Vaterschaft bedeutet, seine Versprechen zu halten

Vaterschaft bedeutet, seine Versprechen zu halten
Es gibt heutzutage eine endlose Reihe von Ratgebern, wie man ein guter Vater wird, aber Stephen Gabriel, Wirtschaftswissenschaftler aus Washington und Vater von acht Kindern, scheint das richtige Rezept gefunden zu haben. In einem Interview spricht er über sein Buch ,“To be A Father“ (bisher leider noch nicht auf Deutsch erhältlich), das bereits in zweiter Auflage erschienen ist, und über das, was er in 31 Jahren an persönlichen Erfahrungen als bemühter Vater machen konnte.

Original: "Fatherhood means promises to keep"; ein Interview auf Mercatornet von Carolyn Moynihan mit Dr. Stephen Gabriel. Aus dem Englischen übersetzt von Simone Rüssel.

MercatorNet: Ihr Buch, eine dünne Taschenbuchausgabe mit kurzen Versprechen, das in einem durch gelesen werden kann, hat mich sehr interessiert. Was hat sie veranlasst, dieses Format zu wählen?
Stephen Gabriel: Ich denke, es ist sehr schwierig Männer dazu zu bewegen, ein dickes Buch über Vaterschaft zu lesen. „To be A Father“ soll kurz, präzise und konkret sein. Das kann ein Vater schnell aufnehmen. In wenigen Minuten erhält er neue Ideen, die seine Ehe und sein Familienleben verbessern können.
MN: Wenn es eine zweite Auflage gibt, muss die erste sehr erfolgreich gewesen sein. Hatten sie viele Rückmeldungen von Vätern?
SG: Ja, einige haben sich bei mir bedankt und andere baten mich, es ihren Frauen nicht zu zeigen, damit deren Erwartungen nicht zu hoch geschraubt würden. Aber im Ernst, ich glaube, dass es eine Hilfe für viele Männer ist. Interessant ist, dass ich durch das Schreiben eines Buches über Vaterschaft zu einem Experten auf diesem Gebiet geworden bin. Als ein Vater im Schützengraben war ich in dieselben Auseinandersetzungen verwickelt wie alle Väter der Welt. Es gab Zeiten, da fühlte ich mich natürlich nicht als Experte. Aber nachdem ich 20 Jahre (jetzt 31 Jahre) lang versucht habe, ein guter Vater zu sein, habe ich eine gewisse Einsicht in das Thema Vaterschaft. In meinem Buch kann man einiges von dem nachlesen, was ich gelernt habe.
MN: Sie haben noch 27 Versprechen hinzugefügt und damit die Anzahl auf 200 erhöht. Das ist sehr viel. Wie sollen Väter dieses „Programm“ bewältigen?
SG: Sie sollten einen nach dem anderen Punkt behandeln. Glücklicherweise sind viele von uns Vätern nicht so furchtbar ungeschickt, dass wir ganz von vorne mit den 200 Punkten anfangen müssen. Wir werden wahrscheinlich schon eine ganze Reihe von ihnen gut hinbekommen. Die Aufgabe ist also nicht ganz so schwer. Trotzdem ist es angebracht, von Zeit zu Zeit die Ratschläge neu aufzufrischen. Wenn wir aufmerksam auf unsere innere Stimme hören, werden wir wissen, woran wir als nächstes arbeiten müssen.
MT: Hier ist ein Versprechen an ihre Frau bezüglich ihres Familienlebens: “Ich bestehe darauf, dass wir zusammen als Familie zu Abend essen.“ Wie wichtig war dieses Versprechen für ihre Familie und wie erfolgreich waren sie damit?
SG: Es war ein sehr wichtiges Versprechen. Das gemeinsame Abendessen hat uns geholfen, als Familie näher zusammenzurücken. Wir wussten immer, was im Leben der anderen vor sich ging. Ich denke, wir haben alle sehr glückliche Erinnerungen an diese gemeinsamen Abendessen in der Familie. Ich glaube, dass wir das recht gut geschafft haben. Sie können sich vorstellen, dass es eine große Herausforderung ist 10 Familienmitglieder, die alle sehr aktiv sind, jeden Abend zum Essen an den Tisch zu bringen. Und natürlich gab es auch Abende, an denen ein oder zwei Stühle leer geblieben sind. Es war aber für uns eine Priorität.
