Rezensionen

Rico, Oskar und die Tieferschatten

Der „tiefbegabte“ Rico (Anton Petzold) lebt mit seiner alleinerziehenden Mutter Tanja Doretti (Karoline Herfurth) in der Berliner Dieffenbachstraße. Mit Zahlen, Straßenschildern oder Dingen wie rechts und links kommt Rico zwar nicht besonders klar. Dafür hat er eine ausgeprägte Fantasie. Als er den hochbegabten Oskar (Juri Winkler) kennenlernt, der zwar ein Mathe-Ass ist, aber immer einen Helm trägt, weil er vor allen möglichen Dingen Angst hat, erleben sie zusammen nicht nur Abenteuer.

Boyhood

Im Jahre 2002 begann der 1960 geborene Regisseur Richard Linklater mit den Dreharbeiten für einen Film über die Kindheit eines Jungen. In der Art einer Langzeitdokumentation, jedoch nach einem fiktionalen, selbst verfassten Drehbuch, sollten sich die Darsteller und die Filmemacher für jeweils drei oder vier Drehtage etwa einmal im Jahr treffen. Linklater begleitete Mason (Ellar Coltrane) und seine „Patchworkfamilie“ von 2002 bis 2013. Nach 39 Drehtagen in elf Jahren entstand der nun im Kino startende „Boyhood“, der von Masons Einschulung bis zum Ende der High school und seinem Einzug ins College mit 18 Jahren erzählt.

Grace of Monaco

Am Mittwochabend eröffnete die Filmfestspiele Cannes Olivier Dahans „Grace of Monaco“, der bereits im Vorfeld für Missmut sorgte. Der monegassische Hof distanzierte sich vom Film: Prinz Albert II. und seine Schwestern ließen verlauten, das Drehbuch enthalte „schwerwiegende historische Unwahrheiten und eine Reihe von rein fiktionalen Szenen“. Deshalb blieben die Grimaldi-Familienmitglieder der Vorführung in Cannes fern. Dem Film ist jedenfalls eine Schrifttafel vorangestellt, laut der es sich dabei um „eine fiktive Erzählung“ handele, die „von realen Ereignissen inspiriert“ sei.

Transcendence

Postapokalyptische Bilder: Eine ausgeschaltete Ampel, ein kaputtes Handy, eine zum Türfeststeller zweckentfremdete Computertastatur. Auf der Straße patrouilliert das Militär. Eine Off-Stimme klärt den Zuschauer darüber auf, dass das Strom- und Telefonnetz zusammengebrochen ist. Ein Mann geht in ein verlassenes Haus hinaus, und beginnt, von Will und Evelyn Caster zu erzählen. Es folgen ein scharfer Schnitt und die Aufschrift „5 Jahre früher“. Was eine kaum zu verstehende dramaturgische Entscheidung darstellt, beraubt sie doch den Zuschauer eines Großteils der Spannung während des Spielfilms „Transcendence“. So gesehen, nimmt sich Wally Pfisters Spielfilmdebüt als zweistündige Erklärung aus, wie es zu diesem Zusammenbruch moderner Kommunikationsmittel mit seinen gesellschaftlichen Folgen kam.

Recht und Freiheit privater Schulträger zur Errichtung von Mädchen- oder Jungengymnasien in Deutschland

Walter Reufels dokumentiert einen Rechtsstreit zwischen dem Bildungsministerium Brandenburg und einer pädagogisch engagierten Elterninitiative, die ihr Grundrecht auf Errichtung einer monoedukativen Privatschule wahrnehmen möchte. Diese Dokumentation ist nicht nur für Schuljuristen, sondern vor allem auch für Erziehungswissenschaftler, Pädagogen und auch für pädagogisch interessierte Eltern „ein Muss“.

