Um Schulen zu fördern muss man die Familie stärken

von Carolyn Moynihan - insDeutsche übertragen von Horst Niederehe
---

Wenn Ihr Land ähnlich strukturiert ist wie meins, so kennen auch Sie die Klagen von Lehrerverbänden über den Geiz der Regierung gegenüber Schulen und das geringe Salär der Lehrer. Es möchte scheinen, als würde nur Geld den schulischen Erfolg garantieren.

Doch das ist nicht notwendigerweise der Fall. Neuere Forschung des Institute for Family Studies belegt, dass das, was zu Hause passiert, wohl mehr Einfluss auf den Bildungserfolg hat, als die finanzielle Förderung. W. Bradford Wilcox und Nicholas Zill analysierten Daten aus Regierungsbezirken des Staates Florida und kamen zu folgenden Schlüssen:

„Wir stellten fest, dass der Anteil der Familien mit verheirateten Eltern pro Bezirk einer der stärksten Prädiktoren für erfolgreiche Abschlüsse an Gymnasien darstellt, dieser Prädiktor ist stärker noch als Familieneinkommen, Rasse oder ethnische Zugehörigkeit. Über alle Bezirke des Staates liegen die Schulabschlüsse für jeden 10%-Punkt Anstieg bei Familien mit verheirateten Eltern um 4%-Punkte höher.“

In ihrem Bericht, Strong Families, Successful Schools, nehmen Wilcox und Zill Bezug auf eine neue Studie des MIT Ökonomen David Autor und Kollegen -- mit mehr als 1Mio Kinder in Florida, die ebenso die Bedeutung familiärer Beziehungen hervorhebt. Der Autor sagte gegenüber der The New York Times: „Insbesondere Jungen scheinen davon zu profitieren, in einer Familie mit verheirateten Eltern aufzuwachsen, es bedeutet meist Verlässlichkeit, Zuwendung und stabile finanzielle Verhältnisse.“

Die IFS Wissenschaftler weisen darauf hin, dass dieser Zusammenhang bereits vor 50 Jahren im sog. Coleman Report, Equality of Educational Opportunity deutlich wurde, der nachweisen konnte, dass der familiäre Hintergrund von Kindern, also der Bildungsstand der Eltern, das Einkommen und die Familienstruktur, wichtigere Faktoren für den Schulerfolg darstellten als Qualität, Ausrichtung und finanzielle Ausstattung der Bildungsanstalt.  

Der Unterschied, den die neue IFS-Studie macht, ist der, dass man nicht auf individuelle Kinder und deren Familien schaut, sondern kollektiv die Beziehungen zwischen Familienstrukturen und schulischen Leistungen bewertet, in dieser Untersuchung über alle Bezirke im Staate Florida.

Obwohl klar ist, dass elterliche Bildung und Familieneinkommen einen Einfluss haben, ist die Hypothese der Autoren, „dass Bezirke mit hohem Anteil verheirateter Familien von höherem Engagement der Eltern, besserer elterlicher Disziplin und stärkerer Beteiligung der Eltern in der Schulpflegschaft Nutzen ziehen, wovon wiederum Sozialisation und Bildung der Kinder in diesen Bezirken profitieren.“
Einige Ergebnisse der Studie Strong Families, Successful Schools :

* Der Anteil von Familien mit verheirateten Eltern in einem Regierungsbezirk ist einer der stärksten Prädiktoren für die Zahl erfolgreicher Schulabschlüsse dort, sowie für den gesamten Zuwachs an Graduierungen in Florida.

* Der Anteil verheirateter Familien liefert auch einen starken Prädiktor für die Schulabbrecherquote in Florida in unseren Modellen.

* Bedeutender noch ist der Anteil von Familien mit verheirateten Eltern: ein noch aussagefähigerer Prädiktor für Schulerfolg oder -abbruch als Einkommen, Rasse und ethnische Zugehörigkeit in Florida, wobei letztere Faktoren in Medien und Politik stärkere Beachtung finden.

* Der Report belegt auch eindrucksvoll, dass elterliche Erziehung und Zuwendung den besten Prädiktor für erfolgreiche Schulabschlüsse in allen Regierungsbezirken Floridas liefert.

Fazit: Selbst hervorragend ausgestattete Schulen und bestbezahlte Lehrkräfte können das emotionale und kulturelle Defizit, das zerbrochene Familien bewirken, nicht wettmachen.

---
(W. Bradford Wilcox, Soziologe, ist Direktor des National Marriage Project an der University of Virginia  und Senior Fellow des Institute for Family Studies. Nicholas Zill, Psychologe, Mitbegründer von Child Trends, ging kürzlich als Vizepräsident von Westat in den Ruhestand.)