MN: Ein Versprechen an ihre Kinder: „Hin und wieder werde ich euch mitnehmen, um in einer Suppenküche auszuhelfen.“ Wie ging das vonstatten?
SG: Ab und zu halfen wir in einer Suppenküche oder besuchten ein Pflegeheim. Manchmal haben wir auch das Laub bei einer älteren Dame im Garten zusammengeharkt. Diese körperlichen Hilfsarbeiten haben wir regelmäßig mit anderen Vätern und ihren Kindern als kirchlich organisierte Aktion durchgeführt. Ich denke heute, wir hätten häufiger solche Aktionen durchführen sollen, als unsere Kinder noch kleiner waren. Es ist so wichtig für Kinder zu sehen, dass sich ihr Vater Zeit nimmt, um jemandem zu helfen, den er noch nicht einmal kennt. Und es kann unseren Kinder helfen, all das Gute, das sie erhalten, höher zu schätzen.
MN: Und noch ein Versprechen an sie selbst: “Ich werde mir eine Arbeit am Haus suchen, die ich ungern verrichte, und sie still erledigen.“ Wie hat sie das zu einem besseren Vater gemacht? Hat ihre Frau irgendwann etwas davon bemerkt?
SG: Ich bin davon überzeugt, dass die Rolle eines Vaters die des Dienens ist. Wir sind dazu berufen, wie Christus selbst ein Dienender zu sein. Wenn ich Arbeiten rund ums Haus erledige, die ich nicht wirklich gern tue, ist das eine Art, meine Liebe zu meiner Frau und meinen Kindern auszudrücken. Das macht mich zu einem besseren Ehemann und Vater. Manchmal hat meine Frau etwas bemerkt und manchmal nicht. Das Wichtigste daran ist, dass ich eine undankbare Aufgabe gewählt habe, die ich aus Liebe getan habe, ohne großes Aufheben darum zu machen.
MN: Sie sind praktizierender Katholik und wenden sich hauptsächlich an gläubige Männer. Muss eine Person gläubig sein, um den Kern ihres Buches zu erfassen?
SG: Es stimmt, dass sich „To be A Father“ an gläubige Menschen richtet. Ein Nichtgläubiger kann ohne Zweifel den Kern des Buches erfassen. Es gibt darin viele Versprechen, die die rein menschliche Seite der Vaterschaft betreffen. Aber leider kann sich ihnen der wahre Wert des Buches nicht ganz erschließen. Gläubige Väter wollen viel mehr für ihre Kinder, als dass sie nur erfolgreiche, gesetzestreue Erwachsene werden. Wir möchten, dass sie den Sinn des Lebens begreifen. Wir wollen, dass sie eine tiefe und innige Beziehung zu Gott aufbauen. Denn das wird sie glücklich machen. Die Rolle der Väter besteht darin, sie durch unser Beispiel dorthin zu führen.
MN: Abgesehen von all den individuellen Versprechen, was ist der Schlüssel zu einer guten Vaterschaft?
SG: Der Schlüssel für eine gute Vaterschaft ist, dass wir unsere Frau und unsere Kinder mit einer hingebungsvollen Liebe lieben. Ein so hochgestecktes Ziel ist schwer zu erreichen und für einige kann es so hoch sein, dass es unerreichbar scheint. “To be A Father“ versucht, dieses große Ziel in kleinere Schritte zu zerlegen, in konkrete Versprechen, die uns nach und nach auf dem Weg der wahren Liebe voranbringen. Wir Väter brauchen uns nur vorzunehmen, tagaus tagein zu kämpfen und nie aufzugeben. Wenn wir in die Augen unserer Kinder schauen, sehen wir, dass es sich lohnt.
Dr. Stephen Gabriel ist achtfacher Vater und hat fünf Enkel. Er ist leitender Wirtschaftswissenschaftler für die US Regierung in Washington. Weiterhin von ihm erschienen ist das Buch „Speaking to the Heart: A Father's Guide and Virtue“

To Be A Father: 200 Promises That Will Transform You, Your Marriage, and Your Family By Stephen Gabriel - Paper, 4x6, 128pp | Spence Publishing Company | ISBN 1-890626-66-X | US $12.95; Online-Price Amazon
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