir hatten zwei Klassenräume zur Verfügung und eine Küche. Am ersten Arbeitstag sahen wir schon, wie einsturzgefährdet die Häuser sind! Wir arbeiteten an drei verschieden Häusern und an der Kirche. Wir ersetzten kaputte Glasfenster, strichen die Sakristei und bauten rund um die Kirche herum Bänke. An den anderen „Worksides“ waren es hauptsächlich grundlegende Renovierungsarbeiten, wie Badezimmer instand setzen, den 2 Meter hohen Metallzaun, den man an jedem Haus finden kann, wieder herzurichten, Kamine wieder aufzubauen. Wir hatten nur einen „Ruhetag“, an dem wir auf eine Farm von 110.000 Hektar Land mit einem eigenen Flugplatz fuhren. Die Farm hat 12.000 Schafe, die auf 10.000 Hektar Land weiden. Von diesen mussten wir 750 Schafe auf einen der bekannten „Road-Trains“ laden! Und da Schafe nicht gerade die intelligentesten Tiere sind und es nicht alles so einfach verläuft, mussten wir in etwa jedes einzelne Schaf auf den „Truck“ tragen bzw. zerren. Wir stanken alle am Abend nach Schaf und waren total in rotem Staub eingehüllt. Aber es war auch wieder eine super Erfahrung!
Insgesamt muss ich sagen, dass diese ganze Woche sehr erfolgreich war und wir wirklich helfen konnten, was aber wahrscheinlich letztendlich nicht wirklich viel an der gesamten Situation des „Towns“ ändern wird!
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