Alle Jahre wieder kommt die Erkältungszeit

Alle Jahre wieder kommt die Erkältungszeit
Auch wenn die Wettervorhersagen weiterhin für die Jahreszeit zu milde Temperaturen prophezeien und damit sogar Recht behalten, sind die Erkältungskrankheiten derzeit auf dem Vormarsch. Zum Glück handelt es sich meist jedoch nicht um die eigentliche Grippe, wie viele fälschlicherweise jeden banalen Infekt der oberen Atemwege bezeichnen. Doch das Allgemeinbefinden und damit auch der Familienfrieden können erheblich gestört werden. Wer kennt nicht die Schuldzuweisung und Fahndung nach dem unvorsichtigen Bösewicht, der diesmal die Erkältungswelle wieder ins Haus gebracht hat?!?
Als „Erkältung“ bezeichnet man eine sich selbst limitierende Infektion der oberen Atemwege. Die häufigsten Symptome sind hinreichend bekannt: Schnupfen, leichter Husten, Heiserkeit und erhöhte Temperatur, einzeln oder in Kombination.
Woher der Begriff „Erkältung“?
Zunächst ist oft das subjektive Gefühl abzukühlen und zu frösteln das erste Symptom einer Erkältung. Dies ist darauf zurückzuführen, dass über entsprechende Botenstoffe in der Temperaturzentrale des Gehirns (Hypothalamus) eine höhere Körpertemperatur vorgegeben wird, wodurch man dann selbst in warmer Umgebung ein Gefühl von Kälte hat.
Eine weitere Erklärung ist das gehäufte Vorkommen in der kühleren Jahreszeit (rascher Häufigkeitsanstieg im Herbst mit persistierendem Gipfel über den ganzen Winter).
Auch der angenommene Zusammenhang zwischen Kälteexposition (z.B. nasse Füße) und Auftreten von Erkältungen bringt die Kälte als Ursache in den Vordergrund.
So findet sich denn auch in vielen anderen Sprachen das Wort „Kälte“ in der Bezeichnung für eine Infektion der oberen Atemwege (engl.: to catch a cold,; franz.: prendre froid,; span.: resfriarse).
Erreger und Übertragungswege
Erkältungskrankheiten sind zu fast 100% von Viren verursacht; mehr als 200 verschiedene Viren wurden bisher identifiziert; häufigster Erreger sind die Rhinoviren, von denen bereits über 100 verschiedene Serotypen bekannt sind.
Die Übertragung erfolgt durch direkten (Hand)Kontakt über Nase und Augen, sowie durch Inhalation länger in der Luft befindlicher Aerosole oder direktes Auftreffen von Sekrettröpfchen. Hat also Mäxchen einmal auf den Abendbrottisch geniest, hat jeder sein Quantum satis auf der Wurst...
In Abhängigkeit vom Erreger dauert die Inkubationszeit 12 Stunden bis 7 Tage (was die eindeutige Identifizierung des Überträgers fast unmöglich macht, also Schuldfrage diesbezüglich kaum zu lösen).
Die Häufigkeit von Erkältungen ist umgekehrt proportional zum Alter: durchschnittlich erleiden Säuglinge und Kleinkinder 6-8 Erkältungsepisoden pro Jahr, Erwachsene nur 2-4. Wenn dem Baby also alle 2 Monate das Näschen läuft, ist es keineswegs der Schwächling der Familie, sondern es erfüllt einfach die Babystatistik. Auch kann beim Niesen oder Husten durchaus mal etwas aus dem Magen mit herauskommen: Schwamm drüber und natürlich frisches Hemdchen; das ist eben so, wenn alles noch so klein ist.
Komplikationen und „echte Grippe“
Bei Kindern können die Erkältungsviren auch eine sehr schmerzhafte Mittelohrentzündung hervorrufen (bis zu 20% der Fälle). Die meisten Komplikationen sind auf eine bakterielle Superinfektion zurückzuführen. Die Bakterien verursachen dann eine eitrige Nasennebenhöhlenentzündung, Bronchitis oder gar Lungenentzündung.
