Serie: Wikipediamania (Teil 1)

 Wikipediamania (Teil 1)
Wie heißt die Hauptstadt von Burkina Faso? Wenn Sie es nicht wissen, haben Sie mehrere Möglichkeiten, es herauszufinden. Sitzen Sie vor einem Computer, gibt es eigentlich nur einen nahe liegenden Weg: Wikipedia. Und im Nu hat man es: Ouagadougou. Wikipedia ist die erste Referenz für Schüler, wenn sie etwa ein Referat vorbereiten. In unserem ersten Artikel geht es um die Besonderheiten und die Leistungsfähigkeit dieses elektronischen Lexikons. Im Folgeartikel beschäftigen wir uns dann mit der zunehmenden Kritik an der einzigartigen Wissensdatenbank.
Wiki - oder was?
Wieso heißt die Wikipedia eigentlich so? Es ist eine Assoziation zu „Enzyklopädie“. Beim ersten Wortteil „Wiki“ handelt es sich um eine Ableitung des hawaianischen „wikiwiki“ – und das heißt „schnell“. Computerleute haben einen Hang für skurrile Bezeichnungen.
Wie funktioniert ein "Wiki"?
Ein Wiki ist ein System im Word Wide Web. Das Besondere daran ist, dass es aus Seiten besteht, die nicht nur gelesen, sondern von den Benutzern selber verändert werden können. Man kann sagen, es ist wie ein Buch, an dem alle Leser gleichzeitig mitschreiben können.
Der große Erfolg der Wikipedia liegt vor allem darin, dass es gelungen ist, diesen Redaktionsprozess technisch sehr stark zu vereinfachen. Jeder – einfache – Computernutzer kann auf seinem PC ohne Zusatzsoftware und besondere Kenntnisse Änderungen an vorhandenen Texten online durchführen - es genügt ein Internet-Browser (wie Firefox, Opera, Safari, IE).
Man klickt auf die Bearbeitungsfunktion. Sofort öffnet sich ein Eingabefenster. Jetzt kann ein Artikel erstellt oder Vorhandenes redigiert werden. Der Text wird dann durch einen Klick auf den Server hochgeladen. Ab da steht er allen zur Verfügung. Die Idee ist eigentlich schon alt, aber jetzt erst entfaltet sich dieses Konzept, weil zu der genannten Einfachheit der Eingabe folgende Dinge hinzukommen: schnelle Datenleitungen, Flatrates, viel mehr Menschen haben einen Computer, besondere Softwaretechniken auf der Server-Seite usw.
Kernidee und Kernproblem
Wenn Sie einmal einige Wikipedia-Artikel aufgerufen haben, werden Sie bemerken, dass bei vielen die Möglichkeit besteht, den Inhalt zu bearbeiten. Man erkennt dies daran, dass oben oder in den Textabschnitten selbst die Möglichkeit zu "Seite bearbeiten" oder "Bearbeiten" erscheint. Wer bei der Bearbeitung mitmachen möchte, zum Beispiel um Ergänzungen einzufügen oder Fehler zu korrigieren, klickt einfach die Bearbeitung an. Es erscheint dann ein Editor und schon können Sie den Artikel bearbeiten und abspeichern. Das bedeutet selbstverständlich, dass der Artikel dann auch so abgespeichert wird, wie er verändert wurde.

Das ist klar das Kernproblem von Wikipedia. Nämlich, dass JEDER Internetnutzer Artikel verändern kann.
Das Wikipedia Projekt ist sich dessen bewusst (Link zu der Problemschilderung). Bei einer stattlichen Anzahl von Seiten ist daher die Möglichkeit einer Veränderung eingeschränkt oder gesperrt. Die Gründe dafür reichen von klar falschen Inhalten über Vandalismus bis zum Problem so genannter „Edit Wars“. Hier die Übersicht aller derzeit geschützten Wikipedia Artikel mit Angaben zu den jeweiligen Gründen.
Wie gut ist Wikipedia?
Das Computermagazin c´t veröffentlichte im Oktober 2004 einen Vergleichstest mehrere digitaler Lexika. Wikipedia musste sich mit den kommerziellen Produkten Microsoft Encarta Professional 2005 und Brockhaus multimedial 2005 messen. Wikipedia erzielte dabei in der inhaltlichen Kategorie die höchste Punktzahl. Im Bereich der multimedialen Angebote schnitt Wikipedia dagegen schlechter ab.

Für Aufsehen sorgte im Dezember 2005 der Vergleichstest der renommierten britischen Zeitschrift Nature. Dabei wurde die englische Wikipedia Version mit der Encyclopedia Britannica gemessen. 50 Experten wurden gebeten, Fachartikel aus ihrem Bereich auf Fehler zu überprüfen. Nur knapp wurde Wikipedia von der Encyclopedia Britannica geschlagen.
Weitere Informationen zu den einzelnen Vergleichstest und Ergebnissen:
Ein Test von Thomas J. Schult unter dem Titel "Was taugen die aktuellen Enzyklopädien auf CD und DVD?".
Report des naturwissenschaftlichen Magazins "Nature" zu dem durchgeführten Vergleich von Wikipedia mit der Encyclopadia Britannica.
Fortsetzung
In der nächsten Folge geht es um die verschiedenen Problemebenen der Wikipedia. In den letzten Monaten ist die Kritik am Konzept vor allem deshalb ernster genommen worden, weil sich renommierte Wissenschaftler – und auch die Gründer der Plattform – kritisch über mögliche Folgen geäußert haben.
Taxonomy upgrade extras: