Kinder und Sehen

Kinder und Sehen
Räumliches Wahrnehmen, scharfes Sehen und Farberkennung sind Fähigkeiten, die ein Mensch erst nach seiner Geburt erwirbt. Es dauert etwa zwei Jahre, bis ein Kind richtig sehen kann. Das Gehirn muss erst lernen die Informationen, die das Auge über den Sehnerv sendet, sinnvoll zu nutzen. Was man sonst noch über das Sehen bei Kindern aus augenärztlicher Sicht wissen muss, erfahren Sie in diesem Artikel.
Wann kann ein Kind richtig sehen?
Räumliches Wahrnehmen, scharfes Sehen und Farberkennung sind Fähigkeiten, die ein Mensch erst nach seiner Geburt erwirbt. Es dauert etwa zwei Jahre, bis ein Kind richtig sehen kann. Das Gehirn muss erst lernen die Informationen, die das Auge über den Sehnerv sendet, sinnvoll zu nutzen.
Wann sollten Kinder normalerweise vom Augenarzt/ - ärztin untersucht werden?
Mit 2,5 Jahren (U6). Da trotz kinderärztlicher Vorsorgeuntersuchungen ca. 5%, das heisst etwa jedes 20. Kind eines Jahrganges erst bei der Einschulungsuntersuchung und damit zu spät für eine erfolgreiche Behandlung auffällt, empfehlen sowohl die kinderärztlichen als auch die augenärztlichen wissenschaftlichen Organisationen zusätzlich zu den mehrfachen kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchungen zumindest eine augenärztliche Vorsorgeuntersuchung vorzugsweise im zeitlichen Zusammenhang mit der U 6.
Kann man Sehfehler beim Kind leicht feststellen?
Sehfehler, besonders einseitige, fallen in der Regel nicht auf. Das Kind verhält sich normal. Zu spät erkannt, kann eine lebenslange Schwachsichtigkeit (Amblyopie) entstehen, die u.a. zu Einschränkungen in der Berufswahl führt. Gleichzeitig stellen Sehfehler eine wichtige Ursache für Kopfschmerz im Kindesalter dar.
Welche Untersuchung kann schon ab dem 3. Lebensmonat nach Geburt (U 4) durchgeführt werden?
Die Untersuchung mit dem Durchleuchtungstest nach Brückner aus 3-4 Metern kann schon ab der U4 (3. Monat n. Geburt) durchgeführt werden. Der Augenarzt beobachtet an den Pupillenreflexen durch das direkte Ophthalmoskop aus 3-4 m , ob Linsentrübungen, Seitenunterschiede und höhere Brechkraftfehler bestehen. Insbesondere kann eine hohe Kurzsichtigkeit einfach erkannt werden.
Beim Neugeborenen können erhebliche Brechkraftfehler vorliegen, die sich in den ersten Lebensmonaten bei normaler Abstimmung von Augenwachstum und Brechkraftentwicklung zurückbilden. Hier sollte man nur auf Linsentrübungen achten.
Bei welchen Vorsorgeuntersuchungen prüfen Kinderärzte die Sehfähigkeit?
Bei den Vorsorgeuntersuchungen achten Kinderärzte auf die Sehentwicklung eines Kindes. Von den zehn gesetzlichen Vorsorgeuntersuchungen für Kinder regeln drei unter anderem die Überprüfung der Sinnesorgane. Die U 5 findet zwischen dem 6. und 7. Lebensmonat statt, die U 8 im Alter von 3 1/2 bis 4 Jahren und die U 9 kurz vor Schulbeginn mit etwa 5 Jahren. Sie sollten in jedem Fall alle gesetzlichen Vorsorgeuntersuchungen durchführen lassen.
Das allein genügt aber nicht, denn manche Probleme kann nur ein Augenarzt entdecken. Mehr als jedes zehnte Kleinkind sieht schlecht, warnen die Fachärzte. Je früher das entdeckt wird, desto besser die Aussichten, Schaden abzuwenden.
Bei welchen Kindern sollte besonders eine frühzeitige Augenuntersuchung durchgeführt werden?
Augenärzte raten vor allem Eltern von Risikokindern, diese spätestens ab dem 6. Lebensmonat n. Geburt augenärztlich untersuchen zu lassen. Zur Risikogruppe gehören Frühgeborene und Kinder, deren Eltern/ Geschwister schielen oder stark fehlsichtig sind. Ebenso Babys, in deren Familien es erbliche Augenkrankheiten gibt, sowie Kinder mit Entwicklungsrückständen.
Auf welche Warnzeichen sollten Eltern achten?
Sofort den Augenarzt aufsuchen sollten alle Eltern, denen bei ihrem Kind etwas Abnormes auffällt: einseitig kleinere Lidspalte (Ptosis), eine trübe Hornhaut oder grau-weißliche Pupillen. Oder wenn das Kind Lichtscheu zeigt, Augenzittern auftritt oder die Augen abnorm groß wirken. Auch ständig entzündete, tränende oder verklebte Augen können ein Warnzeichen sein.
Oft fällt ein beidseits sehschwaches Kind schon durch sein Verhalten auf: wenn es leicht stolpert oder anstößt, oder auf visuelle Zeichen nicht adäquat reagiert.
Schadet langes Fernsehen oder Gameboy-Spielen dem Auge des Kindes?
Das Fernsehen oder Gameboy-Spielen selbst schadet den Augen nicht, genausowenig wie das Lesen von Büchern, da die Augen Sinnesorgane sind und zum Sehen geschaffen wurden. Sie nutzen sich durch das Sehen also nicht ab.
Über die Entwicklung der Kurzsichtigkeit durch langes Lesen liegen unntterschiedliche Studien vor: es muß immer eine genetische Komponente hinzukommmen, damit eine Kurzsichtigkeit (meist im Schulalter)entsteht.
Etwas ganz anderes ist die Beurteilung von Inhalten von Fernsehsendungen oder die Wirkung von Computerspielen oder schlechter Lektüre auf die seelische und menschliche Entwicklung eines Kindes. Hier liegt es im klugen Errmessen der Eltern, den Kiindern vernünftige Grenzen und Regeln zu sezten. Keinesfalls sollte im Kinderzimmer ein Fernseher oder Internetanschluss sein, sondern nur in gemeinschaftlich genutzten Räumen.
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Dr. Wolfgang Hanuschik hat eine Augenarztpraxis in Berlin.
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