Vaterlos und dick

von Nicole M. King - ins Deutsche übertragen von Horst Niederehe
---

Dr. David Feinberg, Präsident des Gesundheits-systems der UCLA (Universität von California, Los Angeles), ist bisher der letzte in der Reihe derer, die für neue Lösungen plädieren:

„Es wird höchste Zeit, das Problem der Fettsucht anzugehen und dem verhängnisvollenTrend Einhalt zu gebieten“, schrieb Feinberg kürzlich in einem Beitrag für den U.S. News and World Report. Das UCLA Gesundheitssystem „bündelt seine Aktivitäten mit denen der Sound Body-Sound Mind Foundation, (Gesunder Körper-Gesunder Geist-Stiftung), die sich darauf konzentriert, unterfinanzierten Schulen hochmoderne Fitness-Geräte und ein ganz neues Fitness-Curriculum zu verschaffen.“ Als Teil eines Bouquets von Maßnahmen werden im Rahmen des Programms Fitness-Center an mehreren Standorten der Universität eingerichtet und Trainer eingestellt, die den Studenten demonstrieren, dass „Ausarbeitung Spaß machen kann“. Das Programm zeigt Erfolge, behauptet Feinberg: „Die Zahl der Studenten, die das kalifornische Fitnessexamen schafften, stieg um 60%.“

Während solche Programme tatsächlich vielversprechende Ergebnisse zeitigen mögen, wird auch deutlich, wieviel Zeit, Mühe und Geld andere Institutionen für Kinder aufwenden müssen, wenn familiäre Strukturen zusammenbrechen.

Neue Erkenntnisse - Vaterlos und dick

Nicht ohne Grund haben die Gesundheitsbehörden in den letzten Jahren immer wieder ihre tiefe Sorge über die epidemisch wachsende Zahl adipöser Kinder und Heranwachsender zum Ausdruck gebracht. Allerdings haben -aus welchen Gründen immer- sich die Experten nie getraut, darüber zu reden, dass die wachsende Zahl auseinanderbrechender Familien diesen Trend erst befeuert hat, doch weisen jetzt neueste Studien in Irland diesen Zusammenhang aus. In den statistischen Daten, die Gesundheitswissenschaftler des University College Cork und des Economic and Social Research Institute at Sir John Rogerson’s Quay analysiert haben, wird diese Verkettung überdeutlich.

Bei der Untersuchung einer repräsentativen nationalen Kohorte von 8568 Neunjährigen kamen die Forscher -wie nicht anders zu erwarten- zu dem Ergebnis, dass „elterliche Fettleibigkeit einen herausragenden Risikofaktor für kindliche Fettsucht darstellt“. Auch identifizierten die Forscher im Rahmen der Studie auch einige „familiäre Faktoren…die eine Rolle, bei der Ausbildung der Adipositas der Elternteile spielen“. Einer dieser Faktoren ist der sozioökonomische Status des Haushalts. Doch ebenso fällt die Familienstruktur ins Gewicht: „Kinder von Allein-Erziehenden weisen eine wesentlich höhere Neigung zur Ausbildung von Übergewichtigkeit auf, als Kinder aus Familien mit beiden Elternteilen“. Die erhobenen Daten belegten, dass Kinder Allein-Erziehender eine fast 50% höhere Neigung (Faktor 1,47) zu Fettleibigkeit ausweisen, als gleichaltrige Kinder aus Familien mit Vater und Mutter.

„Insgesamt waren 18,1% Kinder normalgewichtiger Allein-Erziehender übergewichtig oder adipös. Deren Anteil stieg auf 34,1%, wenn der Elternteil selbst übergewichtig und auf 41%, wenn der Elternteil adipös war“.

Die irischen Wissenschaftler interpretieren ihre Ergebnisse im Licht früherer „Studien, die zu dem Ergebnis kamen, dass Allein-Erziehende oft sozial schwächer gestellt sind“, und diese Situation „ein Faktor sein könnte, die Ausbildung kindlicher Fettsucht zu erklären“.

Soziale Benachteiligung bildet dann auch den Kontext für den Aufruf der Wissenschaftler: „weitreichende Aufklärungsprogramme für die Bevölkerung zu starten, um die sozialen, ökonomischen und kulturellen Auswirkungen von Übergewicht und Fettleibigkeit bewusst zu machen“. Ohne Frage würden jedoch die „kulturellen Dimensionen“ der Fettleibigkeits-Epidemie die Elemente einschließen müssen, die -auf beiden Seiten des Atlantiks- dazu führen, dass immer mehr Menschen vor der Ehe zurück weichen.

---
(Quelle: Bryce J. Christensen and Nicole M. King, “New Research", The Family in America, Winter 2013, Vol. 27 Number 1. Study: Elimear Keane et al., “Measured Parental Weight Status and Familial Socio-Economic Status Correlates with Childhood Overweight and Obesity at Age 9,” PLOS One 7.8 [2012]: e43503.)

Dieser Beitrag wird hier mit freundlicher Genehmigung von The Family in America, einer Publikation von The Howard Center, einem Partner von MercatorNet veröffentlicht.