Bei der Grippe (auch Influenza genannt) handelt es sich um einen primär von Influenza-Viren hervorgerufenen Infekt der oberen Luftwege. Leichte Formen sind kaum von anderen Virusinfekten zu unterscheiden. Zu Recht sehr gefürchtet ist jedoch die schwere Verlaufsform mit dem charakteristischen plötzlichen Krankheitsbeginn mit hohem Fieber, trockenem Reizhusten und Muskel- und /oder Kopfschmerzen. Hier gibt es trotz aller medizinischen Fortschritte immer wieder tödliche Verläufe, auch wenn Dank staatlicher Impfprogramme eine Katastrophe wie 1918 nicht mehr zu erwarten ist (die Zahl der Todesopfer der Grippe Epidemie von 1918/19 wird weltweit auf 50 Millionen geschätzt).
Ob aktuell regional eine Influenza -Epidemie herrscht, lässt sich beim Robert-Koch-Institut abrufen.
Behandlung und Prophylaxe
Der Volksmund sagt, dass ein Erkältungsinfekt mit ärztlicher Behandlung eine Woche dauert, ohne acht Tage. Obwohl das stimmt, sind die Arztpraxen zur Erkältungszeit überfüllt, und es wird von den Ärzten nicht selten die Verschreibung eines Antibiotikums verlangt. Ein solches ist jedoch nur bei einer schweren bakteriellen Superinfektion angebracht, da Antibiotika bei Viren unwirksam sind und die unnötige Einnahme eher schädlich ist, da sich Resistenzen entwickeln. Auch Blutuntersuchungen oder gar Erregernachweisversuche erübrigen sich.
Trotz der großen sozio-ökonomischen Bedeutung von Erkältungsinfekten gibt es bisher weder für Therapie noch Prophylaxe international anerkannte Empfehlungen.
Symptomatisch sind abschwellende Nasensprays, Schleim lösende Präparate sowie einfache Schmerzmittel (Paracetamol, Ibrufen, bei Erwachsenen auch Acetylsalicylsäure) zu empfehlen.
Sie werden von den Krankenkassen nicht bezahlt; man sollte sie in einer möglichst weit entfernten Apotheke kaufen; so hat man wenigstens auch noch Nutzen von der wohltuenden frischen Luft...
Es ist also die Stunde der „Hausmittelchen“ und persönlichen Vorzüge; Großmutter ist gefragt: Es müssen nicht unbedingt die in die Nase gestopften Zwiebelscheiben sein, die endlich frei atmen lassen (in Russland üblich), es darf auch ein heißes Getränk mit oder ohne Alkohol sein, eine Brusteinreibung mit ätherischen Ölen, eine Rotlichtbestrahlung, ein Kamilledampfbad... Entscheidend ist die wohlwollende Zuwendung der Familienangehörigen, die keine Mühe scheuen, das alles herbeizuholen und vorzubereiten. Nun ja, jeder ist mal dran, auf der einen oder anderen Seite.
Im Falle einer Grippe jedoch sind Arztbesuche erforderlich, eventuell sogar eine Krankenhauseinweisung. Wenige spezifisch antiviral wirksame Medikamente stehen zur Verfügung, die möglichen Nebenwirkungen müssen erwogen werden.
Hier gibt es in Form der jährlichen Schutzimpfung eine wirksame und für ältere (ab 60) und Immun geschwächte Menschen notwendige Prophylaxe. Die Impfung erfolgt vorzugsweise in den Monaten Oktober und November, spätere Termine sind auch noch sinnvoll, vor allem bei drohender Epidemie. Eine Impfung schützt natürlich nicht vor Erkältungsinfekten, verhindert aber in hohem Prozentsatz den Ausbruch einer Grippe oder lässt diese deutlich milder verlaufen.
Die Prophylaxe der Erkältungsinfekte bleibt auch im subjektiven Bereich: weder hohe Dosen von Vitamin C, noch Zink oder Echinacea-Präparate haben einen wissenschaftlich nachgewiesenen schützenden Effekt.
Aussicht, Empfehlung und Trost
So bleiben wir auch weiterhin schicksalhaft den Erkältungsinfekten ausgeliefert, nur heilsamen Balsam erhoffend von der familiären Zuwendung.
Eingedenk der nachweislich möglichen Infektionswege ergeben sich nur wenige sinnvolle Ratschläge: Bei Erkältung weniger Küsschen und öfter mal Hände waschen (vor allem vor dem Augen reiben, Nase bohren oder Speisen zubereiten).
Und natürlich sollte Mäxchen Benimm lernen: beim Husten, Niesen oder Gähnen Hand vor den Mund!
Last but not least: es gibt immer wieder die Zeit nach der Erkältung.
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