Gesamtschule gescheitert?

Die neue Bildungsstudie DESI weist „deutliche Defizite“ der Schüler in den Fächern Deutsch und Englisch in integrierten Gesamtschulen nach. Der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Hans-Peter Meidinger, spricht vom Scheitern der deutschen Gesamtschule.
Über die Studie „Deutsch Englisch Schülerleistungen International“ (DESI), die am 3. März im Rahmen der Kultusministerkonferenz vorgestellt werden soll, berichtet die Zeitung die WELT/KOMPAKT vom 1./2. März vorab. Rund 11.000 Schüler haben an der Studie im Schuljahr 2003/4 teilgenommen. Die festgestellten Leistungsunterschiede zwischen einzelnen Schulformen sind gravierend.
Im Fach Deutsch zeigen etwa die Hälfte der Schülern an Haupt- und integrierten Gesamtschulen große Schwächen beim Formulieren von einfachen Brieftexten. Sie vermögen einfache grammatikalische Fehler nicht zu erkennen. Dagegen sind ein Drittel der Schüler an Gymnasien am Ende der neunten Klasse in der Lage, „grammatische Fachbegriffe reflektiert anzuwenden und Texte zu schreiben, die vollständig stilsicher und nahezu fehlerfrei sind.“
Im Fach Englisch gibt es ebenfalls gravierende Leistungsunterschiede. Während an den Gymnasien eine Leistungsspitze von zehn bis 15 Prozent der Schüler Kompetenzen zeigen, die sogar über die Lehrpläne hinausragen, gibt es an Haupt- und Gesamtschulen „deutliche Defizite“. In den Hauptschulen erreichen nur rund ein Drittel der Schüler das „Regelziel er Bildungsstandards“, heißt es in der Studie.
Ein weiterer wichtiger Befund ist, dass die Mädchen der neunten Jahrgangsstufe den Jungen deutlich überlegen sind. Die Leistungsunterschiede betragen in Deutsch über 40 und in Englisch über 30 Punkte. Dies könnte ein weiteres Argument gegen den koedukativen Unterricht sein, da offensichtlich eine gleichmäßige Förderung der Geschlechter nicht gelingt.
Daher kritisiert der Chef des Philologenverbandes Meidinginger das Abschneiden der Gesamtschulen scharf. Die Mittel, die für den Erhalt der Gesamtschulen aufgewendet werden, sollten „besser in den Ausbau der Hauptschule als echte Förderschule inverstiert werden“. Er wirft der Gesamtschule ein doppeltes Versagen vor: leistungsmäßig und in der sozialen Förderung.
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