Wenn Meinungen zu Tatsachen und Fakten zu Belanglosigkeiten werden!

Interview mit Dr. Albert Wunsch (Das Interview führte Helmut Zilliken)
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Postfaktisch ist nicht nur das (Un-)Wort des Jahres 2016, sondern meint "Mit Fakten setze ich mich nicht mehr auseinander, ist mir zu anstrengend." Postfaktisches Handeln kennen die in den 50ern, 60ern und 70ern Geborenen überhaupt nicht. Bevor über etwas geredet oder sich eine Meinung gebildet wurde, ging’s an die Recherche. Wie es sich gehört. Danach wurde heftig debattiert und um Meinungen gerungen. Heute werden stattdessen zu häufig selbst kreierte Meinungen zwischen Unfug und Halbwahrheit bzw. gezielte Unterstellungen oder Lügen an der Front der Meinungsmacher medienwirksam emotional aufgehübscht präsentiert.

Warum Fakten immer stärker – wie die Pest - gemieden werden und zur Bedeutungslosigkeit verkommen und statt dessen flott-eingängige Sprüche oder Behauptungen die Medien zu beherrschen scheinen, darauf gibt der Psychologe, Erziehungswissenschaftler und Buchautor Dr. Albert Wunsch mögliche Antworten.

Herr Dr. Wunsch, für einen vor 40 – 50 Jahren Geborenen war es in der schulischen Ausbildung und dem späteren Studium Usus, sich einem Thema dialektisch zu nähern. Der Inhalt wurde zunächst einmal recherchiert, ein pro und contra dargelegt und danach - nach reiflicher Überlegung - ein Resümee gezogen. Dann gab es eine Bewertung (Note). Warum scheint dies heute nicht mehr möglich?

Es ist heute noch genauso möglich und notwendig wie vor etlichen Jahren. Aber zu viele Menschen – besondern die zwischen 15 und 45 – scheinen den Unterschied zwischen Fakten und Meinung gar nicht mehr zu kennen. Zu dies