Noah

Die biblische Erzählung vom Bau der Arche wurde zwar bereits mehrfach verfilmt. Die letzte Großproduktion liegt jedoch fast ein halbes Jahrhundert zurück: In John Hustons „Die Bibel“ (1966) spielte der Regisseur selbst Noah. Dieser Film bleibt allerdings eher durch einen ausgefallenen filmischen Kunstgriff in Erinnerung: Huston ließ die „drei Männer“, die Abraham bei Mamre erscheinen und ihm die Geburt eines Sohnes seiner Frau Sara ankündigen, durch einen einzigen Schauspieler, den kürzlich verstorbenen Peter O’Toole, verkörpern, um diese Theophanie visuell umzusetzen. Insgesamt inszenierte John Huston sein dreistündiges Epos treu der biblischen Vorlage jedoch sehr konventionell.

Neue Buchrezensionen

Im folgenden stellen wir Ihnen zwei bemerkenswerte Schriften vor. Im Vorfeld der 3. außerordentlichen Bischofssynode im Herbst in Rom mit dem Thema „Pastorale Herausforderungen der Familie im Kontext der Evangelisierung“ erscheint eine hilfreiche Handreichung von Dr. Albert Wunsch, der als langjähriger Paar- und Erziehungsberater ein anerkannter Experte in allen Familienfragen ist. --- Lichtjahre entfernt von den allgegenwärtigen, aber letztlich doch nur eindimensionalen Erklärungsversuchen euro-atlantischer Medien- und Politikberater beginnt die in St. Petersburg geborene Leonore Schumacher einen atemberaubenden Streifzug durch die im Jahre 988 mit der Taufe des Kiewer Großfürsten beginnende Geschichte des russischen Volkes. Gerade in unseren Tagen eine erhellende Lektüre.

Westen

Nelly Senff (Jördis Triebel) hat es geschafft, mit ihrem Sohn Alexej (Tristan Göbel) in den Westen, in die lang ersehnte Freiheit zu gelangen. Doch zunächst steckt sie in einer Art Niemandsland fest: Im Aufnahmelager wird sie von den alliierten Geheimdiensten, insbesondere vom CIA-Mann John Bird (Jacky Ido), durchleuchtet. Während Nelly um ihre Würde und ihre Freiheit kämpft, kümmert sich der geheimnisvolle, bereits seit zwei Jahren dort wohnende Hans (Alexander Scheer) rührend um Alexej – und zeigt auch Interesse an Nelly. (Foto: Senator)

Oscars 2014

Als „Bester Spielfilm“ des Jahres 2013 wurde bei der 86. Oscarverleihung in der Nacht von Sonntag auf Montag von den Mitgliedern der US-Filmakademie Steve McQueens „12 Years A Slave“ gewählt. Das politisch engagierte Sklaverei-Drama bekam noch zwei weitere Preise überreicht: in den Kategorien „Bestes adaptiertes Drehbuch“ (John Ridley) und „Beste Nebendarstellerin“ (Lupita Nyong’o). Die meisten Oscars erhielt jedoch Alfonso Cuaróns „Gravity“. Das Drama um eine Mutter, die den Tod ihrer kleinen Tochter erst nach einer Tragödie im Weltall zu akzeptieren vermag, wurde in sieben Kategorien ausgezeichnet, darunter auch „Beste Regie“.

The Fighter

The Fighter
Vor mehr als dreißig Jahren gipfelte der Hollywood-Boxerfilm in zwei völlig voneinander verschiedenen Spielfilmen: Unterstrich Martin Scorseses „Wie ein wilder Stier“ („Raging Bull“, 1980) die Brutalität und letztlich die selbstzerstörerische Kraft des Boxsports, so machte John G. Avildsen mit Sylvester Stallone in der Hauptrolle den Film „Rocky“ (1976) zu einer regelrechten Heldengeschichte im klassischen Hollywood-Stil. Obwohl sich Sylvester Stallone beim Verfassen des Drehbuchs zu „Rocky“ von einem echten Boxer inspirieren ließ, war sein Rocky Balboa eine fiktive Figur. Ganz anders David O. Russells Boxerfilm „The Fighter“, der auf der wahren Geschichte des Boxweltmeisters Micky Ward und seines Halbbruders Dicky Eklund basiert. Sozusagen als Beglaubigung dafür sind die zwei echten Halbbrüder im Nachspann des Filmes zu sehen.
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