Das neue Märchen von der Wahlfreiheit

Das neue Märchen von der Wahlfreiheit
Unverholen droht die bayerische Familienministerin Christa Stevens (CSU): „Wer drei Jahre aus seinem Job aussteigt, ist schnell Hartz-IV-Empfänger.“ Sieht so die Wahlfreiheit für die große Mehrheit der Mütter aus, die ihre Säuglinge und Kleinkinder lieber selbst erziehen wollen? Zwei entscheidende Argumente sprechen dagegen.
Glaubt man der Bundesfamilienministerin, so soll nun endlich – durch die Schaffung von 500.000 zusätzlichen Krippenplätzen und des bereits eingeführten Elterngeldes – endlich die „Wahlfreiheit“ der Mütter hergestellt werden.
Wer die familienpolitischen Maßnahmen genauer untersucht, stellt fest, dass hier Märchenerzähler am Werke sind. Echte Wahlfreiheit – zwischen häuslicher Erziehung durch die Eltern oder Fremderziehung in Kindertagesstätten – würde zweierlei erfordern:
1. Gleiche Qualität der Erziehung für das Kind.
Echte Wahlfreiheit würde eine gleiche Qualität der häuslichen Erziehung verglichen mit der Fremderziehung in öffentlichen Einrichtungen voraussetzen. Dagegen spricht nicht nur das instinktive Gefühl einer Mutter, die sich vielleicht nicht ohne Grund als „Rabenmutter“ fühlt, wenn sie ihren sechs Monate alten Säugling frühmorgens in einer Kinderkrippe abgibt.
Für die ungleiche Qualität der Erziehung sprechen auch viele Studien der Bindungs- und Gehirnforschung. Sie beweisen, dass Säuglinge und Kleinkinder sich wesentlich besser entwickeln, wenn sie konstant die mütterliche und väterliche Bezugsperson um sich haben. Fehlen diese Bezugspersonen über viele Stunden des Tages und werden sie durch eine Vielzahl von Fremdbetreuern ersetzt, kann es zu einer Reihe von Störungen und Auffälligkeiten bei den Kindern kommen.
Renommierte Fachleute wie etwa Christa Mewes, die ihr Leben lang Kinder und Jugendliche therapiert und die Wirkung von Erziehung untersucht hat, warnen dementsprechend vor der Fremdbetreuung, gerade bei den unter Dreijährigen. Unter anderem würde das Gewaltpotential und die Neigung zu kriminellen Verhaltensweisen sich durch Fremdbetreuung erheblich steigern.
Von einer qualitativen Gleichwertigkeit der häuslichen Erziehung mit der staatlich verordneten Erziehung kann demnach keine Rede sein.
2. Gleiche finanzielle Ausstattung.
Echte Wahlfreiheit würde die finanzielle Gleichheit zwischen beiden Modellen voraussetzen. Gerade an diesem Punkt ist die Heuchelei der Familienministerin mit Händen zu greifen. Und zu Recht sind die Eltern an diesem Punkt erbost.
Die so genannte „Nur-Hausfrau“ fühlt sich u.a. auch deswegen so wertlos, weil ihr Beitrag zum gesellschaftlichen Wohlstand in Form der Kindererziehung finanziell kaum anerkannt wird. Während ein Krippenplatz über 1.000 Euro im Monat kostet, erhält die zu Hause erziehende Mutter nur für 12 Monate 300 Euro und danach gar nichts mehr. Das sind also 3.600 Euro in drei Jahren, während eine berufstätige Mutter im gleichen Zeitraum etwa das Zehnfache erhält: 36.000 Euro. Sieht so eine Gleichheit der Chancen und der Wahl aus?
Das Argument von der Wahlfreiheit ist reine Augenwischerei
Allein diese beiden Punkte zeigen, wohin die familienpolitische Fahrt gehen soll. Das Argument von der Wahlfreiheit ist reine Augenwischerei. Es gehört in das Märchenbuch der Gebrüder Grimm. In Wirklichkeit soll die Wahlfreiheit der Eltern systematisch zugunsten einer staatlichen Zwangserziehung eingeschränkt werden.
Dies bekommen Familien durch die Politik von CDU/CSU und SPD bereits deutlich zu spüren. Der finanzielle Spielraum der Familien wird immer weiter eingeschränkt (siehe: Mehrwertssteuererhöhung, Streichung der Eigenheimzulage, Kürzung der Bezugsdauer des Kindergeldes), bis die Mütter sich allesamt gezwungen sehen, wieder arbeiten zu gehen.
Der Ausbau des Krippensystems – nach unterschiedlichen Schätzungen kostet dies zwischen 3 und 8 Milliarden pro Jahr – kann nur durch weitere Kürzungen bei den klassischen Familien („aufkommensneutral“, so der Bundesfinanzminister) finanziert werden. Oder Frauen bringen durch ihre Berufstätigkeit zusätzliche Steuereinnahmen herein.
Gebt den Müttern das Geld in die Hand!
Wie irrwitzig diese Rechnung ist, haben angebliche Vorzeigeländer wie Schweden, Frankreich und Norwegen jüngst eingesehen. Da das Krippensystem viel zu teuer und qualitativ zu schlecht ist, macht man dort gerade entgegengesetzte Reformen. Mütter erhalten in den ersten drei Jahren zwischen 300 und 400 Euro pro Monat für ihre Erziehungsleistungen. Wenn ein Krippenplatz sogar 1.000 Euro im Monat kostet, müssten Mütter, die zu Hause erziehen wollen, diese Summe konsequenter Weise in die Hand bekommen.
Genau das ist die Forderung, die Familienverbände, das Familiennetzwerk und andere Initiativen jetzt immer deutlicher formulieren. Denn erst wenn die Mütter das Geld für die Erziehung selbst in der Hand haben, können sie tatsächlich frei entscheiden, ob sie selber erziehen oder die Fremdbetreuung wählen wollen.
Rätselhaft bleibt bei der ganzen Diskussion, warum Frau von der Leyen diese Familienpolitik betreibt. Hat sie ihre sieben Kinder in staatliche Fremdbetreuung gegeben? Warum will sie eine wirkliche Wahlfreiheit der Mütter immer weiter einschränken?
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