Credo (2)

Zur Illustration von „Gottvater“ wird in Büchern und in den Medien gern das berühmte Fresko von Michelangelo aus der Sixtinischen Kapelle (1) verwendet. Vom großen künstlerischen Wert abgesehen ist darin viel Wahres enthalten - wird Gott doch mit menschlichem Antlitz und in seiner Zuwendung zum Menschen dargestellt.

Credo (1)

Wenn man heute von „Credo“ spricht – und nicht irrtümlich annimmt, dass es sich dabei um ein neues Deo-Spray handelt – dann geht es meistens um individuelle Vorstellungen davon, was in einer bestimmten Sache gut und wichtig ist, oder was man dafür hält: Da beschreibt jemand, wie er nach eigenen Vorstellungen seine Arbeit organisiert oder seine Freizeit verbringt; so zu leben ist dann „sein Credo“. Es kann ein Sportler sein, der seine „Werte“ und seine Methoden vertritt, ein Politiker, der sich zu bestimmten Positionen „bekennt“, aber es kann auch etwas sein, das dem ursprünglichen Wortsinne näher liegt, also eine Art Lebensweisheit oder eine Alltags-„Philosophie“.

Ein Tipp vom Dalai Lama

Ein Tipp vom Dalai Lama
Vor einigen Jahren hatte ich das Privileg, ein kurzes Vieraugengespräch mit dem Dalai Lama führen zu können. Das Oberhaupt der tibetischen Buddhisten war zu Besuch in Japan, wo er sehr viele treue Anhänger hat. Eine japanische buddhistische Organisation hatte zu einem Treffen mit ihm nach Tokyo eingeladen. Auch das Diplomatische Korps war vertreten - aus Rücksicht auf ein großes Nachbarland aber nur sehr spärlich. So kam es dazu, dass ich beim Essen sehr prominent platziert wurde und gegen Ende der Veranstaltung sogar die Gelegenheit zu jenem kurzen persönlichen Gespräch bekam.
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Sondern erlöse uns von dem Bösen

Sondern erlöse uns von dem Bösen
In der abschließenden Bitte des Vaterunser kommt eigentlich alles zusammen, was Menschen erbitten können, und mit dem Verb „erlösen“ steht hier der zentrale Begriff des christlichen Glaubens überhaupt. Dabei geht es in erster Linie um das moralisch Böse – das Böse, das uns bedroht, das uns widerfährt, das aber auch durch unser Verschulden, Mitwirken oder Unterlassen geschieht. Wir beten aber auch um Befreiung von allen anderen Übeln, die uns das Leben schwer machen und wegen derer wir immer mit einem Risikogefühl leben und in der Gefahr des Leidens stehen. Ein frühchristlicher Märtyrer hat es auf zeitlose Weise formuliert: „ Wenn wir sagen ‚erlöse uns vom Bösen‘, dann bleibt nichts, was wir darüber hinaus noch zu bitten hätten“ (1).
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Und führe uns nicht in Versuchung

Und führe uns nicht in Versuchung
Die sechste Bitte des Vaterunser führt zuweilen zu kritischen Nachfragen: Ist Gott etwa selbst verantwortlich dafür, dass wir uns in allen möglichen Fallstricken verfangen - und damit womöglich auch dafür, dass wir uns schuldig machen? Manch einer, der so fragt, wittert sogar ein entlastendes Argument, ähnlich jenem, dass Gott uns nun mal so geschaffen habe wie wir sind und sich deshalb nicht wundern dürfe, dass wir „Fehler machen“. Aber Gott würde doch nicht versuchen, uns irgendwie „reinzulegen“?
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Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Die fünfte Bitte des Vaterunser steht – wie die dritte – ein wenig quer zum Zeitgeist. Die meisten Zeitgenossen fühlen sich gar nicht schuldig; Begriffe wie „Sünde“ gelten als hoffnungslos veraltet, von „Erbsünde“ ganz zu schweigen, die gilt als geradezu verbotenes Relikt aus undefinierten finsteren Zeiten. Wenn man nun damit nichts anfangen kann, gerade auch niemanden verprügelt oder bestohlen hat und auf die kleinen Tricks eher stolz ist, mit denen man sich das Leben ab und zu erleichtert, wieso muss man dann Gott um Vergebung bitten?
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Unser tägliches Brot gib uns heute

Unser tägliches Brot gib uns heute
Diese Vaterunserbitte überzeugt fast jeden, und sie ist ja auch geradezu sprichwörtlich geworden: „Tägliches Brot“ im erweiterten und übertragenden Sinne als Sicherstellung einer Grundversorgung –das kennt jeder. Auch dass es etwas elementar Christliches ist, Hungernden und Notleidenden zu helfen wird deutlich: Diese Bitte sprechen wir ja in Gemeinschaft, wir bitten immer um „unser“ Brot, nicht jeder einzeln nur um seines (1). Den Aspekt Solidarität und Nächstenliebe darf man also sicher voraussetzen. Aber wie steht mit unserer gemeinsamen Bitte an Gott?
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Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden

Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden
Diese Vaterunser-Bitte geht uns oft nur deshalb noch von den Lippen, weil wir es nicht anders gewöhnt sind. Aber eigentlich geht sie ganz gegen den Zeitgeist. Artikel Eins der virtuellen Verfassung unserer Gesellschaft besagt schließlich: Ich mache was ich will! Keinem Götzen wird so viel geopfert wie dem Ego, aber nicht nur hier und jetzt, das ist fast eine Konstante der conditio humana.
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… Dein Reich komme

… Dein Reich komme
Die zweite Vaterunserbitte wirkt auf den ersten skeptischen Blick fast ein wenig suspekt, denn was wir mit den diversen „Reichen“ der Weltgeschichte assoziieren, ist selten positiv und sicher nicht auf unserem persönlichen Wunschzettel zu finden. Und selbst wenn wir uns erinnern, dass im Neuen Testament oft vom „Kommen des Reiches Gottes“ die Rede ist, gerade aus dem Munde Jesu selbst, müssen wir doch ehrlicherweise zugeben, dass wir nicht immer so recht zu sagen wissen, was damit genau gemeint ist.
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… geheiligt werde Dein Name

… geheiligt werde Dein Name
O Gott, o Gott… was soll das nun wieder heißen? Die Anrufung Gottes geht uns umgangssprachlich leicht von den Lippen; selbst von völlig a-religiösen Zeitgenossen hört man zuweilen ein „…um Gottes Willen“, oder „…ach Du lieber Gott!“. Dagegen weht uns aus dem zweiten Halbsatz des Vaterunser mit geradezu archaischer Strenge ein ganz anderer Geist an: Dem Gottesnamen gebühren Respekt und Ehrfurcht, ein gewisser Abstand vom Alltäglichen und Banalen. Hier bezieht sich das Gebet des Herrn direkt auf die zehn Gebote, nimmt die Warnung vor dem Missbrauch des Namens auf.
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