Psychologie des Alltags (13): Liebe oder Triebe?

 Liebe oder Triebe?
Das Jahr 1900 hat mit der Veröffentlichung der entscheidenden Werke dreier hervorragender Geister eine gewaltige Wende in den modernen Wissenschaften erlebt: Zwei Revolutionäre drängten nach der Zukunft, der Physiker Max Planck (Quantentheorie) und der Begründer der Phänomenologie, Edmund Husserl (Logische Untersuchungen); und ein großer Konservativer, der Begründer der Psychoanalyse, Sigmund Freud (Traumdeutung), versuchte, das wacklige Gebäude der alten Naturwissenschaften zu retten, indem er es auf die Struktur der menschlichen Seele anwandte.
Taxonomy upgrade extras: 

Psychologie des Alltags (12): Phantasie

 Phantasie
In den durchschnittlich mittelmäßigen Science-fiction-Romanen, die uns die Popkultur täglich beschert, wird des öfteren eine ganz von Technikern beherrschte Welt beschrieben, in der eine gelähmte und erblindete Menschheit nach einer Weltkatastrophe sklavenartig weiterlebt. Alles auf dieser Welt ist genau geplant, sogar die Liebe. Plötzlich aber taucht der Held auf - der Superman -, der das System umstürzen will. Er kämpft, wird verfolgt, begeht allerlei gefährliche Abenteuer und triumphiert am Ende. Damit beginnt für die Menschen eine neue Ära persönlicher Freiheit.
Taxonomy upgrade extras: 

Psychologie des Alltags (11): Dankbarkeit

 Dankbarkeit
Bitten und sogar Flehen ist menschlich und gewöhnlich; dankbar zu sein, ist seltener und doch auch menschlicher. Man kann ohne Zweifel sagen, „es gäbe keine andere Eigenschaft des Menschen, die so geeignet ist, den Zustand seiner inneren, geistigen und sittlichen Gesundheit erkennen zu lassen, wie seine Fähigkeit, dankbar zu sein“ (Otto von Bollnow).
Taxonomy upgrade extras: 

Psychologie des Alltags (10): Mittelmäßigkeit

 Mittelmäßigkeit
Schwärmerische Geister kritisieren pausenlos und mit großen - manchmal auch mit groben - Worten die allgemeine Mittelmäßigkeit der Menschen, deren Durchschnittlichkeit sie nicht ertragen können. Sie haben sich den Erfolg gesichert, weil sie eine kaum verfehlbare Scheibe treffen. Harte Wörter von männlichem Klang, klare Luft, breiter Horizont, gewürzt mit einer Prise Sadismus oder Masochismus, die die überraschten Leser und Hörer zumindest kitzelt und eine gewisse emotionelle Betroffenheit verursacht.
Taxonomy upgrade extras: 

Psychologie des Alltags (9): Aufrichtigkeit

 Aufrichtigkeit
Die Liebe zur Wahrheit führt zu den verschiedensten Daseinsöffnungen: zum Studium und zum Experiment, zur stillen Beschaulichkeit und zu der so sehr gepriesenen Aufrichtigkeit. Diese Aufrichtigkeit, die in der Offenheit ihren gefühlsmäßigen Ausdruck findet, manifestiert sich in einer Art Natürlichkeit des Geistes, in jugendlicher Frische und Durchsichtigkeit. Da ist kein Platz für Phrasen und Schnörkel, Wendungen und Ausflüchte der Politik, und auch nicht für die Kränklichkeit des Narziß, dessen Gesicht - wie Shakespeare sagte - von der Blässe der eigensüchtigen Gedanken überzogen ist.
Taxonomy upgrade extras: 

Psychologie des Alltags (8): Ausdauer oder Treue?

 Ausdauer oder Treue?
Die Lust der Kinder an der Bewegung ist Lust am Leben schlechthin, Freude an Spiel und Wagnis. Deshalb kommt ihnen die altrömische Neigung vieler Eltern und Pädagogen grausam vor, Ausdauer und Beständigkeit für die Achse des Lebens zu halten, die Beharrlichkeit als Fundament aller guten Eigenschaften des Menschen besonders hochzuschätzen und für sie zu werben. Wollen doch die Alten ihre Kräfte sparen, sie nicht vergeuden und deshalb auf Beweglichkeit und die daraus folgende Unbeständigkeit verzichten. Aber was brennt und leuchtet, verzehrt sich unweigerlich.
Taxonomy upgrade extras: 

Psychologie des Alltags (7): Mutterbindung

 Mutterbindung
Der „Mammismus“ der Italiener ist weltbekannt. Mit zuckersüßen Liedern und Schlagern besingen sie den lieben Namen der „Mama“, und flöten das so geläufig-vertraute Wort sanft ihr ganzes Leben lang. Niemand im Land der Sonne wird diese hemmungslos ausgedrückte Leidenschaft ableugnen; ja, sie wird sogar unter dem Schirm der Selbstironie gefördert und bewahrt. In anderen Ländern wurde derlei billige Romantik als Sentimentalität abgestempelt, wurde drastisch verdrängt. Obwohl ausgerechnet in Wien Ödipuskomplex und orale Fixierungen das Licht unserer rational-sachlich geformten Welt erblickt haben.
Taxonomy upgrade extras: 

Psychologie des Alltags (6): Der Leib

 Der Leib
Die sogenannte Sex-Welle, die mit all ihrer Zurschaustellung des menschlichen Leibes unsere heutige Existenz überreizt, erweckt den Anschein, daß wir in einem Zeitalter des Körperkultes leben. Trotzdem hat Camus an die Menschheit seinen weltbekannten Appell gerichtet: „Rettet die Leiber!“
Taxonomy upgrade extras: 

Psychologie des Alltags (5): Sparsamkeit

 Sparsamkeit
Sind die Helden tatsächlich müde? Ist der Enthusiasmus in unserer Welt tatsächlich ausgestorben? Man sagt des öfteren, der Mensch des technischen Zeitalters sei gegen jede Art von Begeisterung geradezu gepanzert. Er liebt die durch die kantsche Affektlosigkeit gewonnene Objektivität. Die modernste Wissenschaftsphilosophie, Husserls phänomenologische Forschung, hat dagegen seit langem die Naivität erkannt, auf solche Weise der Welt zu begegnen
Taxonomy upgrade extras: 

Psychologie des Alltags (4): Arbeitsamkeit

 Arbeitsamkeit
Im Zeitalter des „homo faber“ ist es gang und gäbe, die Arbeitsamkeit zu preisen. Sind nicht Denker, Dichter und Mönche deshalb so in Mißkredit gekommen? Seit unserer Kindheit verfolgt uns das Gespenst La Fontaines und seiner furchtbaren Ameise. „Man muß immer arbeiten!“, haben uns Eltern und Erzieher pausenlos eingeschärft. Und tatsächlich hat die Arbeit die Welt umgestaltet und verbessert, zumindest was Bequemlichkeiten aller Art anbelangt. Die Revolutionen haben uns die Ehre eingebracht, Arbeiter zu sein, und wer möchte heute nicht als solcher bezeichnet werden? Man spricht sogar von „Kopfarbeitern“, wenn dieses Wort auch ein wenig sonderbar klingt.
Taxonomy upgrade extras: 

Seiten